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Deutscher Afrika-Preis für Gerald Bigurube

Ob als unerschrockener Pilot an vorderster Front im Kampf gegen Wilderer oder als Mitentwickler einer entwicklungszentrierten Naturschutzpolitik - Gerald Bigurube ist das Gesicht erfolgreichen Naturschutzes in Afrika. Dafür erhielt er am 27. November in Berlin den Deutschen Afrika-Preis.

Den Wechsel zwischen der heißen, staubigen Savanne der Serengeti und dem politischen Parket in Berlin schafft Gerald Bigurube spielend. Er ist es gewohnt. Seit 44 Jahren engagiert sich der 66-jährige Tansanier für den Natur- und Wildtierschutz in seinem Heimatland, hat zu den Rangern der Schutzgebiete genauso einen Draht wie zu Parlamentariern und Entscheidungsträgern. Der Spagat ist oft nicht einfach.   

l.t.r. Gerald Bigurube, Jan Hofer (news anchor), Wolfgang Schäuble (President German Bundestag 2018) during Afrika Price 2018 award ceremony in Berlin. (©German Africa Foundation)
Gerald Bigurube, Jan Hofer, Wolfgang Schäuble

Die Bewahrung eines Weltnaturerbes wie der Serengeti ist nicht zuletzt auch im wirtschaftlichen Interesses des Landes, dessen Tourismuseinnahmen 13 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen. Als kritischer Berater tansanischer Präsidenten und Minister hat Bigurube es vermocht, das Bewusstsein der politischen Führung für den Naturschutz zu schärfen. Doch der Wind in Tansania ist rauer geworden in jüngster Zeit. Aktuell gibt es eine Tendenz, Fragen des Naturerhalts zu Gunsten illusionärer Megaprojekte hintenanzustellen. Zum umstrittenen Staudamm-Projekt im Selous Game Reserve formuliert es Bigurube diplomatisch, doch die Frustration ist ihm anzuhören: „Tansania braucht günstige Energie für die wirtschaftliche Entwicklung, das steht außer Frage. Die einzige Chance, dass der Damm nicht kommt, wäre es, schnell eine andere Lösung für günstige Energie zu finden. Das sehe ich gerade nicht.“

Für den Selous, mit fast 55.000 Quadratkilometern das größte zusammenhängenden Schutzgebiet des Landes, steht viel auf dem Spiel. Kommt der vom Präsidenten gewünschte Megastaudamm, der den Rufiji-Fluss aufstauen soll, dann verschwindet der Lebensraum vieler seltener Arten unter einer Wasserfläche, die mehr als doppelt so groß ist wie der Bodensee. Doch nicht nur das: Auch für die Menschen außerhalb des Schutzgebietes, sogar bis hinab zu den Mangroven an der Küste, wird die gravierende Veränderung des Wasserregimes spürbare Folgen haben.

Gerald Bigurube and Clovis Razafimalala with members of the German Africa Foundation during award ceremony Africa Award 2018 in Berlin. @ German Africa Foundation
Gewinner des Afrika-Preis 2018: Gerald Bigurube und Clovis Razafimalala.

Dreh- und Angelpunkt im Naturschutz

Gerald Bigurube arbeitete 16 Jahre lang als Leiter und in anderen führenden Positionen bei der tansanischen Nationalparkbehörde TANAPA, die für alle Nationalparks in Tansania zuständig ist. Seit 2010 ist er Landesdirektor für Tansania der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, dieses Jahr wird er in den Ruhestand gehen.

Als in den 1990er-Jahren die Wildtierbestände in Tansania durch Wilderei und Lebensraumverlust massiv zurückgingen, hatte Bigurube einen wesentlichen Anteil daran, dass die tansanische Naturschutzpolitik den Wildtierschutz mit den Grundbedürfnissen der Menschen auf dem Land stärker verknüpfte. So setzte er sich erfolgreich dafür ein, dass die Einnahmen aus dem Safari-Tourismus nicht nur dem nationalen Haushalt zugutekamen, sondern auch direkte soziale und ökonomische Wirkungen in den Randzonen der Schutzgebiete erzielten. Die Etablierung von „Wildlife Management Areas“ war ein Ergebnis dieser Bemühungen.  

Eine Auszeichnung von Gerald Bigurubes langjährigem Engagement als stets besonnener Brückenbauer zwischen Regierung und Bevölkerung ist damit ein wichtiges Zeichen zum richtigen Zeitpunkt. Wie kein anderer symbolisiert Bigurube auf dem von Wilderei geplagten afrikanischen Kontinent einen nachhaltigen Naturschutz, der im Einklang mit wirtschaftlicher Entwicklung steht.

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