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Wildesel fliegen in die Steppe

Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrhundert gibt es wieder Asiatische Wildesel, auch Kulane genannt, in der zentralkasachischen Steppe. Mit dem weltgrößten Helikopter wurden Ende Oktober neun Tiere vom Nationalpark "Altyn Emel" im Südwesten Kasachstans nach Zentralkasachstan geflogen. Im kommenden Frühjahr werden die Wildesel in die Weiten der Steppe entlassen.

Frankfurt/Nürnberg/Astana. Kulane kamen einst im gesamten mittleren Osten und Zentralasien vor, vom Mittelmeerraum bis in die östliche Mongolei. In den letzten 200 Jahren schrumpfte ihr Verbreitungsgebiet dramatisch und umfasst heute weniger als drei Prozent seiner ursprünglichen Größe. Heute wird der Kulan (Equus hemionus kulan) als „stark gefährdet“ auf der Roten Liste der gefährdeten Arten geführt und kommt nur noch in kleinen, voneinander isolierten Populationen in Turkmenistan, Kasachstan und Usbekistan vor.

Ziel des Kulan-Wiederansiedlungsprojektes ist es, dem Steppenökosystem mit dem Kulan eine große Pflanzenfresserart zurückzugeben – eine Art, die hier einst in großen Herden gelebt hatte. Am 24. Oktober 2017 wurden neun Tiere mit dem weltgrößten Helikopter Mi-26 vom Altyn Emel Nationalpark im Südwesten Kasachstans 1.200 Kilometer weit nach Zentralkasachstan geflogen. Dort sind die Wildesel jetzt in einem Eingewöhnungsgehege am Rande des staatlichen Naturreservats Altyn Dala. Im kommenden Frühjahr werden sie in die Weiten der Steppe entlassen.

Das Kulan-Wiederansiedlungsprojekt will in den nächsten drei bis vier Jahren insgesamt 30 bis 40 Kulane vom Altyn Emel Nationalpark in die Steppen Zentralkasachstans zurückbringen. Glücklicherweise ist die Kulan-Population in Altyn Emel so stark gewachsen, dass der Nationalpark Tiere abgeben kann, die nun als Gründerpopulation für andere Gebiete dienen können.

Ende Oktober konnten in einer Art Testlauf die ersten neun Kulane erfolgreich umgesiedelt werden. Nach jahrelanger Planung und Vorbereitung mussten sich Methodik, Logistik und Fangtechnik in dem Testlauf ebenso bewähren wie der tiermedizinische Umgang mit den Tieren, ihr Transport im Helikopter und ihre Freilassung ins Eingewöhnungsgehege im Altyn Dala Schutzgebiet.

Steffen Zuther, Projektleiter der Altyn Dala Conservation Initiative ist mit dem Verlauf des Tests zufrieden: „Unser Ansatz, die Tiere in einen Pferch zu treiben und sie so zu fangen, hat gut funktioniert. Auch der Transport mit dem gigantischen Helikopter stellte kein Problem dar. Die Tiere wurden medikamentös ruhiggestellt und reisten einzeln in speziell dafür angefertigten Boxen.“

 

Das ehrgeizige Wiederansiedlungsprojekt wird vom Norwegischen Institut für Naturforschung (NINA) koordiniert und von der kasachischen Naturschutzorganisation ACBK im Rahmen der Altyn Dala Conservation Initiative umgesetzt. Weitere Projektpartner, die die Kulan-Wiederansiedlung finanziell und logistisch unterstützen, sind das Komitee für Forst und Wildtiere des kasachischen Landwirtschaftsministeriums, die Royal Society for the Protection of Birds (RSPB), die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) und der Tiergarten Nürnberg.  Die Hauptgeldgeber für dieses Projekt sind die internationale Naturschutzorganisation Fondation Segré und der Tiergarten der Stadt Nürnberg.

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