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Brandstifter im Busch

Feuer gehören zur Ökologie der Savannen in Afrika. In Schutzgebieten werden Feuer auch bewusst gelegt, um größere Schäden zu verhindern.

Die Autorin:

Die Südafrikanerin Elsabe van der Westhuizen ist seit vielen Jahren als Projektleiterin bei der ZGF. Sie lebt und arbeitet im Gonarezhou-Nationalpark in Simbabwe.
Feuer gehört auf natürliche Weise seit Jahrtausenden zu den afrikanischen Savannen- Ökosystemen. Auch in der traditionellen Weidenutzung spielt es eine Rolle. Die Viehhirten stecken regelmäßig Grasländer in Brand, damit nahrhafte Gräser für das Vieh frisch nachwachsen können. Auch die Anzahl parasitärer Insekten wird durch die Brände niedrig gehalten und die Verbuschung der Grasländer verhindert. Ohne Feuer gäbe es viele Savannen und die Tiere, die darin leben, nicht in der Weise, wie wir sie heute kennen. In vielen afrikanischen Schutzgebieten sind kontrollierte Brände sogar Bestandteil des Schutzgebietsmanagements. In der Serengeti beispielsweise brennt jährlich schätzungsweise fast die Hälfte der Grasländer ab.

Feuer schaffen kleinste Nischen

Making a firebreak ( (c) Elsabe van der Westhuizen
Ein Ranger legt eine Feuerschneise im Gonarezhou Nationalpark in Zimbabwe.
Unter bestimmten Voraussetzungen haben Feuer also nachweislich positive Auswirkungen auf die Artenvielfalt in einer afrikanischen Savanne. Der Wissenschaftler Colin M. Beale und seine Kollegen haben 2018 in einer wissenschaftlichen Studie gezeigt, dass es in Landschaften, in denen es mosaikartig an verschiedenen Stellen mit unterschiedlichen Arten von Feuern brennt – manche brennen länger, andere kürzer, manche sind großflächig, andere klein, manche brennen sehr heiß, andere kühler – eine größere Vielfalt an Arten gibt. Besonders in den feuchten Savannen war die Vielfalt in den Säugetiergemeinschaften um fast 30 Prozent größer, die Gemeinschaft der Vögel gar um 40 Prozent.

Die Feuer schaffen kleine ökologische Nischen, die mehr Artenvielfalt erlauben. In der Savanne verbrennen die Feuer vor allem das vertrocknete Gras, das jedes Jahr nachwächst. Das CO2, das dabei frei wird, wird durch das Wachstum von neuem Gras im nächsten Jahr wieder absorbiert. Solche Feuer sind quasi klimaneutral. Anders ist es natürlich, wenn ein Savannen- oder Buschlandökosystem jedes Jahr großflächig sehr heißen Feuern ausgesetzt ist, deren Intensität und räumliche Ausdehnung nicht wie im oben beschriebenen Mosaik variieren. Solche Feuer können schwerwiegende negative Folgen für die Biodiversität und die Struktur der Vegetation haben und zu Bodenerosion führen.

Mehr Leute, mehr Feuer

Mit zunehmendem Bevölkerungswachstum steigt auch die Zahl der Brände und so sehr die Savannengebiete Feuer brauchen, so sehr müssen sie auch vor wiederholten Flächenbränden in der heißen Trockenzeit geschützt werden. Diese ziehen unkontrolliert brennend über die Landschaft und verschonen weder Wildtiere noch Vegetation.

Aus diesem Grund hat der Gonarezhou-Nationalpark in Simbabwe, wie viele andere Schutzgebiete, eine Feuermanagement-Strategie: Wir versuchen, ein Mosaik aus heißeren und kühleren Feuern auf unterschiedlichen Flächen zu erreichen, die von Jahr zu Jahr variieren. Dazu legen wir jedes Jahr Brandschutzstreifen an – enge Korridore, häufig entlang von Straßen, die kontrolliert abgebrannt werden, um die sogenannte Brandlast zu verringern, also die Menge an trockenem brennbarem Material. Auf diese Weise können wir Brände kontrollieren, die von Menschen außerhalb des Parks gelegt wurden und die in unseren Park hineinzubrennen drohen. Und zwar bevor sie außer Kontrolle geraten und das gesamte Ökosystem verwüsten.

Early Burns: Gezieltes, frühes Abbrennen

Gorilla Magazin Cover November 2019
Das Gorilla Magazin November 2019
Parkmitarbeiter entfachen häufig sogenannte „Early Burns“, bei denen brennbares Gras früh in der Trockenzeit verbrannt wird, solange es noch feucht ist und die Temperaturen noch erträglich sind. Damit verhindert man, dass es in der Trockenzeit in Brand und dieser dann eventuell außer Kontrolle gerät. Diese Early Burns funktionieren wie Brandschneisen, sie schaffen Lücken mit geringer Brandlast in der ansonsten dichtbewachsenen Savanne. In diesen Schneisen können dann Gräser frisch nachwachsen und Wildtiere können dort Zuflucht finden, falls später in der Trockenzeit heiße, unkontrollierte Buschfeuer auftreten.

In Gonarezhou überwachen wir Feuer mithilfe von Satellitenbildern der NASA. Unsere für das Feuermanagement zuständigen Mitarbeiter erhalten Feuermeldungen per E-Mail, wenn die Satelliten Brände im Park oder in einer Pufferzone im Umkreis von 15 Kilometern um den Park herum feststellen. Im Kontrollzentrum des Parks werden Feuer außerdem in nahezu Echtzeit auf dem sogenannten Earth Ranger Monitoringsystem abgebildet.

Anhand dieser Meldungen, aber auch unter Berücksichtigung der Jahreszeit, des Standorts und der bisherigen Erfahrungen mit Bränden in dem entsprechenden Gebiet, entscheiden unsere Kollegen dann, wie reagiert wird. Die Rangerteams werden in Bereitschaft versetzt und bei Bedarf als Feuerwehrleute miteinbezogen. Sie müssen dann ggf. den Brand bekämpfen, zusätzliche Feuerschneisen legen oder sogar Gegenfeuer entfachen, mit denen man versucht, die Ausbreitung eines Feuers zu verhindern. Dafür haben wir Spezialausrüstung vor Ort, beispielsweise Brandklatschen und mobile Wassertanks.

Feuermonitoring und -management sind wichtige Aufgaben in einem afrikanischen Schutzgebiet mit Savannen und Buschland. Es gibt immer mehr Daten und neue Erkenntnisse über die positiven wie negativen Auswirkungen von Buschbränden auf die Landschaft. Für uns Schutzgebietsmanager und Ökologen heißt das, wir müssen immer auf dem Laufenden bleiben, um zu wissen wie, wann und wo wir angemessen reagieren und mit welchen neuen Methoden eine noch bessere Feuerüberwachung möglich ist.

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