Die Schattenseite des Goldes

Der Abbau von Gold aus den Flüssen des Amazonasbeckens ist einer der Motoren bei der Zerstörung des Amazonasregenwaldes. Die Peruanerin Astrid Aguilar soll nun als Gold-Koordinatorin der ZGF das Thema stärker angehen.

Von Astrid Aguilar

Es ist kein Geheimnis, dass die brasilianische Regierung unter Präsident Jair Bolsonaro mehr als bereit dazu ist, Regenwälder abzuholzen – für den kurzfristigen wirtschaftlichen Profit und für Produkte, deren Käufer meist in Europa und den USA leben. Anfang dieses Jahres hat die Regierung zudem Pläne verlauten lassen, man wolle den Rohstoffabbau auf dem Land der Ureinwohner Brasiliens erlauben. Die Frage ist: Sind Unternehmen, Regierungen, aber auch die Verbraucher bereit, das zu akzeptieren? Tolerieren wir Verbraucher, dass Goldgewinnung die Umwelt zerstört?

Goldmining
Entlang der Amazonaszuflüsse im Osten Perus, aber auch wie hier in Guyana frisst sich der illegale Goldabbau in die Regenwälder ©Daniel Rosengren

Der Abbau von Gold hat der Amazonasregion in den letzten zehn Jahren zugesetzt: Illegale Goldwäscher holzen die Wälder ab, graben Flüsse und Böden um, um das kostbare Mineral zu gewinnen und hinterlassen Mondlandschaften. Allein 2015 gelangten dabei in Südamerika rund 646 Tonnen des hochgiftigen Schwermetalls Quecksilber in Gewässer und Böden und 340 Tonnen Quecksilber wurden in die Atmosphäre freigesetzt. Ökosysteme und die lokale indigene ebenso wie die nicht indigene Bevölkerung werden vergiftet. Tropische Krankheiten wie Denguefieber und Malaria erleben durch die Waldzerstörung ebenfalls ein Comeback.


Gesundheitsgefährdung ist nicht das einzige Problem im Zusammenhang mit dem Goldwaschen im Amazonasgebiet. Auch das organisierte Verbrechen blüht. Die Goldwäscherstadt La Pampa in der Region Madre de Dios in Peru war quasi ein rechtsfreier Raum, wo Mord und die Prostitution von Minderjährigen zum Alltag gehörten. Eine „Stadt“, in der alles mit Gold bezahlt wurde und die sich ungebremst ins Nationalreservat Tambopata hineinfraß. Der einzige  Ausweg, den die peruanische Regierung sah, um die Invasion zu stoppen und die Kontrolle wiederzuerlangen, war eine Militäroperation. Operación Mercurio begann im März letzten Jahres und wird bis 2021 andauern.

Draga
Ein Goldwäscherfloß, eine sogenannte Draga, auf dem Caquetá-Fluss in Kolumbien ©Daniel Rosengren
Fast ein Jahr nach dem Auftakt von Operación Mercurio gibt es immer noch einige Goldwäscher, die im Schatten der Nacht in der Pufferzone des Parks arbeiten und ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem Militär vor Ort spielen. Es ist zudem schwer, die Operation als Erfolg zu bezeichnen. Das Militär hat die Goldsucher zwar aus dem Reservat verjagt, diese haben aber sofort nach neuen Orten gesucht, wo sie wieder tief im Wald nach Gold schürfen können.

In den anderen südamerikanischen Ländern ist die Situation ähnlich. Auch hier ging der illegale Goldabbau im letzten Jahrzehnt durch die Decke und 19,5 Prozent des gesamten Amazonasgebiets (107.227.176 Hektar) sind mittlerweile davon bedroht. Er gefährdet die Integrität der Schutzgebiete und der indigenen Gebiete in den neun Nationen, die sich den Amazonaswald, eine der letzten „Kathedralen“ der Wildnis auf unserem Planeten, teilen.

Tolerieren wir Verbraucher, dass Goldgewinnung die Umwelt zerstört?

Draga in Guyana
Von den Dragas, den Goldwäscherflößen aus wird das Gold aus dem Sediment gewaschen – und Quecksilber ins Wasser gespült ©Daniel Rosengren

Die ZGF hat beschlossen, das Problem Gold aktiver anzugehen und hat im letzten Jahr mich als Koordinatorin für Goldabbau und Naturschutz angestellt, die das Thema organisationsweit zusammenführen wird. Keine leichte Aufgabe, den Kontext in jedem Land zu verstehen, in dem wir arbeiten, die sozioökonomische Dynamik, die Politik und

die Regierungsführung. Ich untersuche den Handel mit Quecksilber und Gold auf nationaler und internationaler Ebene, die Unzulänglichkeiten der Strafverfolgung gegen das organisierte Verbrechen und was an Daten zu diesem Thema vorhanden ist oder noch fehlt. Die Komplexität des Themas ergibt sich auch aus der Tatsache, dass wir es mit einem international gehandelten Rohstoff zu tun haben, dessen Preis stetig steigt. Die Zentralbanken aller Länder füllen ihre Goldlager auf, ohne den Preis von Gold für die Umwelt zu kennen.

 

Gold wird bei den Gründen, die uns zum „Kipppunkt“ des Amazonas-Ökosystems führen, oft vernachlässigt, trägt aber auch dazu bei, dass das Regenwaldökosystem immer instabiler wird. Und die Ankündigung der brasilianischen Regierung, indigene Gebiete für Rohstoffabbau zu öffnen, bestärkt all diejenigen, die inoffiziell oder illegal

nach Gold suchen, es noch intensiver zu tun. Wir werden nicht so leicht aufgeben, aber die letztendliche Entscheidung liegt in den Händen der Goldindustrie. Es sei denn, Regierungen und Verbraucher reichen uns die Hand und entscheiden sich anders.


Die Peruanerin Astrid Aguilar ist Gold Mining & Conservation Coordinator der ZGF in Lima.