Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite optimal zu präsentieren. Durch die weitere Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

 

Horst Stern - Eine Ikone des deutschen Tierfilms

Horst Stern starb am 17. Januar 2019 im Alter von 96 Jahren. Faktenbasierte, wissenschaftlich untermauerte, kritische Fernsehbeiträge waren seine Spezialität. Ein Nachruf von Christof Schenck.

Wenn Personen, die einst bundesweite Bekanntheit erreicht haben, über Jahrzehnte nicht mehr öffentlich präsent sind, verschwinden sie oft allmählich aus dem kollektiven Gedächtnis. Da ist es dann schon außergewöhnlich, wenn im Todesfall in der Tagesschau ein mehrminütiger Nachruf gesendet wird. Die Begründung dazu wurde im gestrigen Beitrag gleich mitgeliefert: Eine Ikone des kritischen Tierfilms hat uns verlassen – hieß es da. Übertrieben ist dies keineswegs.

Weder vor noch nach Horst Stern schaffte es ein Journalist so präzise, rhetorisch gewandt, in geradezu schmerzhafter Offenheit uns unseren Umgang mit den Tieren und der Natur vor Augen zu führen. Faktenbasierte, wissenschaftlich untermauerte, kritische Beiträge waren seine Spezialität. Sein Zungenschlag, sowohl im gesprochenen wie im geschriebenen Wort, einzigartig. Geradezu legendär der Beitrag und zu Jagd und Rotwild in Sterns-Stunde an Heilig Abend 1971 mit seinem Schlusswort: „Ich meine, dieses ernste Thema war eine knappe Stunde Ihrer stillsten Nacht des Jahres wert. Man rettet den deutschen Wald ja nicht, indem man ‚Oh Tannenbaum‘ singt.“
Auch wenn man die Wild-Wald-Problematik heute aus einem weiteren Blick betrachtet, zu dem auch Wildnis und Wolf gehören, war dieser Beitrag dennoch eine echte „Stern-Stunde“ seiner Zeit. Und natürlich erkannte Horst Stern die Bedeutung von Wildnis in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland: 16 Jahre nach dem Rotwild-Film stand er dem Nationalpark Bayerischer Wald in einer seiner größten Krisen bei, als der Borkenkäfer große Waldflächen vernichtete und der Urwaldansatz auf der Kippe stand. Horst Stern riet mit seiner großen Kompetenz, das einzige Richtige zu tun: Nämlich nichts. Der heranwachsende Mischwald gab ihm auch hier Recht.
Horst Sterns Wirken ging weit über die Fernsehserie hinaus. Er war Gründungsmitglied des deutschen Naturschutzbundes BUND, startete die Zeitschrift „natur“, schrieb zahlreiche Sachbücher, aber auch Romane. Für die Umweltbewegung in Deutschland war er ein wichtiger Treiber. Mit Hubert Weinzierl und Bernhard Grzimek gründete er in den frühen Siebzigerjahren die Gruppe Ökologie. Wenn man zu diesen Namen noch Sielmann, Cousteau und andere dazu nimmt, dann lässt sich bestenfalls erahnen, was ihnen damals gelungen ist: Junge Menschen zu einem anderen Blick auf die Natur zu führen, die geradezu unbändige Faszination für das, was uns umgibt, zu wecken und die Erkenntnis zu schüren, dass jeder selbst für die Erhaltung der Tiere, Pflanzen und Landschaften einstehen muss und möchte.
Horst Stern hat mich persönlich besonders geprägt. Getroffen habe ich ihn zwar nur selten. Hier und da in München oder Oberammergau bei der Wildbiologischen Gesellschaft München und viele Jahre später ein einziges Mal in Frankfurt. Doch ein Zitat von ihm vergesse ich nie:
Horst Stern Es stimmt nicht, dass der Menschen in einer sterbenden Natur ebenfalls sterben müsse. Wir werden das Wasser zum Trinken schon säubern, die Luft zum Atmen schon reinigen, die Nahrung schon synthetisieren, den Beton wohnlich machen und die Tiere aus Plüsch ans Herz drücken. Ans versteinerte. Denn nur inwendig werden wir sterben. Das allein ist wahr. Horst Stern
Horst Stern starb am 17. Januar 2019 im Alter von 96 Jahren.