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Die Polesie – Europas größtes Wildnisgebiet

Feuchtgebietsschutz im Süden von Belarus und im Norden der Ukraine

„Wildnis ohne Grenzen“. So könnte das Motto der Polesie lauten, einer von Wäldern und Feuchtgebieten geprägten Tieflandregion in Osteuropa. Allein das Ausmaß dieser Region ist beeindruckend, mit über 180.000 Quadratkilometern ist sie etwa halb so groß wie Deutschland. Und die Polesie überwindet im wahrsten Sinne Grenzen, denn sie erstreckt sich über weißrussisches, polnisches, russisches und ukrainisches Territorium.
Das Herzstück der Polesie ist der gut 650 Kilometer lange Fluss Prypiat. Mit seinen unzähligen Mäandern, Nebenflüssen und Altarmen prägt er die Region auf ganz besondere Weise: Die Landschaft ist ein regelrechtes Labyrinth aus Gewässern, Inseln, Sümpfen, Feuchtwiesen und Auwäldern.

Die Polesie - Lebensraum für Braunbär, Wolf und Luchs

Trotz starker Eingriffe in die Natur zu sowjetischen Zeiten sind große Bereiche noch immer vollkommen unberührt durch den Menschen geblieben. Die ausgedehnten Wälder bieten großen Säugetierarten wie Braunbär, Wolf, Luchs und Wisent ein Refugium, und die Flussauen des Prypiat stellen einen wichtigen Rastplatz für Wasservögel dar, deren Zugroute im Frühjahr und Herbst durch die Polesie führt. In den Feuchtgebieten brüten zahlreiche Vogelarten, darunter auch weltweit gefährdete Arten wie der Seggenrohrsänger und der Schelladler. Viele Teilgebiete der Polesie sind von internationaler Bedeutung für den Naturschutz und wurden beispielsweise als UNESCO Biosphärenreservate oder als Ramsar-Gebiete anerkannt.

Die Polesie ist in Gefahr

Doch dieses Naturparadies ist in Gefahr. Akute Bedrohungen stellen die Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Zerschneidung von Lebensräumen durch Infrastruktur und die Ausbreitung der Forstwirtschaft dar. Verheerende Auswirkungen drohen zudem durch den geplanten Bau einer 2.000 Kilometer langen Wasserstraße, die vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee führen soll. Es müssten umfangreiche Bauarbeiten durchgeführt werden, um den Prypiat das ganze Jahr über schiffbar zu halten. Geplant sind eine Vertiefung des Flussbetts, Flussbegradigungen und die Errichtung von Deichen und Dämmen. Dadurch würde sich das Überschwemmungsregime extrem verändern und mehrere Altwasserarme würden zerstört werden.
Diese besorgniserregenden Entwicklungen haben dazu geführt, dass die ZGF im Jahr 2015 in der Region Mittlerer Prypiat – Prypiat Nationalpark – Almany – Stary Zadzien, dem Kerngebiet der weißrussischen Polesie, ihre Arbeit aufgenommen hat. Unsere Partner vor Ort führen wissenschaftliche Untersuchungen zum Artenbestand und zu den Folgen der menschlichen Eingriffe in der Polesie durch. Diese liefern die Grundlage dafür, ein Schutzkonzept für diesen wertvollen Lebensraum zu entwickeln und dieses auf politischer und gesellschaftlicher Ebene durchzusetzen.

Was passiert vor Ort?

  • Stärkung der Schutzgebietsverwaltungen im Kerngebiet der Polesie
  • Einsatz für Wildnisschutz auf weiteren 140.000 Hektar
  • Verbesserung der Habitatvernetzung für Tiere mit hohen Raumansprüchen (Wolf, Luchs, Wisent, Braunbär)
  • Wiedervernässung von entwässerten Mooren und Auwäldern
  • Lobbyarbeit gegen den Bau der geplanten Wasserstraße
  • Einsatz für die Durchsetzung bestehender Naturschutzgesetze
  • Entwicklung von neuen Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung, die im Einklang mit dem Naturschutz stehen
  • Nominierung eines Teilbereichs der Polesie als UNESCO Weltnaturerbe