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Naturschutz im Süden Afrikas

Das Gonarezhou Conservation Project ist seit 2007 Partner des Nationalparks und unterstützt diesen, wo es nur kann.

Gonarezhou from Air
Der Gonarezhou Nationalpark aus der Luft. (Foto: Dagmar Andres-Brümmer)

Gonarezhou Simbabwe, 15. Juni 2015 von Elsabe van der Westhuizen

 

Als die Zoologische Gesellschaft Frankfurt 2007 ins Land kam, ging Simbabwe durch schwere Zeiten. Die ZGF konnte damals dank externer Gelder einen ansehnlichen Etat zur Verfügung stellen und dem Gonarezhou Nationalpark technische wie auch finanzielle Unterstützung anbieten. Ende 2007 wurde eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben und das Gonarezhou Conservation Project (GCP) war geboren. 2010 haben wir diese Vereinbarung nochmals um zehn Jahre verlängert, das heißt bis 2020 hat sich die ZGF auf jeden Fall in Gonarezhou verpflichtet.

Planung ist das halbe Leben

Um etwas zu erreichen und zu wissen, wo und wie wir den Park unterstützen müssen, wurde als erstes ein so genannter „General Management Plan“ entwickelt. Zusammen mit allen Beteiligten haben wir eine gemeinsame Vision und Zielsetzung für den Park erarbeitet. Dieser Plan dient uns seither als Leitlinie für unsere Arbeit.

 

Unser Projekt ist breit aufgestellt. Aber von Anfang an war klar, dass einer der Schwerpunkte darauf liegen würde, sicherzustellen, dass die Parkranger ihre Arbeit optimal verrichten können, dass sie imstande sind, die Tiere des Parks zu schützen. Das heißt, wir haben elementare Ausrüstung für die Patrouillen besorgt, sichergestellt, dass die monatlichen Rationen an Benzin und Nahrungsmittel vorhanden sind und dass die Ranger eine fundierte Ausbildung und gutes Training bekommen. Aber nicht nur die Ranger draußen im Feld, auch das Management wird von uns unterstützt, denn nur, wenn in der Verwaltung alles reibungslos läuft, erreichen wir draußen etwas.

Sicherheit steht ganz oben

Gonarezhou grenzt mit seiner langen Seite direkt an Mosambik an – und hat eine sehr große Elefantenpopulation. Damit sind wir hier besonders anfällig für Elefantenwilderei und haben in den letzten zwei Jahren versucht, die Sicherheitsmaßnahmen entlang dieser gefährdeten Grenze deutlich zu verstärken. Beispielsweise wurden neue Rangerposten gebaut und die alte Straße entlang der Grenze wieder freigelegt. Das bedeutete, 110 Kilometer völlig überwucherte Straße mit dem Bulldozer und einem großen Team an Arbeitern von Bäumen und Gesträuch befreien. Jetzt ist die Straße – und damit die Grenze zum Park – wieder klar erkennbar. Damit gibt für die Leute auch keine Ausreden mehr, man habe nicht gewusst, dass der Park da anfange. Die Ranger können jetzt entlang der Straße mit dem Fahrrad oder dem Auto permanent Streife fahren und sie sehen anhand von Spuren im Sand, ob und wo Leute den Park betreten haben.

 

Entscheidend aber ist, dass wir eine ganze Reihe zusätzlicher Ranger eingestellt haben. Hierbei legen wir großen Wert darauf, dass diese aus den Gemeinden im Umfeld des Parks kommen.  

Das Herzstück des Parkschutzes: die Werkstatt

So banal es klingt, aber absolut zentral für das Funktionieren eines Parks ist die Werkstatt. Hier werden die Fahrzeuge des Parks gewartet und sichergestellt, dass diese rund um die Uhr einsatzfähig sind. Das ist das Herzstück des Parkschutzes und unser wichtigster Beitrag dazu. Die Jungs in der Werkstatt sorgen aber nicht nur dafür, dass die Autos laufen, sondern auch für die Funktionalität der Wasserpumpen, dafür, dass die Zäune intakt sind. Und sie bauen und basteln alles: vom Funkmast bis zum Wassertank.

