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Neue Hoffnung für die Saiga-Antilope

Die Ergebnisse der diesjährigen Saigazählungen wurden heute veröffentlicht und bieten Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Insgesamt 108.200 erwachsene Saiga-Antilopen wurden in Kasachstan gezählt, besonders in Westkasachstan bleibt die Saiga extrem bedroht.

Preparations: The saiga census 2016 was done from a helicopter according to scientific standards © Samlegareyev
Die Zählung der Saigas wurde mit einem Helikopter durchgeführt.

14. Juni 2016, Frankfurt/Astana - Im Mai 2015 hatte sich ein katastrophales Massensterben unter den Saiga-Antilopen ereignet, verursacht durch eine bakterielle Infektion. Innerhalb weniger Wochen kamen mehr als 200.000 Saigas ums Leben. Die Betpak-Dala-Population in Zentralkasachstan schrumpfte um 90 Prozent, des entspricht mehr als der Hälfte der globalen Population.

Am heutigen Dienstag hat das kasachische Landwirtschaftsministerium die Ergebnisse der landesweiten Zählung von Saiga-Antilopen veröffentlicht, die im April 2016 mithilfe von Hubschraubern durchgeführt worden war. Die Daten belegen ein Wachstum aller drei in Kasachstan heimischen Saiga-Populationen. Auch die Betpak-Dala-Population, einst die größte Population weltweit, erholte sich leicht.

„Während des Massensterbens von 2015 hat diese Population besonders viele Weibchen verloren. Und dann nahm auch noch die Wilderei stark zu. Wir waren sehr besorgt um die Zukunft der Betpak-Dala-Population“, so Steffen Zuther, Projektleiter der Altyn Dala Conservation Initiative (ADCI), eines gemeinsamen Projekts mehrerer nationaler und internationaler Naturschutz-Organisationen, darunter die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF), und der kasachischen Regierung. Der Zensus 2016 wurde von der Regierung Kasachstans finanziert und von Steffen Zuther und seinen Kollegen von ACBK, der Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan, durchgeführt.

In der Betpak-Dala-Region in Zentralkasachstan wurden 36.200 erwachsene Saiga-Antilopen gezählt. „Im Vergleich zu 242.000 Tieren, die wir im April 2015 vor dem Massensterben gezählt hatten, ist das natürlich sehr wenig. Wir sind trotzdem froh über diesen Hoffnungsschimmer“, betont Albert Salemgareyev, der gemeinsam mit Steffen Zuther die ADCI leitet. 

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Auch von den anderen beiden Populationen in Kasachstan gibt es erfreuliche Nachrichten: Eine Population im europäischen Teil Kasachstans westlich des Ural-Flusses scheint sich inzwischen vollständig von einem Massensterben im Jahr 2010 erholt zu haben und ist laut Zensus nun mit mehr als 70.000 Tieren die größte Population des Landes.

Die Ustyurt-Population in Westkasachstan bleibt die bedrohteste. Wilderei hat besonders den Männchen dieser Population stark zugesetzt. Der Zensus hat jedoch gezeigt, dass eine kleine Gruppe von männlichen Saigas überlebt hat und Fortpflanzung innerhalb dieser Population weiterhin möglich ist. Obwohl die Population nicht weiter geschrumpft ist, bleibt sie mit unter 2.000 Tieren alarmierend klein.

„Diese Zahlen sind eine große Erleichterung nach den katastrophalen Ereignissen des letzten Jahres“, sagt Michael Brombacher, Referatsleiter Europa der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, eines langjährigen Projektpartners der ADCI. „Die Wilderei ist weiterhin auf dem Vormarsch und wir müssen uns bewusst sein, dass Massensterben jederzeit wieder auftreten können. Noch sind die genauen Zusammenhänge und Ursachen nicht völlig erforscht, die dazu führten, dass die bakterielle Infektion eine derartige Katastrophe verursachen konnte. Eines ist jedoch klar: Nur große und gesunde Populationen sind in der Lage, sich nach einem Massensterben wieder zu erholen. Nur wenn wir auf lange Sicht große Bestände haben, kann die Saiga-Antilope auf Dauer überleben“, betont Michael Brombacher.

Die Ursachenforschung des Massensterbens 2015 dauert an. Aktuelle Informationen hierzu finden Sie unter:

https://fzs.org/en/news/surprising-findings-research-saiga-antelope-mass-die/

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