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Foxtrott Zulu Sierra

In den vergangenen 60 Jahren haben wir über 40 Flugzeuge in den Dienst der Naturschutzarbeit gestellt. Damit sind wir schon fast eine kleine Fluglinie.

Eine Piper Super Cub, verschiedene Cessna-Modelle, eine Beech Bonanza und drei Huskies – die Palette der aktuellen und ehemaligen Buschflieger der ZGF umfasst ausschließlich einmotorige, sehr robuste und PSstarke Kleinflugzeuge. „Diese Kleinflugzeuge sind der Bulli, der VW-Bus, der ZGF-Projekte“, bringt es der Versicherungsmakler Klaus Zeh auf den Punkt.
Zeh ist selbst erfahrener Pilot und seit mehr als vier Jahrzehnten bei der Siegfried Peschke KG, einem Unternehmen, das sich auf Versicherungsvermittlung in der Luftfahrt spezialisiert hat. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann hat Klaus Zeh im Juli 1977 als Jungspund bei Peschke angefangen und seitdem betreut er die ZGF und ihre Flugzeuge. Doch in all den Jahren waren die „Peschkes“ immer mehr als einfach nur der Versicherer, sie waren auch Ratgeber und Problemlöser, denn bei der Fliegerei im afrikanischen Busch gibt es selten Standardlösungen. Da muss ein Motor zu einem havarierten Flieger in den Kongo verschifft werden, eine Tür ausgebaut werden, um besser filmen zu können oder ein Schaden behoben werden, weil Hyänen die Reifen angenagt haben.
Raoul du Toit flying the FZS Husky plane in North Luangwa NP, Zambia. © Daniel Rosengren
Raoul du Toit fliegt die ZGF-Husky über dem North-Luangwa-Nationalpark, Sambia.
„Wir sind alle selbst Piloten und verstehen, was gebraucht wird und wo der Schuh drückt“, sagt Zeh, der stets versucht, die Dinge pragmatisch anzugehen. „Irgendwann in den Achzigern kam Börni (Anmerkung der Red.: Markus Borner, ehemaliger Programmleiter in der Serengeti) und wollte gern ein rechteckiges Loch in den Boden seiner Cessna sägen, um auf diese Weise die Gnus besser zählen zu können. Wir haben dann bei Cessna angerufen und gefragt ‚Geht das?‘ Es ging. Sowas ist heute kaum noch vorstellbar“, erzählt Zeh.
Tierzählungen waren und sind eine der großen Aufgaben in Schutzgebieten, die die ZGF entweder durchführt oder für die sie ihre Flugzeuge zur Verfügung stellt. In diesem Jahr hatte die Gnu-Zählung in der Serengeti ihr 60-jähriges Jubiläum, seit 1958 liegen Daten von Gnubestandszählungen aus der Luft vor. Auch bei der Großtierzählung im Selous Game Reserve im November 2018 war das ZGF-Flugzeug im Einsatz. Innerhalb von drei Wochen intensiver Fliegerei verschafften sich die Kollegen einen Überblick über die Bestände der Elefanten und anderen großen Tiere des Selous, wie es vom Boden aus nie möglich wäre.

