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Ein Freund und Wolfsfreund ist gegangen

Wenn die Wölfe eine klare und deutliche Stimme hatten, dann war es die von Ulrich Wotschikowsky. Der Wildtierbiologe aus dem bayerischen Oberammergau galt als einer der renommiertesten Experten, wenn es um eine sachliche und fundierte Diskussion zum Thema Wolf ging. Am 30. August 2019 ist „Wotsch“, wie er von seinen Freunden genannt wurde, einem Krebsleiden erlegen.

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Ulrich Wotschikowsky (Foto: Christof Schenck)

Ulrich Wotschikowsky war ein streitbarer Geist, ein Freidenker und Querdenker und auch mit 79 Jahren noch ein scharfer Verstand. Und jemand, bei dem das Glas immer halbvoll war, niemals halbleer. Seine positive Einstellung und seine tiefe Liebe zur Natur und den Wildtieren machten ihn zu einer starken Stimme für die Rückkehr der Wölfe. Auf seinem Wolfsblog “Wolfsite – Forum Isegrim” (www.woelfeindeutschland.de) schrieb er sich von der Seele, was er in Sachen Wölfe zu sagen hatte, bisweilen bissig, oft humorvoll aber immer fachlich fundiert. Noch vor wenigen Wochen ging er in seiner unnachahmlichen Art den bekannten Ökologen Josef Reichholf an, da der in einem FAZ-Interview zur Rückkehr der Wölfe einiges an Irrtümern und „kaltem Kaffee“ serviert habe.     

 

Fachliche Richtigkeit war für ihn ein zentraler Punkt, und die mahnte der Journalist und Autor Wotschikowsky von Isegrims Gegnern wie Befürwortern gleichermaßen an „Oberflächlicher Aktionismus und ungehobelte Sprache helfen weder den Wölfen weiter noch den Weidetierhaltern“, schrieb er in seinem Blog. 

  

Der studierte Förster Ulrich Wotschikowsky war begeisterter Jäger, Hundeführer und Angler. Jemand, dem daran gelegen war, Brücken zu bauen, Brücken zwischen Jägern und Nichtjägern, zwischen Naturschutz und Nutzung. Er hat das Wildtiermanagement im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus nachhaltig beeinflusst, etwa als Mitglied der Large Carnivore Initiative for Europe, einer Expertengruppe für große Beutegreifer innerhalb der Species Survival Commissionder Weltnaturschutzorganisation IUCN, die unter anderem die Europäische Kommission berät. 

 

In seiner Zeit beim Nationalpark Bayerischer Wald war Ulrich Wotschikowsky für das Wildtiermanagement zuständig, später arbeitete er als Journalist und als freiberuflicher Wildbiologe. Im kanadischen Yukon forschte er in einem Wolfsprojekt mit Bob Hayes und als die Wölfe ihre Rückkehr nach Deutschland begannen, wurde Wotschikowsky ein gefragter Berater. Unter anderem war er maßgeblich beteiligt an der Erstellung der Wolfsmanagementpläne für Sachsen und Brandenburg. 

 

Ulrich Wotschikowsky durfte in dem Wissen gehen, dass ihm die Liebe seiner Familie und Freunde und der Respekt seiner Kollegen aber auch seiner Widersacher gewiss war. Sein Herz schlug für die Wildtieren und in einem Fernsehinterview sagt er einmal sehr treffend: "Sie sind da, weil sie da sind, weil sie uns der Schöpfer gegeben hat - oder die Natur oder die Evolution... Wir haben die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, sie zu erhalten.“

 

Wir werden ihn vermissen.