Wiederansiedlung von Kulanen in Zentralkasachstan

Nach fast 100 Jahren der Abwesenheit kehrt eine Schlüsselspezies der Steppe zurück nach Zentralkasachstan: die Kulane. Durch kontrollierte Wiederansiedlung der asiatischen Wildesel soll im Altyn Dala Projektgebiet eine stabile Kulanpopulation neu etabliert werden. Die Esel nehmen einen wichtigen Platz im Gefüge des Ökosystems ein und balancieren das fragile Gefüge der Biodiversität der Steppe.

The kulan mare, her yearling from 2021 and her foal from 2022 running together in the acclimatization enclosure in Alibi.

Wir vor Ort

Unser Ziel ist die nachhaltige Ansiedlung von asiatischen Wildeseln im Altyn Dala Projektgebiet. Für eine Gründerherde sind jedoch mehr Individuen notwendig als bislang vor Ort.

Das Problem: Gebirge und Zivilisationskorridore verhindern eine eigenständige Migration der Kulane aus südlichen Populationen in die Zentralsteppe.

Darum fangen wir wilde Kulane im Süden des Landes und fliegen sie mit Lastenhelikoptern bis in das Auswilderungszentrum in der Zentralsteppe.

 

Vor dem Fang der Kulane wird die Zielpopulation genau beobachtet, um ihr Verhalten und ihre Aufenthaltsgebiete abschätzen zu können.
Der Bau eines soliden Fanggeheges ist eine technische und logistische Herausforderung. Der Zaun muss mindestens 2,50 m hoch sein, denn Kulane sind extrem gute Springer.
Nur in kompletter Finsternis, wenn die Tiere das Gehege nicht auf Entfernung sehen können, gelingt der Kulanfang.
In der Draufsicht ähnelt das Fanggehege einer Acht. Dank des kleineren Krals kann man verschiedene Kulangruppen separieren. Hier können nun einzelne Wildesel sicher sediert und für den Transport vorbereitet werden.
Der Tierarzt Nikolaus Huber hat sein mobiles Feldlabor in einem Minibus eingerichtet - hier untersucht er das Blut der Tiere auf Indikatoren für kritische Stresslevel und Krankheiten.
Dieser gigantische Helikopter transportierte 2017 neun Kulane und das gesamte Team. Die Mietkosten für die Maschine sind hoch, doch ein Über-Land Transport ist unter Tierschutzaspekten unmöglich.
Etwa 10 Stunden dauert die ca. 1300 km lange Reise vom Südosten bis ins Zentrum Kasachstans. Die grünen Felder markieren die Ursprungs- und Zielgebiete mit erhöhtem Schutzstatus.
Ein kleiner Schritt für einen Kulan - ein großer Schritt für seine Spezies! Nach fast 100 Jahren betritt zum ersten mal wieder ein Wildesel die Zentralsteppe. 6 Monate werden die Tiere im 55 ha großen Auswilderungsgehege überwacht und danach mit GPS Sendern in die Steppe entlassen.
Petra Kaczensky, die wissenschaftliche Leitung des Projektes, freut sich über neun muntere Kulane am Morgen nach dem Transport.
Albert Salemgareyev (Mitte), der Kulanbeauftragte unseres kasachischen Partners ACBK, führt eine Schulklasse durch das Auswilderungsgehege.
Kulanstute steht mit neugeborenem Fohlen auf der Steppe
Schon zwei Fohlen wurden seit 2019 in Zentralkasachstan geboren. Dies sendet ein ermutigendes Zeichen, dass sich die Kulane in der Steppe wohl fühlen und gesund sind.
Um die Kulane auf ihren Wanderungen durch die endlose Steppe verfolgen zu können, werden den adulten Tieren vor der Auswilderung langlebige GPS-Halsbänder angelegt.

Forschung

Eine solide Datengrundlage ist die Voraussetzung für sinnvolle Naturschutzarbeit. Darum legen wir großen Wert auf die Erforschung der Wanderrouten der Kulane. Dafür nutzen wir hauptsächlich die GPS Daten der von uns besenderten Wildesel in den verschiedenen Populationen Kasachstans. Außerdem nutzen wir zunehmend die Möglichkeit, große Flächen mit Drohnenflügen zu „scannen“. Ein AI Programm, das den Tierbestand auf dem immensen Bildmaterial dieser Flüge eigenständig erfassen kann, befindet sich momentan in der Entwicklung.

Transport

Der Transport großer Wildtiere ist eine komplexes logistisches Unterfangen. Die Kulane machen hier keine Ausnahme: sie sind extrem scheu, haben eine hohe Fluchtdistanz, sind schnell, wendig, und in Notsituationen auch sehr wehrhaft. Ein solides Fanggehege und Transportboxen, geschultes Personal, Fahrzeuge und natürlich ein geeigneter Lastenhubschrauber sind unverzichtbar. Zusätzlich zu der schwierigen Umsiedlung selbst, begleitet ein anspruchsvoller bürokratischer Prozess unsere Arbeit im Feld.

Umweltbildung

Über Exkursionen und Bildungsprogramme für örtliche Schulkinder binden wir die Lokalbevölkerung aktiv in das Umsiedlungsprogramm ein.

Die Gemeinden im Projektgebiet werden außerdem durch die Ranger besucht, über deren Arbeit aufgeklärt und mit dem Umgang mit Kulanen vertraut gemacht. Transparenz und Kommunikation ist essentiell für eine friedliche Koexistenz von Wildnis und Zivilisation. Zu diesem Zweck wurden außerdem Informationsmaterialien wie Poster und Comics für Kinder erstellt.

Motivation und Hintergrund

Die großen Säuger der Steppen sind essentiell für deren einzigartiges Ökosystem. Viele seltene Bodenbrüter – wie etwa Steppenkiebitze und diverse Lerchenarten – sind auf die beweideten Graslandschaften angewiesen. Allerdings führten Wilderei und die Nahrungskonkurrenz mit Nutztieren schon 1930 zu einer kompletten Verdrängung der Kulane aus Kasachstan.

Die Armutswelle, die auf den Zusammenbruch der UdSSR 1991 folgte, führte jedoch zu einer Landflucht, die in Zentralkasachstan eine Fläche von der Größe Frankreichs quasi Menschen- und Nutztierfrei zurückließ. Dieses Gebiet eignet sich perfekt für Kulane und bietet nun die einzigartige Möglichkeit, einen zusammenhängenden Lebensraum mit seiner natürlichen Fauna zu rekonstruieren und zu schützen. Vergleichbar mit der Serengeti in Afrika soll hier ein Rückzugsort für die wandernden Herden großer Säuger entstehen.

Partner

  • Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan (ACBK)
  • Ministry of Ecology, Geology and Natural Resources of KazakhstanMinistry of Ecology, Geology and Natural Resources of Kazakhstan
  • Inland Norway University of Applied Science
  • Tiergarten Nürnberg

 

 

 

 

Gemeinsam mit unseren internationalen Partnern richten wir unseren Blick nach vorn – auf eine Zukunft mit einer Steppe voller Kulane.

Begleiten Sie uns auf dieser Reise!

 

Kontakt

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