Naturschutz während der Corona-Krise

Die globale Corona-Pandemie verändert die Welt in ungekanntem Ausmaß. Auch unsere Arbeit wird eingeschränkt, besonders in den Schutzgebieten.

Die globale Corona-Pandemie verändert die Welt in ungekanntem Ausmaß und stellt uns alle vor riesige Herausforderungen. Noch ist es zu früh, die globalen und individuellen Konsequenzen abschätzen zu können.

Für die ZGF steht die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter/innen und aller Menschen in unserem Umfeld an erster Stelle. Wir halten uns an die nationalen und regionalen Vorgaben und versuchen mitzuhelfen, dass das Virus nicht weiter gestreut wird, und die Gesundheitssysteme nicht überlastet werden. Die Situation in den 18 Ländern, in denen wir arbeiten, ist sehr unterschiedlich und verändert sich von Tag zu Tag. Unsere nationalen Teams verfolgen diese Änderungen sehr genau und passen die Projektaktivitäten daran an. Unsere Referatsleiter/inen stehen in einem engen Austausch dazu.
In unserer Zentrale in Frankfurt haben wir den Betrieb auf Heimarbeit umgestellt, was bisher sehr gut funktioniert. Sowohl von der Hardware wie auch softwareseitig war die ZGF dafür bereits gut eingerichtet. Basisarbeiten in den Büroräumen, wie die Bearbeitung der Briefpost und Buchungen erfolgen im Rahmen der behördlichen Vorgaben. Besprechungen werden, auch im internationalen Kontext, per Videoschaltung durchgeführt. Viele der bisherigen Tätigkeiten laufen weiter. So werden derzeit die Jahresabschlüsse und der Geschäftsbericht erstellt. Alle Bereiche der Kommunikation vom Magazin Gorilla, der Website bis zu den Social Media Kanälen laufen ungestört weiter. Das Gleiche gilt weitgehend für Tätigkeiten wie Datenanalyse, Berichterstattung, Projektplanung, Antragstellung und vieles mehr.
Die ZGF wurde vor 162 Jahren gegründet. Seither ist die Menschheit immer wieder mit großen Krisen konfrontiert worden. Im Zusammenwirken unseres Vereins und der Stiftung besteht heute eine stabile, krisenfeste Konstruktion. Mit einem sicherheitsorientierten Ansatz, zu dem auch weitere, angegliederte Stiftungen gehören, haben wir ausreichend Reserven aufgebaut, so dass die Zoologische Gesellschaft Frankfurt auch lange Zeit unter den jetzt völlig veränderten Rahmenbedingungen bestehen kann. Dies betrifft auch die Sicherheit der Arbeitsplätze. Das bedeutet auch, dass bei einer Entschärfung der Krise, die ZGF direkt voll arbeitsfähig ist. Hinzu kommt, dass wir kurze Entscheidungswege und effiziente und wenig komplizierte Verwaltungsprozesse haben, so dass wir weiter schnell und flexibel reagieren können.
Unserer Kernansatz ist es, herausragende Wildnisgebiete zu erhalten. Bisher gibt es keine Hinweise, dass das Virus eine direkte Auswirkung auf natürliche Ökosysteme hat, d.h. das Ziel all unserer Bemühungen ist nicht direkt betroffen. Ohne Zweifel gibt es jedoch massive indirekte Auswirkungen. So wurden Nationalparks wie der Manu Nationalpark in Peru geschlossen, um die dortige indigene Bevölkerung nicht zu gefährden. Reisen in Projektgebiete, Exkursionen, Patrouillen, Ermittlung von Tierbeständen müssen stark reduziert werden oder fallen aus. Mancherorts kann dafür die Überwachung per Kleinflugzeug oder die Auswertung von Satellitendaten intensiviert werden. Infrastrukturmaßnahmen wie der Bau von Rangerposten oder die Grenzmarkierung müssen zeitlich verschoben werden. Die stärksten Einschnitte gibt es im Bereich der Entwicklung einer nachhaltigen Landnutzung, der Unterstützung der Gemeinden und bei der Umweltbildung. In diesen wichtigen Feldern sind wir gezwungen, die Arbeiten weitgehend einzustellen. Bei einer Entspannung der Lage werden wir uns diesen Aufgabenbereichen mit besonderer Anstrengung widmen.
Eine große Sorge bereitet uns die finanzielle Ausstattung der Schutzgebiete. Besonders in der biodiversitätsreichen Tropenzone war die staatliche Unterstützung bereits im Vorfeld der Krise meist völlig unzureichend. Aufgrund der großen Herausforderungen, vor denen diese Länder stehen, wird sich diese Situation deutlich verschärfen. In Gebieten, in denen der Tourismus zur Finanzierung von Schutzgebieten beiträgt und gleichzeitig eine wichtige Erwerbsquelle für die Bevölkerung darstellt, wird es zu massiven Einschnitten kommen.
Parallel ist es wahrscheinlich, dass private und staatliche Gebermittel aus den wirtschaftlichen starken Ländern ebenfalls abnehmen werden, da es dort starke Kapitalverluste gab und zudem milliardenschwere Stützungsprogramme für die Corona-geschwächte Wirtschaft aufgelegt werden.
Eigentlich bräuchte es jetzt einen finanziellen Rettungsschirm für die herausragenden Biodiversitätsgebiete.
Wir, als ZGF, werden das uns Mögliche tun, um die Funktion und Sicherheit der Schutzgebiete weiter zu gewährleisten und die nationalen Behörden nach Kräften unterstützen. Wir werden Mittel umschichten und Notfallbudgets auflegen. Und wir hoffen, dass die privaten und staatlichen Geber verstehen, dass die biologische Vielfalt dieser Erde umfassend systemrelevant ist und jede finanzielle Unterstützung eine Investition in die Zukunft bedeutet.
Bereits jetzt gibt es einige frühe Lektionen aus der Corona-Krise:

