Professor Dr. Markus Borner – Ein Leben für Afrikas wilde Natur

Vier Jahrzehnte hat Markus Borner den Naturschutz in Afrika und auch die ZGF geprägt, mit Begeisterung und Pragmatismus. Am 10. Januar ist Markus Borner verstorben.

Von Dagmar Andres-Brümmer, 14. Januar 2020

Mehr als drei Jahrzehnte lang war die Serengeti Markus Borners Zuhause. Ohne ihn und seine unnachahmlich positive Art, mit der er Menschen begeistern konnte, mit der er die entscheidenden Leute im richtigen Augenblick zusammenbrachte, wäre die Serengeti heute ganz sicher nicht das, was sie ist: eine Ikone unter Afrikas Nationalparks.

Markus selbst würde jetzt abwinken und betonen, dass es der Einsatz seines Teams und vor allem der tansanischen Nationalparkbehörde war, der die einzigartige Wildnis der Serengeti und ihre Tierwelt beschützt hat. Doch er war das Herz und die Seele vieler dieser Bemühungen. Immer eine treibende Kraft, wenn es darum ging, neue Herausforderungen zu meistern, neue Lösungen und Wege zu finden. Mit seinen Gesprächspartnern stets auf Augenhöhe zu agieren, andere zu respektieren und zu dem zu stehen, was man sagt und tut, das war Markus Art. Das hat ihm höchsten Respekt eingebracht, in Tansania und weit darüber hinaus.

Als Markus Borner zusammen mit seiner jungen Familie 1983 das kleine Haus im Serengeti Nationalpark bezog, hätte er wahrscheinlich selbst nicht gedacht, dass es zu einer derartigen Keimzelle des Naturschutzes werden würde. Dass renommierte Wissenschaftler, Hollywood-Schauspieler und politische Entscheidungsträger einst auf seiner bescheidenen Veranda sitzen, ihren Gin Tonic genießen und ihm zuhören und seine Meinung wertschätzen würden. Mit seinem rauen Schweizer Charme, mit seinem herzlichen Lachen und seinem grundehrlichen Optimismus hat er uns geprägt, uns immer wieder vor Augen geführt: Wir Menschen brauchen Wildnis. Wir müssen das beschützen, was noch da ist. Und es ist machbar.

Trotz des rasanten Rückgangs von biologischer Vielfalt, dem immer schnelleren Verschwinden von Wäldern, Savannen oder Korallenriffen, dem gravierenden Verlust von Arten – Markus hat nie daran gezweifelt, dass der Schutz von Wildnis, der einzig richtige Weg ist. Der Weg, die Zukunft der Menschheit zu erhalten. 

 

Markus Energie und sein Spirit haben nicht nur den Schutz der Serengeti geprägt. Zusammen mit den vielen Partnern vor Ort hat er den Schutz von einigen Gebieten vorangetrieben, auch in sehr schwierigen Zeiten und in gefährlichen Regionen. Als Afrika-Direktor der ZGF ist er mit einem Projekt in den bürgerkriegsgeschüttelten Virunga-Nationalpark im Kongo eingestiegen, um die Berggorillas zu bewahren. Er hat die Rückkehr der Nashörner nach North Luangwa in Sambia vorangetrieben und dafür gesorgt, dass das äthiopische Hochland in den Bale-Bergen Schutz erfährt. Von Äthiopien bis Simbawe hat Markus die richtigen Verbündeten ausgewählt und Menschen in sein Team geholt, die wie er Naturschutz mit Leidenschaft und Pragmatismus betrieben. 

Markus Borner In the future the  greatness of a  Nation will not be judged by its advance in technology or by its achievements  in architecture, art  or sports, but by  the amount of  nature and  biodiversity that it  can hand over to  the next  generation. Markus Borner

2012 ging Markus nach vier Jahrzehnten im Dienst der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt in den Ruhestand. Doch die Liebe zu Afrika und seinen Wildtieren hört nicht mit dem Renteneintritt auf. Markus war stets zu tiefst überzeugt, dass die Zukunft in Afrikas junger Generation liegt. Die Universität Glasgow verlieh dem promovierten Biologen Markus Borner die Ehrenprofessur und bis zuletzt hat er mit Leidenschaft sein Wissen weitergegeben und im Karimjee Conservation Scholars Program, junge Naturschutzexperten aus afrikanischen Ländern betreut und gefördert. Auch als Lehrbeauftragter an der Nelson Mandela African Institution of Science and Technology in Tansania konnte er seine Erfahrung mit anderen teilen.

 

Markus Borner wurde 1994 mit dem Bruno-H-Schubertpreis ausgezeichnet, war 2012 Finalist des Indianapolis Prize und erhielt 2016 den renommierten Blue Planet Prize der Asahi Glass Foundation, der als der Nobelpreis der Naturschutzauszeichnungen gilt.

Seine Vision von einer Welt, die ihre Natur wertschätzen wird und erkennen wird, dass die Wildnis ihr wahres Zukunftskapital ist, hat ihn sein Leben lang geprägt. Kompromisslos, aufrichtig und klar in seiner Überzeugung, hat Markus viele von uns inspiriert und motiviert. Wenn Arten verschwinden, einzigartige Wälder für Staudämme oder Straßen abgeholzt werden und wir uns fragen, wie wir es noch schaffen können, Natur zu schützen, werden wir an Markus lautes und ansteckendes Lachen denken. Aufgeben ist keine Option.  

2012 war Markus Borner unter den Finalisten des Indianapolis Preis. Der Preis wird für außergewöhnliche Leistungen im Naturschutz verliehen. Im Rahmen der Preisverleihung wurde dieser Film gezeigt.

ZGF Schutzprojekte in Afrika