Wer im Busch arbeitet, sollte fliegen können

Neben ihren Arbeitseinsätzen waren die ZGF-Flugzeuge auch schon immer ein wichtiger Sicherheitsaspekt in unseren Projekten. Oft sehr entlegen stationiert, sind die Projektleiter und ihre Familien sowie die Projektmitarbeiter darauf angewiesen, ein Flugzeug für die Logistik und eventuelle Notfälle zur Verfügung zu haben.
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Die ZGF-Cessna mit hohem Besuch im Jahr 2015. Leider ließ es das offizielle Protokoll nicht zu, dass der damalige Bundespräsident Joachim Gauck und seine Frau Daniela Schadt mit 5H-ZGF die Serengeti von oben betrachten durften.
Als Markus Borner 1978 als erster ZGF-Projektleiter auf die entlegene Insel Rubondo im Viktoriasee in Tansania entsandt wurde, war bald klar, dass seine Arbeit dort mit einem Flugzeug sehr viel effektiver, einfacher und vor allem sicherer sein würde. Man erwarb eine gebrauchte Cessna 182 und Markus Borner musste wohl oder übel fliegen lernen. Nach drei intensiven Wochen hatte Borner seine Lizenz. Aber Lizenz haben und fliegen können, sind zwei paar Stiefel. „Das war mir auch bewusst und ich lud meinen Vater, einen pensionierten Swissair-Piloten ein, um mich unbeschadet durch die ersten Flüge zu bringen“, erinnert sich Markus Borner. „Wir hatten eine Graspiste auf Rubondo. Mir aber schien der Landestreifen nun doch sehr kurz zu sein und ich schickte Instruktionen an den Park-Warden mit der Bitte, alle Bäume in der Anflugschneise umzuhauen. Er lehnte höflich ab und schlug vor, ich solle besser noch etwas mehr üben.“
Mehr als drei Jahrzehnte lang sollte Markus Borner sicher durch Afrika fliegen, auch weil die klapprige Cessna aus den Anfangstagen bald durch eine neue Cessna mit mehr Reichweite ersetzt wurde. Diese trug die Kennung 5H-ZGF. „5H“ ist dabei die Länderkennung für Tansania und „ZGF“ die Kennung des Besitzers, der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt.
„Foxtrott Zulu Sierra“, wie ZGF im Fliegeralphabet heißt, sollte mehr als zwei Jahrzehnte lang Borners zuverlässiges „Arbeitspferd“ sein, bevor sie an die Nationalparkbehörde TANAPA abgegeben wurde, wo Zulu-Sierra viele weitere treue Dienstjahre ableistete. Die Cessna 182 bietet all das, was ein Flugzeug für den Einsatz in ZGF-Projekten haben muss.
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Die Cessna 180 K flog fast drei Jahrzehnte lang unzählige Anti-Wilderei-Einsätze in Sambia.
Sie ist ein einmotoriger Schulterdecker mit robustem Fahrwerk und einem starken Motor, der ein Starten und Landen auf rauen, holprigen Pisten ermöglicht. Beim Schulterdecker sind die Tragflächen bündig mit der Oberkante des Rumpfes, daher besteht freie Sicht nach unten. Eine zwingende Notwendigkeit für Tierzählungen und Patrouillenflüge.
Gerade die extrem tiefe Fliegerei bei Zählflügen ist gefährlich und erfordert allerhöchste Konzentration der Piloten, da in nur hundert Meter Höhe reichlich Vögel unterwegs sind. Michael Grzimek war 1959 nach einem Zusammenstoß mit einem Geier verunglückt und auch Markus Borners – glücklicherweise – einziger Zwischenfall in all seinen Fliegerjahren war eine Geierkollision.

„Ich war unterwegs mit dem Chief Park Warden und wir flogen den Mara-Fluss entlang, wo in der Nacht zuvor der Kirawira-Rangerposten überfallen und zwei Ranger kaltblütig ermordet worden waren. Wir kreisten über einem möglichen Lagerplatz der Banditen, ich spähte nach links aus dem Fenster und versäumte für einen Augenblick nach vorne zu schauen. Als ich aufblickte, schwebten zwei Geier direkt vor der Windschutzscheibe. Diese würde einen direkten Aufprall nicht aushalten aber, zum Ausweichen war es zu spät. Ich drückte Zulu-Sierra brüsk nach unten. Beide Geier verpassten die Frontscheibe um eine Feder. Einer riss die Radioantenne ab, der andere knallte ins Seitenleitwerk. Es gab einen furchtbaren Knall. Wir hatten Riesenglück, dass die Maschine in dem Zustand noch kontrollierbar war und wir heile nach Seronera zurückfliegen konnten,“ erinnert sich Borner.
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Die Cessna 185 nach einer Bruchlandung in Virunga.
Vogelkollisionen, ein Gnu, das eines unserer Flugzeuge am Boden rammponierte oder Crashs in Hyänenbauten oder anderen Löchern auf der Landebahn – bis dato hat die ZGF zwar einige Totalschäden erlebt, aber glücklicherweise seit Michael Grzimeks Absturz keinen weiteren tödlichen Flugunfall zu verzeichnen. „Wenn eine Maschine irgendwo weit draußen in der Wildnis einen Unfall hat, wird das schnell zum Totalschaden“, erläutert Flugexperte Klaus Zeh.
„Man müsste im schlimmsten Fall über Tage mit einem entsprechenden LKW dorthin fahren, dann die Maschine auseinanderbauen, zur nächsten, wieder Tage entfernten, Werft fahren – das lohnt sich oftmals nicht und es ist billiger, den Flieger als Totalschaden abzuschreiben.“ Oft kann zumindest der Motor ausgebaut und gerettet werden, der Rest wird dann meist sehr schnell von den lokalen Anwohnern zerlegt mit afrikanischem Erfindergeist zu allerlei Dingen recycelt.

In den letzten sechzig Jahren, seit Beginn unserer Naturschutzarbeit im Jahr 1958, hat die ZGF einige Millionen für Flugzeuge ausgegeben. Gut investiertes Geld, denn derzeit ist nichts so wirksam wie ein Kleinflugzeug, wenn es um Wildereikontrolle oder Parküberwachung geht. Ob sich dies in Zukunft mit besseren Drohnen verändern wird, muss sich zeigen. Vieles ist bereits im Wandel, doch bis heute sind unsere kleinen, wendigen, zebragestreiften Buschflugzeuge aus dem Himmel über den weiten afrikanischen Savannen nicht wegzudenken.

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