  • Zahlreiche Artikel und wissenschaftliche Studien weisen auf die Verbindung zwischen Naturschutz und globaler Gesundheit hin. Viele der neuartigen Krankheiten wie HIV, Ebola, Zika, Sars und jetzt wohl auch Covid-19 haben ihren Ursprung in Wildtieren der Tropenzone. Das Vordringen in die artenreichen Wildnisregionen, die massive Verstärkung der Kontaktzonen zwischen Menschen und Tieren, der Ausbau der Transportwege von den abgelegenen Regionen in die Millionenmetropolen, der Handel mit lebenden Wildtieren und der Konsum von Wildfleisch – all das hat womöglich eine Pandemie, wie wir sie heute erleben, erst möglich gemacht. Im Umkehrschluss heißt dies, dass wir den Schutz, insbesondere der Tropenwälder deutlich verbessern und den Handel mit lebenden oder toten Wildtieren unterbinden müssen.

  • Die Schutzgebiete müssen besser finanziell abgesichert werden, damit der Einbruch des Tourismus oder ein anderweitiges Wegbrechen der Einnahmen nicht zwangsläufig zum Verlust bisheriger Investitionen führen und die Sicherheit der Gebiete nicht mehr gewährleistet werden kann. Dafür wären gebietsspezifische, internationale Stiftungen, wie sie z. B. jetzt unter dem Arbeitstitel „Legacy Landscape“ entwickeln werden, geeignet.

  • Das Vorgehen der staatlichen Instanzen, aber auch das Verständnis der Wirtschaft und der Bürger zeigt, dass bei massiven Krisen durchaus ein fundamentales Handeln in nicht gekanntem Ausmaß möglich ist. Nun ist es wichtig, die beiden weiteren und langfristig wirkenden globalen Krisen, den Klimawandel und den Verlust der Biodiversität, mit einer ebensolchen Entschlossenheit anzugehen.
Wir von der ZGF werden uns mit aller Kraft weiter für die Erhaltung der Biodiversität und damit für eine lebenswerte Zukunft einsetzen. Dafür sind wir gut aufgestellt.

Unser besonderer Dank gilt unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und unseren Projektpartnern für den herausragenden Einsatz in den Krisenzeiten und ganz besonders den privaten und staatlichen Gebern, die diesen Einsatz ermöglichen.