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Mehr Waldwildnis als Chance für Thüringen und Deutschland

Naturschutzorganisationen fordern Waldwildnis auf 2.500 Hektar im Possener Wald in Thüringen.

Berlin/ Erfurt/ Frankfurt/ Jena/ Sondershausen Die Naturschutzorganisationen BUND Thüringen, NABU Thüringen, WWF Deutschland und Zoologische Gesellschaft Frankfurt haben gemeinsam mit der Bürgerinitiative „ProKyffhäuserwald“ eine Online-Petition im Thüringer Landtag eingereicht. Darin wird die Landesregierung aufgefordert, entsprechend dem Koalitionsvertrag mindestens 5% des Waldes in Thüringen noch in der laufenden Legislaturperiode dauerhaft aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen. Im Possen bei Sondershausen setzt sich eine ganze Region für einen Buchenurwald von morgen ein. In den nächsten sechs Wochen sind die Bürger aufgerufen, sich zahlreich an der Online-Petition zu beteiligen.
Im Possenwald fordern nicht nur die vier internationalen Naturschutzorganisationen gemeinsam ein Waldwildnisgebiet auf 2.500 Hektar. Sie werden von einer breiten und parteiübergreifenden Allianz aus Bürgerschaft, Kommunal- und Landespolitikern unterstützt. Auch wirtschaftliche Leistungsträger in der Region fordern das Waldschutzgebiet im Possen. Der Verzicht auf die forstliche Nutzung wird als Motor für die touristische Entwicklung der Region gesehen.

Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen: „Mit dem Possen bietet sich ein Gebiet an, welches hervorragend als ‚Urwald von morgen‘ geeignet ist und eine beispiellose Unterstützung aus der Region erhält. Wir brauchen mehr großflächige Waldwildnis in Thüringen, um unserer internationalen Verantwortung für die Erhaltung der heimischen Rotbuchenwälder und ihrer biologischen Vielfalt gerecht zu werden.“
Manuel Schweiger, Wildnisreferent ZGF Deutschland gehört in Europa, aber auch weltweit zu den Schlusslichtern, was die Bewahrung von Waldwildnis angeht. Nur wenn wir eine Vorbildfunktion einnehmen, können wir diesen Schutzgedanken auch von wirtschaftlich deutlich schwächeren Ländern in Afrika, Südamerika oder auch in Osteuropa erwarten. Manuel Schweiger, Wildnisreferent ZGF
Die rot-rot-grüne Landesregierung hat sich im Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt, mindestens 5 Prozent des Waldes in Thüringen aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen und damit einen Beitrag zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zu leisten. Die Verantwortung Deutschlands ist aus Sicht von Manuel Schweiger, Wildnisreferent der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, ein wichtiges Argument für den zügigen Verzicht auf eine weitere forstliche Bewirtschaftung: „Deutschland gehört in Europa, aber auch weltweit zu den Schlusslichtern, was die Bewahrung von Waldwildnis angeht. Nur wenn wir eine Vorbildfunktion einnehmen, können wir diesen Schutzgedanken auch von wirtschaftlich deutlich schwächeren Ländern in Afrika, Südamerika oder auch in Osteuropa erwarten.“
Ohne Waldwildnis fehlt ein entscheidender Baustein zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. „Viele Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen sind auf eine vom Menschen unbeeinflusste, natürliche Waldentwicklung angewiesen, in der alle Waldstadien repräsentiert sind. So entstehen wichtige Lebens- und Rückzugsräume“, erläutert Martin Schmidt, stellvertretender Landesvorsitzender des NABU Thüringen.

„Als ‚Urwald von morgen‘ wird sich der Possen zukünftig in eine Perlenkette von Urwäldern einreihen, welche vom Schwarzatal, über das Vessertal, den Nationalpark Hainich bis zur Hohen Schrecke reichen“, ergänzt Albert Wotke vom WWF. „Von einer ruhenden Motorsäge im Possenwald profitieren also nicht nur Tiere und Natur, sondern auch der Tourismus im Kyffhäuserkreis“.
Die breite Unterstützung von Bürgerschaft, Kommunal- und Landespolitikern gibt den Naturschutzorganisationen Recht. Schon seit vielen Jahren gibt es eine örtliche Bürgerinitiative "ProKyffhäuserwald", die sich für eine Wildnisfläche am Possen einsetzt und hierzu bereits mehrere tausend Unterschriften gesammelt hat. Sprecher Dirk Trute: „Wir fordern schon lange einen Urwald vor den Toren unserer Stadt Sondershausen, in dem sich Wildnis ohne Eingriffe des Menschen entwickeln kann und ungestörte Waldkreisläufe erlebbar werden.“

Die Naturschutzverbände rufen alle Bürger*innen dazu auf, der Natur ihre Stimme zu geben und die Petition für „Mehr Waldwildnis als Chance für Thüringen“ zu zeichnen!