Gute Nachbarschaft

Tiyeselani grass-cutting cooperative
Wer in einem Nationalpark erfolgreich arbeiten will, muss die umliegenden Gemeinden einbeziehen. (Foto: Elsabe van der Westhuizen)

Will man auf lange Sicht was erreichen und nicht an den Parkgrenzen Halt machen, sondern auch im Umfeld des Parks etwas bewegen, ist es natürlich wichtig, die Menschen einzubeziehen, die hier leben. Wir haben daher ein Bildungsprojekt mit 39 Schulen im 10-Kilometer_Umkreis des Parks aufgesetzt. Mit einer Art Bücherbus versorgen wir die Schulen mit Büchern, Videos und einer ganzen Palette an Lernmaterialien zum Naturschutz, die in den normalen Lehrplan integriert werden können.

 

Vor gut drei Jahren haben wir die Gründung der Tiyeselani Woman’s Association unterstützt. In dieser Gruppe haben sich extrem benachteiligte Frauen, etwa Witwen und Geschiedene, aus verschiedenen Dörfern zusammengeschlossen. Im Rahmen eines Projekts dürfen sie unter kontrollierten Bedingungen im Norden des Parks Gräser für Reetdächer schneiden. Dadurch kommen sie zu einem kleinen Einkommen und einige der Frauen können beispielsweise nun die Schulgebühren für ihre Kinder zahlen.

Tourismus sanft entwickeln

Die touristische Entwicklung von Gonarezhou war zunächst gar nicht mal auf unserer Agenda. Doch es zeigte sich schnell, dass sie ganz zentral sein würde. Nicht nur, weil der Park damit Einnahmen generiert und finanziell unabhängiger wird. Sondern auch, weil er national aber auch international nur dann wahrgenommen wird, wenn er ein Ziel für Touristen ist. Eine touristische Entwicklung ist aber nicht ganz ohne Risiken, daher lohnt es sich, die Ziele, die man erreichen will, in einem „Tourism Development Plan“ festzulegen. Die einzigartige Wildnis von Gonarezhou ist das große Kapital des Parks und darf nicht gefährdet werden. Trotzdem ist klar, dass wir einiges an Infrastruktur brauchen werden: Unterkünfte, Wege etc. Bislang haben wir einige Straßen und Wege instandgesetzt, kleine Campingplätze aufgebaut, die Beschilderung erneuert, eine Karte erstellt und gedruckt und ein Zeltcamp im Norden des Parks gebaut.

Wie gut sind wir?

Elsabe van der Westhuizen
ZGF Projektleiterin und Autorin Elsabe van der Westhuizen. (Foto: Norbert Guthier)

Man kann im Naturschutz alles mögliche und mit viel Aufwand machen. Beispielsweise auch das, was ich gerade alles beschrieben habe. Aber erreicht man wirklich etwas damit? Diese Frage muss man sich regelmäßig stellen.

 

Von daher ist es wichtig, eine Reihe von Indikatoren festzulegen, die man genau überwacht, um zu sehen, ob die Entwicklung in die richtige Richtung läuft, ob man erreicht, was man sich vorgenommen hat. Dazu haben wir ein wissenschaftliches Monitoringprogramm aufgelegt, das regelmäßige Luftüberwachung umfasst, aber auch Vegetationsstudien oder die Untersuchung von Raubtieren.

 

Auch die Ranger sammeln eine ganze Reihe an wichtigen Informationen, da sie täglich im Park unterwegs sind. Die Daten aus dem so genannten „ranger-based monitoring“ laufen alle zusammen in eine Datenbank und fließen ins Parkmanagement ein. Das sind zum Beispiel Tierbeobachtungen, aber auch Zeichen von illegalen Aktivitäten, die die Ranger auf ihren Patrouillen entdecken und mit genauer GPS-Position festhalten.

Wie geht es weiter?

In den letzten acht Jahren haben wir bereits viel erreicht. Aber genauso viel ist auch noch zu tun. Gonarezhou gehört ja leider zu den Gebieten, in denen die Spitzmaulnashörner bereits zweimal ausgerottet wurden. Ein Traum wäre daher, wenn es gelingen könnte, Nashörner wieder in Gonarezhou anzusiedeln und ihnen eine sichere Heimat zu bieten.

 

Um das und andere Ziele zu erreichen, wird der nächste Schritt von ZGF gemeinsam mit der Parkbehörde ZPWMA (Zimbabwe Parks and Wildlife Management Authority) der Aufbau eine ‘Gonarezhou Trust’ sein. Die Trägerschaft eines Trust würde dem Park mehr finanzielle Flexibilität für eine ökologische Nachhaltigkeit verschaffen und wäre ein wunderbarer und konsequenter Schritt in eine neue Ära der Naturschutzpartnerschaft. 

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