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Lomami - Der jüngste Nationalpark der Demokratischen Republik Kongo

Seit 2016 gibt es den Lomami-Nationalpark. Im April 2019 hat die ZGF das Projekt „TL2“ zum Schutz dieses Nationalparks übernommen, das die beiden Amerikaner Dr. John und Dr. Terese Hart seit 2007 leiten.

Von Dagmar Andres-Brümmer
Dieser Artikel ist im Gorilla Magazin August 2019 erschienen.
Dr Terese Hart Congo (c) Christof Schenck
Dr. Terese Hart, ZGF Projektleiterin
Im Juli 2016 wurde der Lomami-Nationalpark Wirklichkeit. Der damalige Premierminister Augustin Matata Ponyo erklärte den achten Nationalpark der Demokratischen Republik Kongo für rechtskräftig. Damit ist Lomami der erste und einzige neue kongolesische Nationalpark der letzten 40 Jahre. 8.874 Quadratkilometer ist der Park groß und er ist das Herzstück der gut 40.000 Quadratkilometer großen Naturlandschaft zwischen den Flüssen Tshuapa, Lomami und Lualaba, kurz TL2 genannt.

Ein Nationalpark entsteht nicht über Nacht. Fast ein Jahrzehnt ging von den ersten Erkundungen bis zum Nationalparkstatus ins Land. 2007 ermöglichte die Lukuru- Stiftung mit Unterstützung der Arcus Foundation, der Abraham Foundation und des U. S. Fish and Wildlife Service eine Erkundungsexpedition nach TL2. Auch die Wildcat Foundation trug maßgeblich zur Arbeit der Harts bei. Unter Leitung der kongoerfahrenen Biologen Dr. John und Dr. Terese Hart wurde das riesige Gebiet über mehrere Jahre hinweg erforscht und kartiert, womit schließlich die Grundlage und die Daten für einen Nationalparkprozess vorlagen.
Mehr zu dem Projekt TL2
Terese Hart schreibt auf http://www.bonoboincongo.com/ über ihre Feldarbeit und die Entwicklung des Projekts.

Wilderei war das größte Problem

In dieser Zeit entdeckten die TL2-Teams den Lesula-Affen (Cercopithecus lomamiensis), erbrachten neue Nachweise der Dryasmeerkatze (Cercopithecus dryas), fanden Kongos endemische Waldgiraffe, das Okapi (Okapia johnstoni), wo sie bislang nur vermutet worden war und konnten Waldelefanten (Loxodonta cyclotis) nachweisen. Vor allem aber konnten sie zeigen, dass das bisher bekannte Verbreitungsgebiet des Bonobos (Pan paniscus), des kleinen Verwandten des Schimpansen, viel größer war, als man bis dahin ahnte. Es wurde klar: Lomami hat mehr endemische Arten als jedes andere Schutzgebiet des Landes.

Klar wurde aber auch, dass die größte Bedrohung für Lomami von der Wilderei ausging: Elefantenwilderei zur Erbeutung von Elfenbein genauso wie die Fleischwilderei für sogenanntes Bushmeat. Vor allem die Elefantenwilderei ging von kriminellen Banden aus, die vor Vergewaltigung, Mord, Plünderung und Brandstiftung nicht zurückschreckten. Nur durch eine enge Zusammenarbeit mit der kongolesischen Armee, FARDC, sowie der Parkbehörde ICCN (Institut Congolais pour la Conservation de la Nature), konnten die Lukuru- Teams dabei helfen, die Sicherheit in Lomami und in den Randgemeinden zu verbessern, indem sie illegale Aktivitäten aufdeckten und zur Anzeige brachten.

Ein langer Prozess mit viel Für und Wieder

Letztendlich war es der Direktor des ICCN, Cosma Wilungulu, der 2009 auf Grundlage der Entdeckungen der TL2-Teams der Lukuru-Stiftung die Einrichtung eines Nationalparks forderte. Doch die echte Debatte, ob Nationalpark ja oder nein, fand in den Dörfern statt, in offenen Schulhäusern und unter Blätterdächern. Die Dorfchefs diskutierten mit anderen Dorfchefs, die Jäger aus entfernteren Dörfern stritten mit den Jägern aus nahe am potenziellen Park gelegenen Dörfern und die Ahnen wurden in sogenannten Tambiko-Zeremonien mit Gesang und Tanz befragt. Sieben ethnische Gruppen waren an dem Prozess beteiligt.

