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Junge Mitarbeitende der ZGF gestalten mit wissenschaftlicher Expertise, modernen Technologien und frischen Perspektiven den Naturschutz von morgen. Im zweiten Teil unserer Serie erklärt Digna Irafay, warum Social Safeguards und die enge Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort entscheidend für erfolgreichen Naturschutz sind.

Digna Irafay, Grants Officer, Tanzania Country Office, Arusha, Tanzania.

Digna Irafay (35) ist Social Safeguards Officer für die ZGF in Tansania. Sie setzt sich dafür ein, dass ZGF-Projekte die Rechte und Lebensbedingungen lokaler Gemeinschaften stärken und ihre aktive Beteiligung fördern. Digna Irafay hat Rechtswissenschaften sowie internationales Recht und internationale Beziehungen in der Region Arusha studiert. Sie war unter anderem am African Court on Human and Peoples’ Rights tätig.

SOCIAL SAFEGUARDS: NATUR GEMEINSAM SCHÜTZEN

Welche Werkzeuge nutzt du heute im Naturschutz, die früheren Generationen noch nicht zur Verfügung standen?

Soziale Sicherungsstandards, sogenannte Social Safeguards, sind heute ein wichtiger Teil des Naturschutzes. Sie legen fest, wie wir die Menschen aktiv einbeziehen, ihre Rechte wahren und dazu beitragen, dass ihre Perspektiven Gehör finden. Dazu führen wir derzeit ein Beschwerde- und Feedbacksystem in unseren Projektgebieten ein. In 22 Dörfern im Bezirk Serengeti können sich die Menschen dann zum Beispiel mit Hinweisen, Fragen oder Beschwerden an Gemeindevertreter wenden, die zugleich Kontaktpersonen für uns sind. Die Gemeinden wählen sie selbst aus, wir unterstützen sie etwa durch Schulungen. Darüber hinaus wird es die Möglichkeit geben, Feedback über eine gebührenfreie Telefonnummer und Feedback-Boxen abzugeben – auch anonym. Wichtig ist: Die Anliegen, etwa zu Konflikten mit Wildtieren oder zu Landnutzungsrechten, werden aufgenommen, dokumentiert, verfolgt und beantwortet. Die Rückmeldungen fließen in unsere Arbeit ein.

Digna Irafay doing community work, Grants Officer, Tanzania Country Office, Arusha, Tanzania.
Im Austausch über Recht, Besitz und das Land, auf dem sie leben und das sie nutzen: Digna Irafay (links) im Gespräch mit Einwohnerinnen des Dorfes Kaseganyama im Mahale-Öko-system nach der feierlichen Übergabe ihrer „Zertifikate über das gewohnheitsrechtliche Wohn- und Nutzungsrecht“. © Christian Reichel/ ZGF

Wie trägt das dazu bei, Ökosysteme und Biodiversität besser zu schützen?

Social Safeguards helfen uns, gegenseitiges Verständnis zu schaffen und mögliche Konflikte rund um unsere Naturschutzarbeit früh zu erkennen und zu adressieren. Die Erfahrungen und Bedürfnisse, aber auch das Vertrauen der Menschen, die nahe an Schutzgebieten leben, sind entscheidend dafür, Natur langfristig zu bewahren. Wenn die Menschen erleben, dass ihre Rechte und Anliegen ernst genommen werden, stärkt das die Zusammenarbeit im Naturschutz. Deshalb unterstützen wir zum Beispiel die partizipative Landnutzungsplanung in verschiedenen Gemeinden Tansanias und helfen den Menschen dabei, das Land, auf dem sie leben, für sie rechtlich zu sichern. Allein im vergangenen Jahr wurden im Bezirk Tarime, zwischen dem Serengeti-Nationalpark und dem Mara-Fluss, mehr als 500 „Zertifikate über das gewohnheitsrechtliche Wohn- und Nutzungsrecht“ vergeben. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Sicherung von Landrechten, insbesondere auch für Frauen und marginalisierte Familien.

Was ist für dich aktuell die größte Herausforderung?

In den Landschaften, in denen wir arbeiten, treffen oft unterschiedliche Interessen aufeinander – ob Naturschutz, Landwirtschaft, Weidetierhaltung oder Tourismus. Zudem erleben wir Druck von außen: Internationale Debatten über Naturschutz berücksichtigen nicht immer ausreichend die lokalen Realitäten. Kritik kann wichtig und berechtigt sein und uns helfen, unsere Arbeit weiterzuentwickeln – sie kann aber auch unbeabsichtigt die Zusammenarbeit vor Ort erschweren. Unser Ansatz ist es, Transparenz zu schaffen, aufmerksam zuzuhören, Vertrauen aufzubauen und dort, wo unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, gemeinsam Lösungen vor Ort zu entwickeln. Das ist ein kontinuierlicher Lernprozess – auch für uns als Organisation.

Digna Irafay spricht mit Kolleginnen und Kollegen über Social Safeguards und die Einbindung lokaler Gemeinschaften in den Naturschutz.
Digna Irafay spricht mit Kolleginnen und Kollegen über Social Safeguards und die Einbindung lokaler Gemeinschaften in den Naturschutz. © ZGF

Was treibt dich an – und was soll von deiner Arbeit in 20 Jahren bleiben?

Als Tansanierin bin ich stolz auf unsere einmalige Natur – von der Serengeti mit ihren Gnuherden bis zu den grünen Mahale-Bergen mit der größten Schimpansenpopulation des Landes. Und ich bin stolz darauf, Teil der ZGF zu sein, die sich seit vielen Jahren für ihren Schutz starkmacht. Heute setzen wir dafür – auch im sozialen Bereich – neue Standards und es motiviert mich, daran aktiv mitzuwirken. Mir liegt es am Herzen, dass die Menschen ihre Rechte kennen, ihre Anliegen vorbringen können und in Entwicklungen einbezogen werden, die ihr Leben betreffen. Ich wünsche mir, dass die Menschen in 20 Jahren noch stärkere Partner im Naturschutz sind und die darin liegenden Chancen noch aktiver nutzen können – rechtlich und sozial abgesichert, für sich, für Tansania und für uns alle.

Die Gnuwanderung, fotografiert aus einem Heißluftballon. Seronera, Serengeti-Nationalpark, Tansania. © Daniel Rosengren