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Wildnis und biologische Vielfalt

Wir arbeiten für mehr biologische Vielfalt und den Erhalt von echter Wildnis; konsequent und mit Ausdauer. Ein Interview mit Geschäftsführer Christof Schenck.

Die Herausforderungen im Naturschutz sind geradezu grenzenlos: Noch nie gab es auf diesem Planeten so viele Menschen, noch nie wurden Lebensräume so grundsätzlich verändert. Alle Prognosen zum Bevölkerungswachstum, dem Verlust artenreicher Ökosysteme und den Veränderungen des Weltklimas deuten auf eine weitere Verschärfung der Probleme hin.

Nur mit einer klugen Strategie findet man einen effizienten Weg durch das Labyrinth der Herausforderungen und Möglichkeiten. Wie die ZGF ihre Strategie bis zum Ende dieses Jahrzehnts festgelegt hat, erläutert der Biologe und ZGF-Geschäftsführer Dr. Christof Schenck im Gespräch.

Christof Schenck (Norbert Guthier)

Herr Dr. Schenck, wo ist die ZGF aktiv?

Dr. Christof Schenck: Wir konzentrieren uns auf bestimmte Ökosysteme, nämlich Savannen, Wälder, Feuchtgebiete und montane Gebiete. Marine Projekte oder Projekte in den Polargebieten kommen für uns nicht infrage. Nicht, weil sie nicht wichtig wären, sondern weil man schlicht nicht alles machen kann und sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren muss. Geografisch liegt unser Fokus auf Ostafrika, Südamerika, Südostasien und Osteuropa.

Die ZGF stellt Biodiversität und Wildnis ins Zentrum ihrer Naturschutzstrategie. Das tun andere auch. Was ist daran also besonders?

Das ist richtig, auch andere Naturschutzorganisationen haben die Erhaltung von Biodiversität und Wildnis als Ziel. Doch kaum eine Organisation hat dies so konsequent und ausschließlich festgelegt wie die ZGF. Kulturlandschaften, singuläre Wiederansiedlungsprojekte, Verbesserung von Nutzungsformen in der Land- und Forstwirtschaft, Umweltschutz, Kampagnen oder die Entwicklung umweltfreundlicher Konsumgüter – all dies sind nicht unsere Themen. Zweifellos wichtige Themen, aber das machen andere besser. Wir konzentrieren uns ganz klar auf Wildnis.

Heißt das, Biodiversität und Wildnis sind die einzigen Kriterien für die Projekte?

Nein. Da es bei unserem Einsatz auch um Effizienz geht, fließen in die Projektauswahl und Prioritätensetzung noch weitere Kriterien ein, z. B. die Möglichkeit zur Sicherung eines Gebiets, Dringlichkeit und Chancen. Ebenso die Frage: Sind wir im Land schon präsent? Wie ist die politische Situation und wie sind die Beziehungen zu den Naturschutzbehörden? Die ZGF scheut sich auch nicht davor, in schwierigen und mitunter gefährlichen Regionen aktiv zu werden.

Die ZGF ist bekannt dafür, direkt vor Ort und an der Basis zu arbeiten. Was heißt das?

Unsere Mitarbeiter sind als „Handwerker“ vor Ort tätig. Meist leben sie selbst in den Schutzgebieten oder in unmittelbarer Nähe, egal wie schwierig die Bedingungen vor Ort auch sein mögen. Die Naturschutzbehörden des Landes sind unsere wichtigsten Partner. Wir konzentrieren uns auf die Einrichtung von neuen Schutzgebieten oder die Verbesserung bestehender – vorzugsweise Nationalparks und Weltnaturerbegebiete.
ZGF Geschäftsführer Dr. Christof Schenck Im Naturschutz ist klar, dass es einen langen Atem und viele Jahre braucht, um Erfolg zu haben. Wir gehen noch einen Schritt weiter. ZGF Geschäftsführer Dr. Christof Schenck

Ist dieses Engagement denn langfristig?

Für die meisten Akteure im Naturschutz ist inzwischen klar, dass es einen langen Atem und viele Jahre braucht, um Erfolg zu haben. Wir gehen noch einen Schritt weiter: Für eine kleine Zahl weltweit bedeutender Landschaften und Schutzgebiete streben wir eine Dauerpräsenz an. Da der Umgang mit Lebensräumen und Schutzgebieten letztendlich von politischen Entscheidungen abhängt und diese sich völlig unvorhersehbar entwickeln können, sind mitunter selbst die besten, bekanntesten und lukrativsten Schutzgebiete plötzlich gefährdet. Ohne eine Dauerpräsenz vor Ort erkennen wir solche Entwicklungen zu spät oder es fehlt uns das Netzwerk und das Vertrauen vor Ort, um erfolgreich aktiv zu werden.

Für welche Gebiete verpflichtet sich die ZGF denn auf ewig?

Untrennbar bleibt die ZGF der Serengeti verbunden, aber auch andere weltweit herausragende Schutzgebiete wie der Selous in Tansania, Virunga im Kongo, Manú in Peru oder Bukit Tigapuluh in Indonesien gehören zu den Landschaften, denen wir uns dauerhaft verpflichtet fühlen. 

Und was ist mit dem Schutz von Arten?

Dem spezifischen Schutz einzelner Arten widmen wir uns, sofern es sich um Schlüsselarten mit besonderer Bedeutung handelt und der Artenschutz mit dem Flächenschutz verknüpft ist. Wenn wir große Gebiete schützen, dann schützen wir letztendlich den Lebensraum aller dort lebenden Arten.

Woher kommt das Geld für die ZGF und ihre Naturschutzprojekte?

Da sind zum einen die Beiträge unserer Mitglieder sowie Spenden und Nachlässe großzügiger Privatpersonen. Zum anderen Projekt- mittel von großen Gebern – beispielsweise KfW, GIZ, verschiedene Bundesministerien oder internationale Geber wie U.S. Fish and Wildlife oder verschiedene Stiftungen. Hinzu kommen die Erträge unserer Förderstiftung Hilfe für die bedrohte Tierwelt sowie der Eleonore-Beck-Stiftung, beides tragende Säulen unserer Basisfinanzierung. Darüber hinaus trägt unsere amerikanische Schwesterorganisation Frankfurt Zoological Society US mittlerweile erheblich zur Finanzierung der Projekte bei.