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Craig Zytkow - Unser Mann in Sambia

Das Nsumbu Tanganyika Conservation Project in Sambia ist das neuste ZGF-Projekt in Afrika. In diesem Sommer hat die ZGF das bislang von der Organisation Conservation Lake Tanganyika geführte Projekt zum Schutz des am Tanganjika- See gelegenen Nationalparks übernommen. Craig Zytkow leitet das Projekt seit seinem Beginn vor fünf Jahren und hat nun mit der ZGF einen großen und erfahrenen Partner ins Boot geholt. Patrick Eickemeier hat mit ihm über Nsumbu gesprochen.

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Craig Zytkow wurde 1980 in Kitwe, Sambias zweitgrößter Stadt, geboren. Seine Kindheit verbrachte er dort und in Nsumbu, wo seine Eltern im Tourismus tätig waren. Craig studierte marine und tropische Ökologie in Australien, kehrte aber nach Nsumbu zurück, um die Organisation Conservation Lake Tanganyika zu gründen. Sein Ziel war es, die sambischen Behörden beim Schutz des Nationalparks zu unterstützen, der viele seiner Wildtiere verloren hatte. 

Craig, wo liegt denn Nsumbu?

Der Nsumbu-Nationalpark liegt im Nordosten Sambias und grenzt an den südlichsten Zipfel des Tanganjika-Sees. Der Park selbst ist 2.000 Quadratkilometer groß und hat rund 100 Kilometer Seeufer. Im Norden und Westen schließen sich noch zwei wesentlich größere Game Management Areas an. Das Kerngebiet des neuen Projekts umfasst etwa 3.500 Quadratkilometer große und intakte Wildnis. 

Um was geht es bei dem Projekt?

Ein Schwerpunkt ist der bessere Parkschutz, denn es wird zu Wasser und zu Land gewildert. Das Gebiet ist von lichten Miombowäldern mit ganzjährig fließenden Flüssen, ausgedehnten Sumpfgebieten, Grasland und dem schwer zugänglichen Itigi-Wald am Seeufer geprägt. Im Park leben noch rund 150 Elefanten. Nsumbu ist übrigens der einzige Ort entlang des riesigen, 650 Kilometer langen Tanganjika-Sees, an dem es noch Elefaten gibt.

Conservation Lake Tanganyika gibt es seit 2012 und du bist die treibende Kraft hinter der Organisation. Warum übernimmt nun die ZGF die Trägerschaft des Projektes?

Conservation Lake Tanganyika zu gründen, war beinahe eine Verzweiflungstat, weil die Wildtierbestände des Parks so stark gelitten hatten. Die Organisation sollte Geld für den Parkschutz sammeln, aber ich hatte immer das Gefühl, dass wir einen stärkeren Partner brauchen. 

Um was zu tun?

Wir konzentrierten uns bislang auf eine relativ kleine Fläche im Norden, den sichtbarsten Bereich des Nationalparks am Seeufer. Wir haben Ranger rekrutiert und ausgebildet, eine Parkinfrastruktur aufgebaut und Ausrüstung beschafft. Wir haben den Schutz unserer Elefanten verbessert, mit den Gemeinden zusammengearbeitet und gemeinsam mit der Parkbehörde Planung und Management von Nsumbu vorangetrieben. Aber uns war klar, das Ökosystem ist viel größer und wir müssen unseren Wirkungsraum vergrößern.

Du bist hier aufgewachsen. Wie hat sich Nsumbu seit deiner Kindheit verändert?

Leider nicht zum Besseren. Viele Menschen haben sich in der Gegend niedergelassen. Das ist nicht unbedingt schlecht, aber es ging mit großen Verlusten bei den natürlichen Ressourcen einher: Es gibt weniger Wildtiere, weniger Fisch, weniger Wald als früher. Damals habe ich zum Beispiel nicht weit von unserem Haus regelmäßig große Herden von Büffeln gesehen, mehrere Hundert Tiere. Das gibt es nicht mehr.

Das Nsumbu-Tanganjika-Projekt ist amphibischer Natur – Wasser und Land spielen auf besondere Weise zusammen. Wo liegen die Hauptgefahren für das Ökosystem?

Der Tanganjika-See ist einer der größten Süßwasserkörper der Erde. Etwa ein Sechstel des gesamtenoberirdischen Süßwassers unserer Erde ist in diesem See. Rund 1.000 Fischarten leben im See, 90 Prozent davon sind endemisch. Allein von den Buntbarschen gibt es 250 Arten! Großen Sorgen bereitet uns der Klimawandel, der das Ökosystem See dramatisch verändern könnte. Dazu kommen die Zerstörung der Wassereinzugsgebiete, die den See speisen. Nsumbu ist ein intaktes Ökosystem, eines von wenigen. Deshalb ist es so wichtig, es zu schützen. Ein unmittelbares Problem ist zudem die illegale Fischerei.

Ist die Popularität der Tanganjika-Buntbarsche für Aquarien ein Problem?

Es gibt nur begrenzte Auswirkungen auf den Nationalpark, weil viele Buntbarsche außerhalb gefangen werden. Aber es gibt eine Handvoll Arten, die gezielt im Schutzgebiet gefangen werden, zum Beispiel eine Variante der Art Tropheus moorii namens „Ilangi“. Sie kommt nur in einem besonders sensiblen Gebiet des Nationalparks vor. Viele Aquarianer möchten Ilangis, aber wahrscheinlich wissen nur wenige, dass alle Wildfänge gewildert wurden.

Welche Rolle spielt Fisch für die einheimische Bevölkerung?

Entlang des Tanganjika-Sees sind rund 20 Millionen Menschen für ihre Proteinversorgung auf den See angewiesen. Auch im Gebiet des Nsumbu-Nationalparks hängt buchstäblich jede Existenz vom Fischen ab. Die Gemeinden ins Parkmanagement einzubeziehen, ist also für uns entscheidend. Wir brauchen einen integrierten Ansatz zum Schutz der terrestrischen und der aquatischen Seite, sonst werden wir keinen Erfolg haben.

Schlussfrage: Was ist die größte Herausforderung für das Projekt?

Die größte Herausforderung ist sicherzustellen ,dass die lokale Bevölkerung vom Naturschutz direkt und ausreichend profitiert. Ich weiß, es klingt wie ein Klischee, aber wenn das nicht gelingt, können wir Nsumbu nicht erhalten.

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