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Bäume stoppen Wildtierzählung im Selous-Mikumi-Ökosystem

Matambwe, Selous Game Reserve, 6. Oktober 2017 – Eine Wildtierzählung im Selous-Mikumi-Ökosystem in Tansania wurden wegen ungewöhnlicher Bedingungen vor Ort abgebrochen. Der unerwartet frühe Austrieb von Bäumen reduziert die Sichtbarkeit der Tiere aus der Luft. Die Zählung hatte am 20. September begonnen und sollte große Säugetiere im Selous Game Reserve, Mikumi-Nationalpark, im Selous-Niassa-Korridor und der umliegenden Pufferzonen erfassen. Nach Erfassung eines Viertels des über 110.000 Quadratkilometer großen Gebietes entschied das Team, die Zählung zu stoppen. Die dichte Laubbedeckung verfälschte die Daten. Die Zählung soll im nächsten Jahr in der Trockenzeit wiederholt werden.

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Unter dem für diese Jahreszeit ungewöhnlich dichtem Kronendach ist nur ein vergleichsweise kleiner Anteil der Tiere aus der Luft sichtbar. Foto: André Baumgarten/ZGF
„Die Miombo-Bäume schlagen in diesem Jahr aufgrund der ungewöhnlich langen Regenfälle besonders früh aus“, sagt Edward Kohi, leitender Wissenschaftler des Umfrageteams vom tansanischen Wildtierforschungsinstitut (Tanzania Wildlife Research Institute, TAWIRI). Die Zählungen werden seit 1976 regelmäßig in der Trockenzeit durchgeführt, wenn das Kronendach der Miombowälder normalerweise relativ licht ist. „Aber in diesem Jahr sind die Bedingungen anders, so dass wir aufgrund der schlechten Sichtbarkeit der Tiere Schwierigkeiten hätten, verlässliche Aussagen zu treffen und unsere Ergebnisse mit denen aus früheren Jahren zu vergleichen“, sagt Kohi.

Die ersten Ergebnisse zeigten, dass die Abschätzung der Gesamtbestände großer Säugetiere nicht korrekt getroffen werden könnten. Die Wissenschaftler von TAWIRI rieten daher dem Direktor der Wildlife Division und den beteiligten Institutionen Tanzania Wildlife Management Authority, Selous Game Reserve, Tanzania National Parks, der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und dem Förderer KFW die Zählung zu stoppen und zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen.

Die Entscheidung beruht auf den Ergebnissen von Aufklärungsflügen, Beobachterberichten und Tausenden von Fotos. Wetterdaten zeigen, dass in diesem Jahr Regenfälle etwa einen Monat länger anhielten als normalerweise. Darüber hinaus gab es auch ungewöhnlich viel Niederschlag in höheren Lagen. Vor allem im Westen des Ökosystems und in den südlichen Teilen des Selous Game Reserve ist die Blätterbedeckung ungewöhnlich dicht und das Gras besonders hoch. Auch im Gebiet des Selous-Niassa-Korridors ist das Kronendach für diese Zeit des Jahres ungewöhnlich dicht. Unter diesen Bedingungen ist nur ein vergleichsweise kleiner Anteil der Tiere aus der Luft sichtbar.

Eines der Hauptziele der diesjährigen Wildtierzählung im Selous-Mikumi-Ökosystem war den Bestand von Elefanten und anderen Wildtieren zu erfassen, einschließlich der Populationsentwicklung und Altersstruktur. Die tansanische Regierung wollte diese Ergebnisse im Februar 2018 dem UNESCO-Weltkulturerbe-Komitee vorlegen. Die Zählung wurde im Rahmen des „Selous Ecosystem Conservation and Development Program“ umgesetzt, das von der KfW im Auftrag der deutschen Bundesregierung finanziert wird.

Luft-Zählungen im Selous-Ökosystem werden seit 1976 regelmäßig, in der Regel alle drei bis vier Jahre durchgeführt. Große Säugetiere ab der Größe von Impala-Antilopen können zuverlässig gezählt werden. Die Beobachter zeichnen auch Spuren menschlicher Aktivitäten wie Beweidung und Landwirtschaft auf. Die Zählungen sind ein wichtiger Bestandteil des Managements von großen Schutzgebieten, da sie Trends in der Entwicklung großer Säugetierarten aufzeigen, sodass der Erfolg des Schutzes oder anderer Maßnahmen bewertet werden kann.

Hinweise für Redakteure

Das Selous Game Reserve ist mit rund 50.000 Quadratkilometern, vergleichbar mit der Fläche der Schweiz, eines der größten Schutzgebiete Afrikas. In ausgewiesenen Bereichen sind Fototourismus oder Jagd zugelassen. 1982 wurde das Selous-Schutzgebiet aufgrund seiner globalen Bedeutung in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen. Aufgrund deutlicher Rückgänge der Elefanten- und Nashornpopulationen sowie Bedrohungen durch Bauprojekte und der Erteilung zahlreicher Bergbaulizenzen wurde das Selous-Schutzgebiet 2014 vom UNESCO-Welterbekomitee als „gefährdete“ Welterbestätte eingestuft.

Das Selous-Schutzgebiet ist ein Miombo-Waldgebiet mit hoher Dichte und Vielfalt von Arten. Es beheimatet große Wildhund- und Löwenpopulationen. Auch bedeutende Populationen von Huftieren, darunter Flusspferd, Büffel, Großer Kudu, Njassa-Gnu, Rappen-, Lichtenstein-, und Elenantilope kommen hier vor sowie eine große Anzahl von Nil-Krokodilen und mehr als 430 Vogelarten.

Das „Selous Ecosystem Conservation and Development Program“ (SECAD) soll den Schutz der Selous Game Reserve und seiner Randgebiete verbessern und den Status des Schutzgebietes als UNESCO-Weltnaturerbe erhalten. Das Programm wird von der KfW im Auftrag der deutschen Bundesregierung finanziert und vom tansanischen Ministerium für Natürliche Ressourcen und Tourismus (MNRT) und der tansanischen Wildtierbehörde Tanzania Wildlife Management Authority (TAWA) in Zusammenarbeit mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) umgesetzt. Die ZGF unterstützt das Management des Selous Game Reserve, WWF unterstützt nachhaltiges Ökosystemmanagement der natürlichen Ressourcen in vorrangigen Teilen der Pufferzonen und eine internationale Beratungsfirma unterhält Infrastruktur und Ausrüstung.

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