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Schuppig, scheu, bedroht

Schuppentiere gelten als die am meisten geschmuggelten Wildtiere der Welt. Im Gonarezhou-Nationalpark in Simbabwe finden beschlagnahmte Tiere eine neue Heimat. Von Patrick Eickemeier

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Beschlagnahmtes Schuppentier nach seiner Freilassung. Foto: ZGF
Als die Kiste geöffnet wird, wirkt der Insasse zunächst etwas unschlüssig und schnuppert die Luft des unbekannten Territoriums vor seiner Nase. Doch dann läuft er schnurstracks zur nahe gelegenen Wasserstelle, trinkt und verschwindet kurz darauf in der Vegetation. Schuppentier „22 O“ wird in die Savanne von Gonarezhou entlassen.

Die Steppenschuppentiere (Smutsia temminckii), die im Gonarezhou-Nationalpark im Südosten von Simbabwe freigelassen werden, haben Glück. Sie sind von der simbabwischen Wildtierbehörde bei Wilderern oder illegalen Wildtierhändlern beschlagnahmt und zur Wiederauswilderung dem Tikki Hywood Trust übergeben worden. Die Organisation hat sich dem Schutz von Schuppentieren in ganz Afrika verschrieben.

Nummer Eins auf der Schmugglerliste

Pangolin, Serengeti
Fühlen sie sich bedroht, rollen sich Schuppentiere ein. Dieses Verhalten gab ihnen im Englischen den Namen „Pangolin“, abgeleitet vom malaiischen Wort „penggulung“, das so viel wie „Roller“ bedeutet. Foto: Daniel Rosengren
Schuppentiere haben den traurigen Ruf des „am meisten geschmuggelten Säugetiers“ erlangt. In West- und Zentralafrika werden sie wegen ihres Fleisches gejagt, und in ganz Afrika wegen ihrer Schuppen und anderer Körperteile, die in der traditionellen afrikanischen Medizin verwendet werden.

Die vier asiatischen Arten werden aus den gleichen Gründen gejagt: Das Fleisch gilt als Delikatesse und wird teuer gehandelt. Und in der traditionellen chinesischen Medizin werden die Schuppen zum Beispiel gegen Schuppenflechte und Durchblutungsstörungen eingesetzt. Da die Populationen der asiatischen Schuppentiere schwinden, werden zunehmend afrikanische Schuppentiere auf die asiatischen Märkte gebracht.

Im Jahr 2014 warnte die International Union for Conservation of Nature, IUCN, dass Schuppentiere im Begriff seien, „bis zum Aussterben gegessen zu werden“. Alle Schuppentierarten werden auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten geführt. Aber nicht nur die direkte Nachstellung dezimiert die Schuppentierbestände, sondern auch der Verlust ihres Lebensraums. Zusätzlich setzt der Einsatz von Pestiziden und elektrischen Zäunen den Populationen zu. In Simbabwe werden die Steppenschuppentiere vor allem aufgrund veränderter Landnutzung seltener und weil Schutzgebiete verloren gehen.

Neue Heimat in Gonarezhou

Die ZGF ist mit dem Gonarezhou Schutzprojekt seit 2007 in Simbabwe aktiv. Das Projekt unterstützt den Gonarezhou Nationalpark. Es sorgt für mehr Parküberwachung dank besserer Ranger-Patrouillen und -Schulungen und es übernimmt die Luftüberwachung des Parks, um illegale Aktivitäten aufzudecken.

Eine neue Partnerschaft mit den simbabwischen Behörden zur gemeinsamen Verwaltung des Parks soll dessen Schutz noch weiter verbessern. Dieser „Gonarezhou Conservation Trust“ soll den Wildnis-Charakter von Gonarezhou noch besser und vor allem auf lange Sicht bewahren - als sicheren Hafen für bedrohte Arten. Für Schuppentier „O 22“ gilt das in Gonarezhou schon heute.

Zwei der elf beschlagnahmten Schuppentiere, die mittlerweile in Gonarezhou freigelassen wurden, tragen Funksender. Trotzdem sind die nachtaktiven Tiere schwer zu verfolgen, was auch damit zusammenhängt, dass sie sich viel in unterirdischen Bauen aufhalten. Das nächste ausgewachsene Tier, das in Gonarezhou freigelassen wird, soll daher mit einem neuartigen Sender- Prototyp versehen werden, sodass seine Bewegungen per Satellit nachverfolgt werden können. Von einem der Tiere, das noch mit einem herkömmlichen Sender ausgestattet worden war, wurden erst drei Monate nach seiner Freilassung Signale empfangen. Soweit das Funksignal diese Aussage zulässt, scheint es ihm gut zu gehen. Gonarezhou, der „Ort der Elefanten“ in der lokalen Shona-Sprache, hat auch als „Ort der Schuppentiere“ Zukunft.

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