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Schlingenjagd in der Serengeti

Wilderei mit Drahtschlingen ist in vielen Schutzgebieten Afrikas verbreitet. In der Serengeti geht ein Team aus Parkrangern und ehemaligen Wilderern gemeinsam auf Schlingenjagd.

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Das Schlingenbeseitigungsteam versucht, ein erschöpftes Gnu aus einer Drahtschlinge zu befreien.
Es ist ein trauriger Anblick: Das Gnu ist in einer Drahtschlinge verendet, die auf einem Trampelpfad zwischen zwei brusthohen Büschen ausgelegt worden war. Abrahame Sedyai sieht dieses Bild nicht zum ersten Mal. Über vierzig Jahre lang war er Ranger der tansanischen Nationalparkbehörde TANAPA, die meisten davon in der Serengeti.

Abrahame ist mit seinem Team in Kogatende unterwegs, im Norden des Serengeti Nationalparks, an der Grenze zu Kenia. Jetzt im Herbst sind hier die größten Konzentrationen von Gnus anzutreffen, wenn diese auf ihrer jährlichen Wanderroute aus der Masai Mara in die Serengeti zurückkehren. Abrahame hat in den letzten Tagen mit Kollegen von der kenianischen Seite des Serengeti-Ökosystems zusammengearbeitet. Denn die Migration der Gnus in diesem Gebiet ist auch die Hochsaison für Wilderer, die hier Tausende von Schlingen auslegen

Hinterhältige Fallen

Drahtschlingen sind einfach herzustellen, preisgünstig und vor allem lässt sich damit lautlos jagen. Die Schlingen werden dort zwischen die Büsche gespannt, wo die potenziellen Beutetiere vorbeilaufen. Ist ein Tier hineingetappt, ziehen sie sich zu und das Tier erwürgt sich selbst oder verletzt sich massiv beim Kampf gegen den Draht. Im Schutz der Nacht sammelt der Wilderer dann seine Beute ein.
Zwischen 100.000 und 140.000 Gnus werden nach Schätzungen von Wissenschaftlern jedes Jahr im Serengeti-Ökosystem gewildert, viele davon mit Schlingen. Die Wilderer legen auch Schlingen für Büffel aus besonders starkem Draht aus. Und selbst dem tansanischen Nationaltier, der Giraffe, wird mit in Baumkronen angebrachten Schlingen nachgestellt. Darüber hinaus tappen Tiere in die Fallen, auf die es die Wilderer eigentlich gar nicht abgesehen haben: Löwen, Hyänen, Wildhunde und sogar Elefanten oder, wie wir befürchten, sogar die seltenen Nashörner der Serengeti.
Der Handel mit dem erbeuteten Fleisch lohnt sich. Es wird auf lokalen Märkten verkauft oder in die großen Städte geliefert. Proteinquelle oder Speiseplanbereicherung – die Jagd auf das sogenannte bushmeat hat verheerende Auswirkungen.

Ex-Wilderer wissen, wo sie suchen müssen

Die Parkbehörde hat der Wilderei mit Schlingen vergleichsweise wenig entgegenzusetzen. Zwar konzentrieren sich die Aktivitäten der Wilderer zu bestimmten Jahreszeiten auf die jeweiligen Etappenziele der Gnuwanderung, doch der Park ist 15.000 Quadratkilometer groß und Schlingen werden ganzjährig und im gesamten Gebiet ausgelegt. Die rostigen Drähte sind, versteckt im Gebüsch, schwer sichtbar und können daher nur entdeckt werden, wenn die Ranger zu Fuß nach ihnen suchen. Vom Auto aus lässt sich nur ein kleiner Teil der Schlingen im Unterholz erspähen. Der Parkbehörde TANAPA aber fehlt für solche zeit- und personalintensiven Fußpatrouillen schlichtweg das Personal.
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Die Ranger sammeln jeden Tag unzählige Drahtschlingen von Wilderern ein.
Die ZGF hat daher in diesem Jahr das Serengeti De-Snaring Programme gestartet, um TANAPA bei der Wildereibekämpfung zu helfen. Bislang ist das Programm noch in der Testphase und es ist nur ein Team unterwegs. Doch die Bilanz von Abrahame und seinen Männern ist beachtlich: Auf ihren 83 Patrouillen konnten sie mehr als 6.800 Schlingen sicherstellen. Schon 265-mal haben Abrahame und sein Team verendete Tiere gefunden. Doch gelang es ihnen auch, etwa 100 noch lebende Tiere zu befreien.

Es ist nicht ungefährlich, einem Gnubullen den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, aber die Tiere sind meist erschöpft und ihre Retter sind erfahren.

Tatsächlich ist die Zusammensetzung des Teams eine Grundlage seines Erfolgs. Abrahame ist pensionierter Ranger und ihm unterstehen ein Fahrer und vier Ex-Wilderer, die aus umliegenden Dörfern stammen. Sie wissen, wo sich die Patrouillen besonders lohnen und wo die Schlingen zu finden sind. Und sie entfernen sie mit schnellen, geübten Handgriffen. Abrahame und seine Kollegen sind unbewaffnet. Zur Sicherheit sind ihnen zwei aktive und bewaffnete TANAPA-Ranger zur Seite gestellt. Erfahrung, Know-how, die Zusammenarbeit mit den Parkbehörden und nicht zuletzt Mobilität: Das sind die Zutaten für das Erfolgsrezept. Die ZGF hat ein Fahrzeug speziell für den Schlingentrupp umgerüstet

Safariveranstalter als Sponsoren

Möglich geworden ist das Schlingenprogramm erst durch ein neuartiges Spendenmodell. Verschiedene Safariveranstalter haben sich zusammengetan, um das Schlingenprogramm dauerhaft zu finanzieren. Denn ihre Geschäftsgrundlage basiert zu wesentlichen Teilen auf dem alljährlichen Besucherandrang zur Gnuwanderung. Die Programmsponsoren wollen daher etwas zurückgeben und dazu beitragen, die Great Migration zu erhalten. Mit ihrer Hilfe soll das Programm nach der erfolgreichen Testphase ausgeweitet werden. Bis zu sechs Schlingenteams könnten in enger Abstimmung mit den Parkbehörden eingesetzt werden und die Schlingenwilderei immer unattraktiver machen.
Bis dahin werden Abrahame und sein Team alleine weitermachen. Die Gnus halten sich noch eine Weile in Kogatende auf, bevor sie wieder weiter nach Süden wandern. Und Abrahame weiß: So viele Schlingen sie heute auch gesammelt haben, über Nacht werden neue Drähte ausgelegt werden. Aber zurücklehnen wollte sich der Ex-Ranger noch nie. Auch nicht in seinem wohlverdienten Ruhestand.

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