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Wildtierzählung im Selous-Mikumi-Ökosystem

Matambwe, 19. September 2017 - Am morgigen Mittwoch beginnt eine neue Wildtierzählung im Selous-Mikumi-Ökosystem in Tansania. Das tansanische Wildtierforschungsinstitut (Tanzania Wildlife Research Institute, TAWIRI) leitet die Zählung, die aus der Luft und in der Trockenzeit durchgeführt wird, um repräsentative Ergebnisse zu liefern. TAWIRI arbeitet mit den tansanischen Behörden Tanzania Wildlife Management Authority und Tanzania National Parks zusammen und wird von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) unterstützt. Die Zählung wird im Rahmen des „Selous Ecosystem Conservation and Development Program“ umgesetzt, das von der KfW im Auftrag der deutschen Bundesregierung finanziert wird. Sie erfasst große Säugetiere und Anzeichen illegaler menschlicher Aktivitäten im Bereich des Selous Game Reserve, des Mikumi-Nationalparks, des Selous-Niassa-Korridors und der umliegenden Pufferzonen. Die Daten dienen der Managementplanung.

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Im Selous-Mikumi-Ökosystem wurden zwischen 2009 und 2014 etwa zwei Drittel der Elefanten gewildert. Foto: Daniel Rosengren/ZGF
„Wir begrüßen die Kollegen von TAWIRI für die Säugetierzählung und werden die Informationen nutzen, den Schutz der Game Reserve zu verbessern“, sagt Henock Msocha, der Selous-Projektleiter von der Tanzania Wildlife Management Authority.

„Wir erhoffen uns vom diesjährigen Selous-Mikumi-Zensus Klarheit über die Entwicklung des Elefantenbestandes im Selous“, sagt Kathryn Doody, die Projektleiterin der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). Doodys Team organisiert mit TAWIRI das aufwändige Flugprogramm, bildet die Zähler und wertet die Daten mit aus. „Wir hoffen natürlich, dass sich die Population nach den großen Verlusten durch Wilderei stabilisieren konnte“, fügt Doody hinzu.

Der afrikaweite „Great Elephant Census“ von 2014 hatte belegt, dass die Elefantenpopulation im Selous Game Reserve von rund 45.000 im Jahr 2009 auf etwa 15.000 Tiere dezimiert worden war. Es war die schlimmste Wildereiwelle in Tansania seit den 1990er Jahren, angetrieben von der großen Nachfrage für Elfenbein in Südostasien. Der Selous ist aufgrund der Elefantenwilderei im Jahr 2014 von der UNESCO als „gefährdetes“ Weltnaturerbe eingestuft worden. Um angemessen auf die Bedrohungen reagieren zu können braucht das Management des Schutzgebiets exakte Daten über die Wildtierbestände.

Die tansanische Regierung wird die Ergebnisse der neuen Zählung im Februar 2018 dem UNESCO-Welterbekomitee vorlegen. Die fachgerechte Erhebung und Auswertung der Daten ist entscheidend. Die ZGF hat daher zwei erfahrene Berater beauftragt, die Zählung mit zu planen, umzusetzen und beim Verfassen des Berichtes mitzuwirken.
Vor der Feldarbeit wurde ein dreitägiges Ausbildungsprogramm in Arusha und im Tarangire-Nationalpark organisiert. Die Besatzungen der drei Beobachtungsflüge wurden ausgewählt und geschult. Die Flugzeuge fliegen für die Zählung mit einer Geschwindigkeit von etwa 175 Kilometern pro Stunde in ca. 100 Meter Höhe über dem Boden.

Die Besatzungen bestehen aus vier Personen: Der Pilot navigiert das Flugzeug und hält Höhe und Geschwindigkeit möglichst konstant. Ein Beobachter neben dem Piloten zeichnet Metadaten auf, wie die Anfangs- und Endpunkte der Flugtransekte, die Flughöhe, die vorherrschende Vegetation, Anwesenheit von Wasser und vorhandene Brandspuren. Zwei Beobachter auf den Rücksitzen erfassen durch die linken und rechten Fenster einen Ausschnitt, der durch Stangen begrenzt wird, die am Flugzeug angebracht sind. Auf dem Boden misst dieser Ausschnitt bei einer Flughöhe von 100 Metern ca. 150 Meter. Beobachtungen werden auf einem Digitalrekorder aufgezeichnet.

Zusätzlich zu den Elefanten werden eine Reihe weiterer großer Säugetiere erfasst, darunter Giraffen, Antilopen wie Elen, Großer Kudu und Rappenantilope sowie Warzenschweine, Paviane und auch Krokodile. Große Gruppen mit mehr als zehn Tieren werden zur genaueren Auswertung fotografiert. Zu den menschlichen Aktivitäten gehören das Weiden von Haustieren, Holzeinschlag und Wilderei. Die diesjährige Zählung ist die neunzehnte seit 1976. Sie deckt eine Gesamtfläche von über 110.000 Quadratkilometern ab: das Selous Game Reserve, den Mikumi-Nationalpark und den Selous-Niassa-Korridor, der bis an die südliche Landesgrenze zu Mosambik reicht.

Hinweise für Redakteure

Das Selous Game Reserve ist mit rund 50.000 Quadratkilometern, vergleichbar mit der Fläche der Schweiz, eines der größten Schutzgebiete Afrikas. In ausgewiesenen Bereichen sind Fototourismus oder Jagd zugelassen. 1982 wurde das Selous-Schutzgebiet aufgrund seiner globalen Bedeutung in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen. Aufgrund deutlicher Rückgänge der Elefanten- und Nashornpopulationen sowie Bedrohungen durch Bauprojekte und der Erteilung zahlreicher Bergbaulizenzen wurde das Selous-Schutzgebiet 2014 vom UNESCO-Welterbekomitee als „gefährdete“ Welterbestätte eingestuft.

Das Selous-Schutzgebiet ist ein Miombo-Waldgebiet mit hoher Dichte und Vielfalt von Arten. Es beheimatet große Wildhund- und Löwenpopulationen. Auch bedeutende Populationen von Huftieren, darunter Flusspferd, Büffel, Großer Kudu, Njassa-Gnu, Rappen-, Lichtenstein-, und Elenantilope kommen hier vor sowie eine große Anzahl von Nil-Krokodilen und mehr als 430 Vogelarten.

Das „Selous Ecosystem Conservation and Development Program“ (SECAD) soll den Schutz der Selous Game Reserve und seiner Randgebiete verbessern und den Status des Schutzgebietes als UNESCO-Weltnaturerbe erhalten. Das Programm wird von der KfW im Auftrag der deutschen Bundesregierung finanziert und vom tansanischen Ministerium für Natürliche Ressourcen und Tourismus (MNRT) und der tansanischen Wildtierbehörde Tanzania Wildlife Management Authority (TAWA) in Zusammenarbeit mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) umgesetzt. Die ZGF unterstützt das Management des Selous Game Reserve, WWF unterstützt nachhaltiges Ökosystemmanagement der natürlichen Ressourcen in vorrangigen Teilen der Pufferzonen und eine internationale Beratungsfirma unterhält Infrastruktur und Ausrüstung.

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