Kasachstan: Drei große Saiga-Populationen erfreulich gesund

Die Geschlechterverteilung in den großen Saiga-Populationen normalisiert sich, nachdem illegale Jagd den Bestand der männlichen Tiere stark dezimiert hatte.

11.Februar 2020, Nils Elbert
  • Die Saiga-Antilope ist vom Aussterben bedroht. Wilderei ist die größte Bedrohung für die Art.
  • Ein Massensterben 2015, hervorgerufen durch das Bakterium Pasteurella multocida, reduzierte die Bestände der Betpak-Dala-Population um über 80 Prozent.
  • Durch intensive Wilderei gab es in vielen Jahren zu wenige männliche Tiere in den Gruppen, um ein gesundes Reproduktionsverhältnis zu erreichen. Männchen werden intensiv illegal bejagt, denn die chinesische Medizin schreibt ihrem Horn heilende Kräfte zu.
  • Untersuchungen von 2019 zeigen: Die Gesamtpopulation erholt sich und das Verhältnis zwischen den Geschlechtern in den Gruppen normalisiert sich zunehmend.
  • Gemeinsam mit unserem Partner ACBK schützen wir die kasachische Steppe, um den Lebensraum der Saiga-Antilopen und damit die Art zu erhalten.

Die Saiga-Antilope hat eine turbulente Vergangenheit. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zogen Millionen Tiere durch die Steppen Kasachstans, der Mongolei und Russlands. Nach einem durch Wilderei bedingten katastrophalen Einbruch der Population in den 1990er-Jahren hat eine Tierseuche den Bestand 2015 auf wenige zehntausend Tiere dezimiert. Seitdem erholt sich die Art langsam. 

Unsere Partnerorganisation Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan (ACBK) untersucht jedes Jahr die drei großen Saiga-Populationen in Kasachstan. Dabei kommen verschiedene Methoden zum Einsatz: Zählungen aus der Luft, bei denen die Herden auch fotografiert werden, und Beobachtungen am Boden, entweder mithilfe von Ferngläsern, wenn es um erwachsene Tiere geht, oder wie beim Monitoring der Kalbung, auch aus der Nähe. Im Dezember 2019 ermittelten die Wissenschaftler durch Beobachtungen am Boden das Alter und das Geschlecht von 22.882 Einzeltieren und konnten so Rückschlüsse über die Reproduktionsfähigkeit der Population ziehen.

Steffen Zuther, Projektleiter der Atyn Dala Conservation Initiative Nach dem Massensterben von 2015 hat die Wilderei den Männchen schwer zugesetzt. Ihr Anteil hat sich aber in den letzten Jahren erfreulicherweise wieder vergrößert, sodass auch die Fortpflanzung gut läuft. Steffen Zuther, Projektleiter der Atyn Dala Conservation Initiative

Mehr Tiere, stabilere Gruppen

Im Schnitt unterhalten männliche Saiga-Antilopen einen Harem von etwa fünf bis zehn Weibchen und verteidigen diese gegen Konkurrenten. Die drei Populationen sind nach den Regionen benannt, in denen sie verbreitet sind: Ural, Betpak-Dala und Ustyurt. Diese drei Gruppen zeigten bei der Untersuchung im Dezember 2019 folgendes Geschlechterverhältnis:

männchliche Tiere : weibliche Tiere
1:15
Ural-Population
1:10 Betpak-Dala-Population (1:22 in 2017 und 1:11 in 2018)
1:5   Ustyurt-Population. (1:18,6 in 2017)

Insgesamt leben etwa 334.400 Saiga-Antilopen in den drei untersuchten Gruppen (Ergebnis von Juni 2019). So viele Saigas gab es in Kasachstan seit 20 Jahren nicht mehr. Über das Jahr ziehen die Tiere durch die Steppe, nur während der Paarungszeit im Dezember und der Kalbungszeit im Mai bilden sie große Herden.

Das Team untersuchte im Dezember eine Gesamtfläche von etwa 3.200 Quadratkilometern. Zum ersten Mal nutzen sie dazu das Spatial Montoring and Reporting Tool (SMART), ein System zur Erfassung und Analyse von GPS-Daten, das von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt mitentwickelt wird. Dies erleichtert die Datenerfassung, -speicherung und auch -auswertung. Um die Anzahl der Tiere zu erfassen, wurden zusätzlich Luftaufnahmen mit einer Drohne gemacht.

Saiga 1 ©Albert Salemgareyev.JPG
A male saiga antelope (Saiga tatarica). ©Albert Salemgareyev

Wilderei ist für die Saiga-Antilopen eine der größten Gefahren. Staatliche Rangereinheiten von “Okhotzooprom” schützen die Tiere das ganze Jahr über. Während der Paarungs- und Kalbungszeit werden zusätzliche Einheiten bereitgestellt. Die Ranger unterstehen dem Komitee für Forst und Wildtiere des Ministeriums für Ökologie, Geologie und Naturresourcen von Kasachstan, das ein Partner der Altyn Dala Conservaiton Initaitive ist.   

Die nächste Luftzählung der Saigas findet im April diesen Jahres statt. Dann wird sich zeigen, wie die Tiere durch den teilweise schneereichen Winter gekommen sind. Unser Team wird dann im Mai die Kalbung der Saigas begleiten.

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