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Erste Ergebnisse zum mysteriösen Massensterben von Saiga-Antilopen in Kasachstan

Im Mai dieses Jahres hatte ein mysteriöses Massensterben von Saiga-Antilopen in Kasachstan Wissenschaftler weltweit vor ein Rätsel gestellt und Naturschützer vor einen desaströsen Rückschlag beim Schutz der Art. Innerhalb von nur wenigen Wochen waren Zehntausende von Saigas während der Kalbungszeit in verschiedenen Gebieten in der zentralkasachischen Steppe qualvoll verendet. Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern versuchen seitdem fieberhaft herauszufinden, was die genaue Ursache des ungewöhnlichen Massensterbens war.

Frankfurt, 2. Nov. 2015  - Bei einem von der Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (Convention on Migratory Species, CMS) organisierten und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) mitfinanzierten Expertentreffen in Taschkent in Usbekistan wurden vergangene Woche erste Ergebnisse präsentiert und die offiziellen Zahlen zur Anzahl verstorbener Saigas vorgestellt. CMS ist dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen zugeordnet. 

 

Nach den jetzt veröffentlichten offiziellen Angaben der kasachischen Regierung sind in diesem Frühsommer mindestens 150.000 Saigas gestorben. Das entspricht 65 % der Betpak Dala Population, die vor dem Massensterben 242.500 Tiere groß war. Experten in Kasachstan schätzen jedoch, dass die Anzahl der verendeten Tiere viel höher ist, da in der Kürze der Zeit nicht alle toten Tiere gezählt werden konnten. Zudem ergab eine Zählung der noch lebenden Tiere im Juli dieses Jahres, dass der Bestand nur noch bei knapp über 30.000 Tieren liegt. Die Betpak Dala Population, benannt nach einer Steppe in Zentralkasachstan, war bis dahin die größte Einzelpopulation der Saigas weltweit. Das Massensterben ist insofern doppelt tragisch, als die Saiga-Population gerade dabei war, sich von der verheerenden Wilderei in den 1990er-Jahren zu erholen. „Die Bestände waren nach Jahren intensiver Schutzbemühungen endlich wieder auf einem Niveau, das uns Hoffnung gegeben hat, dass die Art gut überleben würde“, sagt Michael Brombacher, der den Saiga-Schutz bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt koordiniert und die ZGF in Taschkent vertreten hat.

Saiga Population (Source: FZS)

Kombination aus Bakterien und Umweltfaktoren als mögliche Ursache

Die bisherigen Laborergebnisse von Instituten aus Kasachstan und Feldforschungen des Royal Veterinary College in London und von anderen Instituten deuten darauf hin, dass eine hämorrhagische Septikämie, wie sie bei wilden Paarhufern, aber auch bei Rindern vorkommen kann, die Ursache des Massensterbens war. Zwei Bakterien, Pasteurella multocida Serotyp B und Clostridium perfringens, trugen entscheidend zu dem extrem schnellen und qualvollen Tod der Tiere bei. Allerdings wurde die Infektion wohl kaum von einem Tier aufs andere übertragen, da sie unabhängig voneinander in 13 Gruppen und über eine Fläche von 250.000 Quadratkilometer hinweg fast synchron auftrat. 

„Alle Experten gehen im Moment davon aus, dass es einen oder mehrere Umweltfaktoren gibt, die letztendlich dazu führen, dass die Tiere derart geschwächt sind, dass die Bakterien zuschlagen können. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Umweltfaktoren die Bakterien und somit deren letales Potenzial verändern“, berichtet Michael Brombacher. Faktoren im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen hier im Moment ganz oben auf der Liste der Verdächtigen, doch ist es noch zu früh, fundierte Schlüsse zu ziehen. „Es könnte sein, dass sich die Umweltparameter in der Steppe geändert haben oder ändern und die Saigas es nicht schaffen, sich daran anzupassen. Doch das ist im Moment noch Spekulation, wir müssen die Auswertung der Klimadaten der letzten Jahrzehnte für die Region abwarten“, so Brombacher.

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet die Zoologische Gesellschaft Frankfurt gemeinsam mit Partnern in Kasachstan sowie aus England an der Erhaltung der großen Steppengebiete und am Schutz der Saigas, die einst in großen Herden durch die weiten Landschaften im Zentrum Kasachstans wanderten. In enger Kooperation mit den kasachischen Naturschutzbehörden sind im Laufe der letzten Jahre viele neue Schutzgebiete entstanden und zusätzliche Rangereinheiten aufgebaut und ausgerüstet worden, was zu einer Erholung der Saigabestände geführt hat. Die ZGF wird sich auch in den kommenden Jahren beim Schutz der Saiga engagieren. Das Saiga- und Steppenschutzprogramm ist eines ihrer größten Projekte in Europa. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt hat das Arbeitsprogramm der CMS zum Schutz der Saiga (Memorandum of Understanding concerning Conservation, Restoration and Sustainable Use of the Saiga Antelope, Saiga spp.) im Jahr 2006 unterzeichnet.

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