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"Ich interessiere mich für alles, was mit Wildtieren zu tun hat"

Dr. Alexander Moßbrucker ist 35 Jahre alt und arbeitet seit sieben Jahren für die ZGF auf Sumatra. Er ist Doktor der Forstwissenschaften im Bereich Wildtiermanagement und Wildtierökologie.

Alex, wie kam’s, dass du in Sumatra gelandet bist?

Ich kam für meine Diplomarbeit 2008 zum ersten Mal nach Indonesien. Vorher war ich noch nie in Südostasien gewesen. Ich habe in Freiburg Biologie studiert mit dem Nebenfach Wildtiermanagement und Wildtierökologie. Und irgendwann habe ich erfahren, dass Professorin Ilse Storch von der Forstfakultät für einen ihrer ehemaligen Doktoranden einen Studenten sucht, der fit genug für Feldarbeiten mit Elefanten ist. Der ehemalige Doktorand war Peter Pratje, der neue Feldassistent wurde ich. So habe ich Peter und die ZGF kennengelernt. Und als ich dann hier war, habe ich gemerkt, wie viel es hier zu tun gab und wie groß die Herausforderungen sind. Ich habe zunächst meine Diplomarbeit gemacht, seit 2010 bin ich dauerhaft in Jambi, inzwischen seit etwas mehr als sieben Jahren.

Erinnerst du dich noch an deine erste Begegnung mit Elefanten?

Aber natürlich! Das war 2008 und ich war so aufgeregt. Ich wollte unbedingt ganz nah ran, weil ich mit meiner schlechten Kamera Fotos machen wollte. Wir sind dann in eine Elefantengruppe hineingeraten und ich habe aus nur drei Metern Entfernung eine Mutter und ihr Kalb fotografiert. Die Mutter hat eine Scheinattacke gegen mich ausgeführt und ich bin weggerannt und auf einen Holzstapel geklettert. In meiner Euphorie habe ich überhaupt nicht bedacht, dass Elefanten gefährlich sein können. Heute kann ich das viel besser einschätzen, aber damals war meine Neugier einfach stärker als die Angst.

 

Was ist heute deine Aufgabe bei der ZGF, was machst du genau?

Seit 2016 bin ich offiziell Science and Conservation Officer, ich bin der Projektleiter der „Elephant Conservation and Monitoring Unit“ und der „Wildlife Protection Unit“. Ich mache eigentlich alles: Fundraising, die Zusammenarbeit mit lokalen Universitäten, Kamerafallen aufstellen, Wildtiermonitoring und ich betreue das Elefantenschutzprojekt und die Rangertruppe. Auch, wenn ein guter Teil meiner Arbeit im Büro stattfindet, bin ich viel draußen, meistens bin ich in Tebo oder in der Pufferzone des Nationalparks sowie in verschiedenen Dörfern der Umgebung. Sogenannte „Community“- Projekte sind sehr wichtig, denn die lokale Bevölkerung muss mitmachen, wenn Naturschutz erfolgreich sein soll. Gerade läuft auch eine gemeinsame Kampagne mit der Polizei. Dabei geht es um illegalen Waffenbesitz, Wilderei und Waldbrände.

Das klingt sehr aufwändig, woher nimmst du die Mittel für diese Aktivitäten?

Peter Pratje hat mich von Anfang an unterstützt, unsere Zusammenarbeit ist wirklich sehr gut. Ich stelle viele Anträge bei Drittmittelgebern, wie beispielsweise „US Fish and Wildlife“, und fast immer werden sie bewilligt und ich bekomme eine Projektförderung. Das kann ich inzwischen also auch ganz gut.

Aber deine wahre Leidenschaft sind die Elefanten, oder?

Früher dachte ich immer, dass ich mal in Südamerika lande. Ich hab sogar ein Semester lang in Panama studiert und war privat viel dort unterwegs. Auch Meeresbiologie hat mich sehr interessiert. Die Frage kann ich also mit einem klaren Jein beantworten: Ich bin kein reiner Elefantenfreak. Ich interessiere mich wirklich für alles, was mit Wildtiermanagement zu tun hat. Der Sumatra-Elefant ist eine sogenannte Flaggschiffart, die sich als Sympathieträger hervorragend für den Lebensraumschutz eignet. Das klingt vielleicht ein bisschen berechnend, aber Habitatschutz funktioniert am besten mit interessanten, sympathischen Arten, wie es die Elefanten nun mal sind. Und wenn der Lebensraum so gut ist, dass er für Elefanten passt, dann passt er für die meisten anderen Tiere auch.

Alexander Moßbrucker Der Sumatra-Elefant ist eine sogenannte Flaggschiffart, die sich als Sympathieträger hervorragend für den Lebensraumschutz eignet. Alexander Moßbrucker

Wie ist es mit Sumatra-Tigern?

Seit 2012 arbeiten wir viel mit Kamerafallen und so haben wir herausgefunden, dass es pro 100 Quadratkilometer etwas mehr als einen Tiger in der Pufferzone des Bukit-Tigapuluh- Nationalparks gibt. In Block 1 der Naturschutzkonzession haben wir dieses Jahr auf einer Fläche von nur 200 Quadratkilometern acht Tiger nachgewiesen! Das heißt, dass die von uns geschützten Gebiete deutlich mehr Tiger beheimaten können, als das normalerweise der Fall wäre. Ein tolles Ergebnis, das wir vor allem der Arbeit unserer Ranger verdanken, die im Gebiet intensiv patrouillieren.

Bist du mal einem Tiger begegnet?

Nein, noch nie. Sie sind da, aber sie sind unsichtbar. Aber eine Beinahebegegnung gab es: Ich hab zum Test eine Kamerafalle an einer Stelle aufgebaut, an der ich oft telefoniere, wenn ich im Feld bin. Es gibt ja nur an ganz wenigen Stellen Empfang. Als ich ein paar Tage später die Speicherkarte aus der Kamera überprüft habe, hab ich gesehen, dass nur fünf Minuten, nachdem ich weg war, ein Tiger kam und die Kamera inspizierte! Er war mir also wohl ganz nah und hielt sich verborgen.

Du stattest Elefanten mit Sendehalsbändern aus, um ihre Daten zu sammeln und zu wissen, wo sie sich aufhalten. Gibt es auch Pläne, Tiger so zu besendern?

Nein, das machen wir nicht. Derzeit gibt es hier nämlich Gott sei Dank keine Konflikte mit Tigern, also besteht dafür keine Notwendigkeit. Als Wissenschaftler fände ich das natürlich ziemlich spektakulär. Aber solange es keine Konflikte gibt, ist es nicht naturschutzrelevant. Sollte zum Beispiel ein Tiger in den Dörfern sein Unwesen treiben und Menschen töten, sähe das anders aus. Das ist aber zum Glück nicht der Fall. Tiger arrangieren sich hier scheinbar wunderbar mit der Bevölkerung. So würde ich mir das für die Elefanten auch wünschen.

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