„Einmal wurden wir ins Haus von Senator Lubama gerufen“, erinnert sich Terese Hart. „Es waren gut 100 Menschen da und die Stimmung war angespannt. Wir mussten alle Argumente für den Park darlegen und wurden vier Stunden lang quasi verhört. Es war recht beängstigend. Dann zogen sich die Dorfvertreter zur Beratung zurück. Es dauerte Stunden. Letztendlich aber kamen sie zurück und waren sich einig, dass sie dem Ansinnen Nationalpark positiv gegenüberstehen. Und Senator Lubama war von da an unser wichtigster Unterstützer.“

2010 stimmten die Dorfgemeinschaften im Süden zu, die Einrichtung eines Nationalparks zu akzeptieren, im Jahr darauf die Dörfer im Norden. Die Gouverneure der beiden Provinzen Maniema und Orientale (jetzt Tshopo) richteten 2013 sogenannte Provinzparks ein, in denen die Jagd verboten wurde und die Tiere bis zur Nationalparkeinrichtung bereits geschützt werden sollten. Die beiden Gouverneure waren es auch, die letztendlich gemeinsam mit dem Umweltminister in einem Schreiben an die Regierung die entscheidenden Argumente für den Park lieferten.

Sektorchefs, Provinzgouverneure, Dorfälteste, Nationalparkbehörde, Biologen, Ökologen – der Lomami- Nationalpark hat eine ganze Reihe an Müttern und Vätern. Die eigentliche Arbeit aber, den Park und seine Regelungen am Boden umzusetzen, ist ein mühsames Unterfangen und braucht Zeit und konsequentes Handeln. Terese Hart ist zuversichtlich: „Mit Chantal Shalukoma haben wir die erste Frau an der Spitze eines Nationalparks in der DR Kongo. Sie ist Tierärztin, sehr entschlossen und eine wirklich gute Parkchefin.“

Der richtige Zeitpunkt

Für Lomami kam die Nationalparkausweisung zur rechten Zeit. Denn bisher profitiert Lomami von der im Moment noch geringen Bevölkerungsdichte, die noch keinen allzu großen Druck auf die Ressourcen des Parks aufbaut. Doch das wird sich ändern. „Daher ist es so extrem wichtig, dass wir genau jetzt handeln“, sagt Terese Hart. „Im Moment haben wir noch die Möglichkeit, mit Bildung und Familienplanung die richtigen Weichen zu stellen.“

Das von den Gemeinden bewohnte Land um den Park herum hat eine wichtige Pufferfunktion für den Park selbst. Daher ist es dem TL2-Projektteam besonders wichtig, mit diesen Gemeinden zusammenzuarbeiten, sodass diese beispielsweise wissen, welche Arten geschützt sind und auch außerhalb des Parks nicht gejagt werden dürfen. Auch versucht das Projektteam, Alternativen zum Jagen von Wildtieren für den Kochtopf zu schaffen. In vier Dörfern wurden dafür kleine Fischteiche angelegt. Die Dorfbewohner betätigen sich mittlerweile recht erfolgreich als Züchter und liefern wiederum Jungfische an weitere Gemeinden.

Der Schutzstatus ist kein Selbstläufer

Lomami ist durch seine abgelegene Lage und Unzugänglichkeit vor vielem gefeit. Doch wenn der Preis hoch genug ist, dann kommen auch in diesen verlassenen Wald die Elfenbeinjäger. „Die Elefantenwilderei hängt vor allem mit dem Militär zusammen“, sagt Terese Hart. Manch ein Kommandeur sichert sich offenbar seine Machtposition mit dem weißen Gold. Neben dem Elfenbein wird in Lomami alles gejagt, was als „Bushmeat“ auf den lokalen Märkten verkauft werden kann. Diese Wilderei ist aktuell noch immer die größte Bedrohung für Lomami.

Doch glücklicherweise sieht Terese Hart hier eine Trendwende, beispielsweise in Kindu, einer Stadt südöstlich des Parks: „Der Preis für Bushmeat sinkt, denn es kommt immer mehr Fleisch von Ziegen, Kühen, aber auch Fisch auf den Markt.“ Das ist zwar gut für die Tierwelt von Lomami, hat aber auch seine Schattenseite, denn jetzt werden immer mehr Feuchtsavannen trockengelegt, um dort Vieh zu halten.

Der limitierte Zugang zu Märkten und zu Technologien verhindert aktuell noch die übermäßige Ausbeutung der Ressourcen des Waldes von Lomami. Die wenigen Menschen, die mit einfachen Schlingen jagen, können nachhaltig von dem leben, was die Natur bietet. Sobald aber mehr Gewehre, mehr Straßen, mehr Fahrzeuge, mehr Menschen rund um Lomami sein werden, wird auch hier aus einer Nutzung rasch eine Übernutzung der Ressourcen werden. „Letztendlich kaufen wir mit dem Naturschutz nur Zeit“, sagt Terese Hart.

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