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Eye in the Sky

Seit einigen Jahren erobern Drohnen den Luftraum. Auch in Wissenschaft und Naturschutz sind die Hoffnungen groß, dass diese unbemannten Fluggeräte uns neue Horizonte öffnen, die Arbeit erleichtern oder Informationen liefern, die sonst nicht zu bekommen wären.

Wilderer aufspüren, Wilderei verhindern – mit Drohen und Hightech heutzutage scheinbar ein Kinderspiel. Und die Wilderer mit dem Smartphone zu finden, kann ja wohl kein Problem sein. Entsprechende Medienberichte über den Einsatz von Drohnen in afrikanischen Nationalparks befeuern die Vorstellung, dass mit ein paar Drohnen aus dem Elektronikmarkt und wenigen Mausklicks der Wildereikrise beizukommen wäre. Doch wie sieht die Realität aus?

Idealerweise sollen Drohnen in den riesigen Wildnisgebieten Afrikas Wilderei verhindern, indem sie zum einen präventiv Wilderer abschrecken, zum anderen diese aufspüren und ihre Position an die Ranger melden, die dann eingreifen können. In verschiedenen Parks wurden unterschiedliche Systeme mit durchaus großem Aufwand getestet. Bislang hat sich allerdings noch kein System als die ultimative Lösung herauskristallisiert. Im Krüger-Nationalpark in Südafrika zum Beispiel wurden ein Jahr lang zehn verschiedene Modelle getestet. Leider konnte keines von ihnen überzeugen, sodass das dortige Drohnenprogramm wieder eingestellt wurde.

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ZGF-Projektleiter Claus García (rechts) und Teófilo Torres Tuesta Correo von der Naturschutzbehörde SERNANP lassen am Putumayo-Fluss im Yaguas-Schutzgebiet in Peru eine Drohne steigen, um nach Goldwäschern Ausschau zu halten.

Kleine Rotordrohnen verfügen nicht einmal ansatzweise über die erforderliche Reichweite und Flugdauer für die Überwachung großer Schutzgebiete, sie sind windempfindlich und nur bedingt im Dunkeln einsetzbar. Doch bei wirklich professionellen Drohnen mit mehreren hundert Kilometern Reichweite sprechen wir schnell von mehreren zehntausend bis hunderttausend Euro Anschaffungskosten – Betriebskosten, Kameras, Nachtsichtgeräte oder Aus- und Fortbildung der Piloten sind hier noch nicht einmal berücksichtigt.

Ohne Ranger keine Wirkung

Für sich genommen, sind Drohnen, egal welches Modell, leider keine Wunderwaffe. Aber sie können ein wichtiges Glied in einer Wirkungskette sein, wenn sie in eine gute Antiwilderei-Strategie mit funktionierender Infrastruktur und gut ausgebildetem Personal eingebettet sind. Ohne einsatzbereite, motivierte Rangertruppen am Boden, kontinuierliche Recherche und Informationsaustausch mit lokalen Gemeinden sowie eine optimale Verarbeitung der extrem großen Datenmengen und eine funktionierende Strafverfolgung verpufft der Nutzen der Drohnen.

Hugo van der Westhuizen, selbst Pilot und Leiter des Gonarezhou Conservation Programmes in Simbabwe, beobachtet die Entwicklungen in Sachen Drohnen sehr genau: „Ich denke es gibt ein großes Potenzial, aber für eine derart riesige und unzugängliche Wildnis wie Gonarezhou bräuchten wir eine quasi-militärische Drohne mit sehr hoher Reichweite und Nachtsichtausrüstung, denn Wilderer schlagen vor allem nachts zu. Die Kosten dafür wären immens hoch. Dieses Geld investieren wir im Moment noch sehr viel effektiver in die Ausbildung, Ausrüstung und Motivation der Ranger.“ In Gonarezhou, wie auch in den übrigen afrikanischen Projektgebieten der ZGF, sind Kleinflugzeuge und Helikopter weiterhin ein bewährtes Mittel im Kampf gegen die Wilderei.

