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Simon Anstey – Unser Mann für Afrika

Seit November 2016 leitet Simon Anstey das Afrikaprogramm der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Der 54-jährige Ökologe und Sozialwissenschaftler ist in Tansania aufgewachsen und bringt Erfahrung aus vielen Jahren Naturschutzarbeit in mehreren afrikanischen Ländern mit. Ebenso wie eine Leidenschaft für die Menschen in Afrika.

Dr. Anstey, Sie leiten das größte Naturschutzprogramm der ZGF mit Projekten in fünf Ländern. Was ist die größte Herausforderung für die Projekte?

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Simon Anstey, Afrikadirektor ZGF / Foto: Patrick Eickemeier

Nun, es gibt vergleichsweise kleine Gebiete in Afrika, die noch weitgehend von natürlichen Prozessen geprägt sind. Und es gibt dort eine wachsende Bevölkerung und große Erwartungen was die wirtschaftliche Entwicklung anbelangt. Das Bevölkerungswachstum ist einer der kritischsten Faktoren für fast alle afrikanischen Länder. Es hat Auswirkungen auf die Schulbildung, die Gesundheitsversorgung und viele weitere Bereiche. Wir müssen uns fragen: Welche Folgen hat eine rasche Urbanisierung und was bedeutet sie für die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen?

Das heißt, im Naturschutz stehen die Menschen im Mittelpunkt?

Ja, eine zentrale Frage in all unseren Projekten ist: Wie können wir einerseits diese Juwelen, diese wichtigen Naturgebiete schützen, und andererseits den Bedürfnissen der ländlichen Bevölkerung nach Entwicklung Rechnung tragen? Ich weiß, dass die meisten Menschen hier im Herzen Naturschützer sind, schon aufgrund ihrer Geschichte und ihrer Kultur. Dennoch brauchen wir noch mehr Unterstützung von den ländlichen Gemeinden, aber auch von Entscheidungsträgern auf Regierungsebene. Ohne sie wird es extrem schwierig, Schutzgebiete zu erhalten.

Was bringen Sie in Ihre Rolle als Afrika-Direktor ein?

Erstens habe ich die meiste Zeit meines Lebens in Afrika verbracht. Und zweitens habe ich in Institutionen und Jobs gearbeitet, wo es darum ging, das Wildtiermanagement mit den sogenannten „Benefits“ zu verknüpfen, also dem konkreten Nutzen, den die Menschen vor Ort von den Wildtieren haben.

Was bedeutet das genau?

Das heißt, dass die Art und Weise attraktiv sein muss, wie die Menschen Wildtiere und natürliche Ressourcen – also beispielsweise Wasser oder Wald – nutzen dürfen. Sie muss attraktiver sein als eine nicht nachhaltige Nutzung.

Simon Anstey, FZS Africa Director Die ZGF hat schon immer sehr praxisorientiert in Afrika gearbeitet. Viele unserer Projekte beziehen immer stärker die Gemeinden der Projektregionen in den Naturschutz mit ein. Simon Anstey, FZS Africa Director

Was gefällt Ihnen am Ansatz der ZGF und was möchten Sie ändern?

Die ZGF hat schon immer sehr praxisorientiert in Afrika gearbeitet. Viele unserer Projekte beziehen immer stärker die Gemeinden der Projektregionen in den Naturschutz mit ein. Das gefällt mir. Derzeit hängt im Naturschutz aber viel von Spendengeldern ab und der Bedarf wird immer größer. Hier müssen wir langfristige Investoren suchen. Daran müssen wir arbeiten.

Eine Veränderung ist bereits im Gange: Das Regionalbüro der ZGF in Afrika zieht um.

Ja, der Umzug von Seronera im Serengeti Nationalpark nach Arusha ist zwar ein Bruch mit der Vergangenheit aber auch eine große Chance für bessere Kooperation mit anderen Institutionen und Organisationen. Unser Serengeti-Projekt wird aber vor Ort bleiben.

Möchten Sie denn das ZGF-Programm in Afrika erweitern?

Für dieses Jahr ist es sicherlich wichtig, unsere Position dort auszubauen, wo wir bereits sind. Aber es gibt ein mögliches neues Projekt in Nord-Sambia und es gibt weitere im südlichen Afrika, über die wir nachdenken.

Was bedeutet Wildnis für Sie?

Das Wort hat in unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Bedeutungen. Ich glaube, Wildnis ist sehr wichtig für die Menschen. Sie steht für die Möglichkeit, dem Druck und Stress zu entkommen, den ein Leben in der Stadt oft mit sich bringt. Wir brauchen diese großen Gebiete, in denen Prozesse ablaufen, die nicht von Menschen bestimmt werden. Für mich heißt „Wildnis“ aber nicht „Betreten verboten“. Ich kenne in ganz Afrika kaum eine Wildnis, in der es nicht auch Menschen gibt.

Verraten Sie uns, was Sie in ihrer Freizeit tun?

Ich lese sehr gerne. Vor allem über afrikanische Geschichte. Und ich bin gerne draußen in der Wildnis und bei meinen Freunden, von denen viele hier im ländlichen Afrika zuhause sind. Ich mag es, einfach zu wandern und neue Gegenden zu erkunden. Neue Orte und neue Kulturen - das ist eine feine Sache. Und ich hoffe, dass ich das noch lange tun kann. Nicht nur in Afrika.

Sunset behind tree

Unsere Projektregionen

Riesige, unberührte Landschaften, in denen natürliche Prozesse unbeeinflusst vom Menschen ablaufen, das ist Wildnis. Der Schutz von Wildnisgebieten ist der Schwerpunkt unserer Arbeit - im tropischen Regenwald Perus genauso wie in den Savannen Afrikas.

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