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Michael Grzimek

Eine kurze Biographie des Filmers und Abenteurers Michael Grzimek (12. April 1934 – 10. Januar 1959)

Michael Grzimek
Michael Grzimek (Foto: Okapia)

Bernhard Grzimek und seinen Sohn Michael verbindet ein besonderes Verhältnis. Sie sind mehr als Vater und Sohn, sie sind Freunde, Partner und bisweilen wohl eine verschworene Gemeinschaft. Letzteres vor allem dann, wenn sie gemeinsam irgendwelche Streiche aushecken. Eine Ahnung davon, wie intensiv ihre Beziehung zueinander gewesen sein muss, bekommt der Leser im  Vorwort von "Serengeti darf nicht sterben". Bernhard Grzimek schreibt: „Ich aber wünsche allen Vätern, dass sie einen Sohn haben mögen, der ihr Kamerad und  Freund ist und der sich mit ihnen versteht. Und wenn es auch nur für einige wenige Jahre ist.“

 

Bereits in jungen Jahren ist Michael mit seinem Vater unterwegs – als ebenbürtiger Partner mit viel Verantwortung. Er ist gerade 16 Jahre alt, als er im Januar 1951 zum ersten Mal mit seinem Vater Bernhard an die Elfenbeinküste reist, um Tiere zu beobachten. Am Ende ihrer Reise haben die beiden einige Tiere für den Frankfurter Zoo gefangen, die der junge Michael schließlich allein mit dem Frachter nach Europa bringen muss: Eine Riesenschlange, Husarenaffen und Schimpansen. Auch zwei Jahre später ist Michael dabei, als es in den Kongo geht und die beiden das erste Okapi nach Deutschland holen.

 

Bereits mit 18 Jahren steht Michael seinem Vater in Engagement und Eigenständigkeit in nichts mehr nach. Mit seinem eigenen Geld dreht er einen Film nach dem Buch seines Vaters „Kein Platz für wilde Tiere“. Der Film ist der erste Film überhaupt, der den Menschen zuhause in Deutschland die Probleme der Wildtiere in Afrika vor Augen führt. Er wird nicht nur beim Publikum, sondern auch finanziell ein großer Erfolg. Michael und sein Vater wollen das Geld, das der Film einspielt, zurück in Tansanias Nationalparks investieren und Land kaufen. 


Statt dessen werden sie vom damaligen Direktor der tansanischen Nationalparkbehörde gebeten, lieber eine erste umfassende Tierzählung zu finanzieren, um Grundlagendaten für den Schutz des Gebietes zu gewinnen. Die Idee, hierfür ein Flugzeug zu nutzen, geht zu großen Teilen auf Michaels Konto. Er überzeugt seinen Vater, fliegen zu lernen und schließlich eine eigene Dornier zu kaufen. 1957 kaufen sie schließlich ihre legendäre Dornier 27, lassen sie mit Zebrastreifen lackieren und fliegen – als absolute Fluganfänger – im Dezember 1957 von Frankfurt in die Serengeti.

Michael Grzimek
Michael Grzimek experimentiert mit einem Narkosegewehr. Foto: Okapia

Michael ist nicht nur als Kameramann ein Naturtalent, er ist auch der geborene Pilot. Mit seiner robusten Dornier landet er an den entlegensten Punkten in der Serengeti, um Vegetation und Umgebung zu erforschen. Er experimentiert mit verschiedenen Methoden, um die großen Tierherden in den Weiten der Serengeti zu zählen und ist einer der Ersten, der ausprobiert, Tiere mit Halsbändern zu versehen, um sie aus der Luft verfolgen zu können.

 

Auch die ersten Experimente mit Narkosegewehren gehen zum Großteil auf Michaels Konto. Zusammen mit seinem Vater bastelt er an dem ersten zu diesem Zwecke auf dem Markt erschienenen Gewehr herum, um die Mechanik und vor allem die Dosierung des Narkosemittels zu verbessern. Neben den Tierzählungen dient Michaels Flugzeug als universelles Transportmittel für Notfälle aller Art und zum Einkaufen im 200 Meilen entfernten Arusha. Was damals noch als absolutes Novum gilt, ist heute ein etabliertes Mittel im Naturschutz: Die Tierzählung aus der Luft.

 

Trotz Michaels immensen fliegerischen Könnens und der Gutmütigkeit seiner Maschine kommt er im Januar 1959 auf tragische Weise bei einem Flug ums Leben. In der Nähe der Sanjan Schlucht östlich der Serengeti kollidiert er mit einem Geier. Eine Tragfläche wird beschädigt, Michael Grzimek verliert die Kontrolle über sein Flugzeug, stürzt ab und ist sofort tot. Der junge Familienvater hinterlässt seine Frau, zwei kleine Söhne und seinen schwer getroffenen Vater und Freund. Er wird am Rande des Ngorongoro Kraters beigesetzt und die Inschrift auf seinem Grabstein vermag nur anzudeuten, was er in den wenigen Jahren seines Lebens für den Naturschutz in Afrika geleistet hat: „He gave all he possessed for the wildlife of Africa, including his life.“ (Zu deutsch: Er gab alles, was er besaß für die wilden Tiere Afrikas – sogar sein Leben.)