Hugo van der Westhuizen, Simbabwe Für eine riesige und unzugängliche Wildnis wie Gonarezhou bräuchten wir eine quasi-militärische Drohne mit sehr hoher Reichweite und Nachtsichtausrüstung. Hugo van der Westhuizen, Simbabwe

Beobachten aus sicherer Distanz

Für Oscar Mujica, Programmkoordinator Research & Monitoring in unserem Peru-Programm, haben die zwei Drohen, die das Projekt besitzt, noch einen ganz anderen Aspekt: persönliche Sicherheit. Beides sind kleine Rotordrohnen, von denen die kleinere gerade einmal 760 Gramm wiegt. Ihre Reichweite liegt unter zehn Kilometern. „In Peru verwenden wir die Drohnen für das Monitoring von Regenwald- und Feuchtsavannengebieten, aber auch, um illegale Aktivitäten in den Schutzgebieten aufzuspüren oder zu beobachten“, sagt Oscar Mujica. Goldwäscher, die illegal an den Flüssen in oder angrenzend an Schutzgebiete Gold waschen, zu fotografieren oder zu filmen, könnte für Oscar und seine Kollegen lebensgefährlich sein. Auch die Betreiber von Coca-Plantagen, die ihre Felder verborgen und verbotenerweise im Regenwald anlegen, verstehen keinen Spaß. „Mit den Drohnen ist es für uns sicherer, wir können aus der Ferne zusehen und unauffällig Beweise sammeln“, sagt Mujica. Das ZGF-Team kann dann die Informationen an die zuständigen Behörden weitergeben.

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Claus García und Teófilo Torres Tuesta Correo steuern eine Drohne über ein unzugängliches Gebiet am Putumayo und sichten, was sie befürchtet haben: zwei Dragas auf dem Fluss. Diese schwimmenden Plattformen der Goldwäscher sind im Schutzgebiet verboten.

Auch für Alexander Moßbrucker, der das Elefantenschutzprojekt und die Wildlife Protection Unit unseres Programms auf Sumatra leitet, hat seine nagelneue kleine Rotordrohne einen Sicherheitsaspekt – für seine Mitarbeiter genauso wie für die Elefanten. „Mit der Drohne können wir bequem und gefahrlos nachschauen, wie es den Elefanten geht. Klar, wir sind auch ohne Drohe gut zurechtgekommen, aber jetzt müssen wir nicht mehr so nahe an die Elefanten heran, das ist stressfreier für sie und birgt weniger Risiken für uns“, sagt Moßbrucker. Die Sumatra-Elefanten leben im dichten Wald. Um sie zu beobachten, müssen Alex und sein Team den Tieren gefährlich nahekommen und manchmal sind sie unbeabsichtigt näher dran, als geplant, da die Elefanten im Gebüsch nicht zu sehen sind. Dies führte bereits zu einigen sehr kritischen Situation und zu Verletzungen.

„Allem Anschein nach fühlen die Elefanten sich durch das fliegende Ding nicht gestört, wenn man ihnen nicht zu sehr auf die Pelle rückt. Außerdem können wir tolle Luftbilder machen“, sagt Moßbrucker, der die Drohne vor allem für das Monitoring der Tiere verwendet und um seine Arbeit fotografisch und filmisch zu dokumentieren.

Tiere zählen mit der Drohne

In der weiten baumlosen Steppe Kasachstans ist die Sicht zwar um einiges besser als im dichten Dschungel Sumatras, dennoch verwendet auch das Team um Steffen Zuther in Kasachstan eine Rotordrohne, um sich einen Überblick zu verschaffen. „Die kleine Drohne hat zwar nur eine kurze Flugzeit, ist aber super einfach zu bedienen. Sie kann an einer Stelle schweben und ist im Prinzip unser fliegendes Auge“, erklärt Steffen Zuther, der mit den Kollegen der kasachischen Organisation ACBK in der Altyn-Dala-Steppe nach Saiga-Antilopen, aber auch nach Wilderern Ausschau hält.

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Steffen Zuther beim Training mit der Flugzeugdrohne Bormatec Maja in der kasachischen Steppe. Die Drohne hilft bei der Erkundung des Terrains und erspart stundenlange Off-Road-Fahrten.

Seit einigen Monaten hat das Team zusätzlich eine Flugzeugdrohne des Typs Bormatec Maja, mit der Zuther hochgesteckte Ziele hat: „Wir planen, mit der Maja im Mai während der Kalbungszeit die Saigas zu zählen. Da kommen die Tiere in großen Gruppen zusammen. Unsere Erwartungen für die Zählungen sind sehr hoch. Wir gehen von enormen Kosteneinsparungen und gleichzeitig einer viel höheren Genauigkeit der Ergebnisse aus.“ Bislang kam für die Zählung der Saigas aus der Luft eine russische Antonov-2 zum Einsatz, ein nach dem 2. Weltkrieg entwickeltes Doppeldeckerflugzeug, das robust genug ist, auch ohne Landepiste in der Steppe zu starten und zu landen. Das Flugzeug zu chartern, ist jedoch sehr teuer. Somit könnte die Flugzeugdrohne eine gute Alternative darstellen. Ob sie die Erwartungen erfüllen kann, wird Steffen Zuther im nächsten Frühjahr herausfinden.

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