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Stellungnahme zu Artikel "Streit über geplanten Nationalpark"

Zu dem Artikel „Streit über geplanten Nationalpark“ in der Frankfurter Rundschau vom 07.07.2017 nehmen wir wie folgt Stellung:
Der Artikel suggeriert einen Konflikt zwischen der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) und indigenen Gemeinden in der Zona Reservada Yaguas, den es so nicht gibt. „Um den Regenwald am Rio Putumayo im Amazonasbecken ringen indigene Gemeinden und deutsche Naturschützer“, heißt es. Das ist faktisch falsch. 

Die ZGF arbeitet seit September 2015 in Yaguas. Dort unterstützen wir die peruanische Schutzgebietsbehörde SERNANP (Servicio Nacional de Áreas Naturales Protegidas por el Estado) auf deren ausdrücklichen Wunsch beim Schutz der Zona Reservada Yaguas. Dies bedeutet, dass wir Boote, Ausrüstung und Infrastruktur bereitstellen, konkret die Finanzierung eines Kontrollpostens und zweier Schutzhütten sowie die Ausbildung und das Training von Rangern übernommen haben. Die ZGF arbeitet bereits seit mehr als 25 Jahren mit SERNANP zusammen.
2011 haben sich Gemeinden aus der Yaguas-Region mit dem ausdrücklichen Wunsch an die peruanische Regierung gewandt, das gesamte Wassereinzugsgebiet des Yaguas-Flusses als Nationalpark auszuweisen und das Gebiet so vor illegalem Holzeinschlag und illegaler Goldgewinnung zu schützen. Daraufhin hat SERNANP den gesetzlich vorgeschriebenen Prüfprozess (Consulta previa) gestartet, mit dem Ziel, aus der Zona Reservada Yaguas einen Nationalpark zu machen.
An diesem Prozess sind neben SERNANP auch alle 29 umliegenden Gemeinden von Yaguas beteiligt. SERNANP wird in diesem Nationalpark-Prozess von der peruanischen NGO Instituto del Bien Común (IBC) unterstützt, die wiederum eng mit diesen indigenen Gemeinden zusammenarbeitet.

Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt befürwortet die Einrichtung eines Yaguas Nationalparks, sie ist aber nicht daran beteiligt festzulegen, welche Kategorie von Schutzgebiet aus Yaguas werden soll. Das tut allein SERNANP. Auch die Kontaktaufnahme und Kommunikation mit den Gemeinden obliegt nicht der ZGF, sondern SERNANP und IBC.

Von den 29 indigenen Gemeinden haben sich 23 für den Nationalpark ausgesprochen, sechs stellen sich mit teilweise gewalttätigen Aktionen gegen einen Nationalparkstatus für Yaguas. Aus diesen Gemeinden gibt es klare Hinweise, dass einige ihrer Bewohner in die extrem umweltschädigende, illegale – aber überaus lukrative - Goldgewinnung sowie den illegalen Holzeinschlag verwickelt sind.

Der Konflikt um Yaguas ist genau das nicht, als was er dargestellt wird, es geht hier nicht um Naturschutz gegen örtlichen Bevölkerung. Es ist ein Konflikt zwischen einer Mehrheit der Bewohner, die einen dauerhaften Schutz ihrer natürlichen Ressourcen durch einen Nationalpark anstrebt und einer Minderheit, die ihre privaten, extrem lukrativen und umweltzerstörenden Tätigkeiten aufrechterhalten will.

Hintergrund

Die Zona Reservada Yaguas ist knapp 8.700 Quadratkilometer groß und unbewohnt. Sie liegt im Nordosten Perus in der Provinz Putumayo. Das Gebiet gehört zum Amazonastiefland. Es ist sehr schwer zugänglich und extrem artenreich. In den verzweigten Flussarmen des Yaguas und des Putumayo wird zunehmend illegal Gold gewaschen. Dafür werden Saugbagger zum Durchwühlen des Flusssediments und hochgiftiges Quecksilber verwendet. Dieses vergiftet die Flüsse und reichert sich in der Nahrungskette an. Auch illegaler Holzeinschlag bedroht die wertvollen Regenwälder.
Frankfurt, 12.07.2017