

Alex Stewart (33) ist Biological Monitoring Officer für die ZGF in Guyana in Südamerika. An der University of Guyana hat er einen Bachelorabschluss in Forstwissenschaften erworben und anschließend an der University of the West Indies Natural Resource and Environmental Management studiert (Master of Science). Für die ZGF überwacht er gemeinsam mit lokalen Behörden im Schutzgebiet Kanuku Mountains im Süden des Landes Wildtierpopulationen, etwa den Riesenotter (Pteronura brasiliensis) und die Terekay-Schienenschildkröte (Podocnemis unifilis).
ARTEN FINDEN PER DNA-ANALYSE
Welche Werkzeuge nutzt du heute im Naturschutz, die früheren Generationen noch nicht zur Verfügung standen?
Um die biologische Vielfalt in einem Lebensraum zu erfassen, entwickelt sich die Analyse von Umwelt-DNA, kurz eDNA, heute zu einer gängigen Methode. Tiere hinterlassen ständig genetische Spuren, etwa über Hautzellen, Kot oder Schleim im Wasser. Diese können wir in Wasserproben aus Flüssen oder Seen im Labor analysieren. Auf diese Weise können wir in einem bestimmten Gebiet auch seltene und schwer nachweisbare Tierarten wie das Riesengürteltier, den Jaguar, Tapir, Arapaimafisch oder Harpyienadler nachweisen. Darüber hinaus spielen Drohnen mittlerweile eine wichtige Rolle. Sie ermöglichen es uns, Gebiete aus der Luft zu erfassen – etwa um Lebensräume von Tierarten zu überblicken oder Bedrohungen wie Abholzung oder Bergbau zu erkennen.

Wie trägt das dazu bei, Ökosysteme und Biodiversität besser zu schützen?
Moderne Methoden wie die Analyse von Umwelt-DNA ergänzen klassische Verfahren wie automatische Wildtierkameras oder direkte Beobachtungen. Sie sparen Zeit und Ressourcen und eröffnen zudem neue Einblicke. So konnten wir im Rahmen einer Schnellbewertung der biologischen Vielfalt – eines sogenannten Rapid Biodiversity Assessments – anhand von DNA-Proben etwa Fischarten nachweisen, die zuvor in Guyana unbekannt waren. Drohnen helfen uns, große Gebiete in kurzer Zeit zu sichten. Strecken, für die man früher Stunden oder Tage gebraucht hätte, lassen sich mit Drohnen in Minuten erfassen. Damit können wir Veränderungen früh erkennen und gezielt reagieren. Kurz gesagt: Unsere Arbeit schafft das Wissen über Biodiversität, das notwendig ist, um Ökosysteme langfristig zu schützen und fundierte Entscheidungen zu treffen.
Was ist für dich aktuell die größte Herausforderung?
Die Herausforderung beginnt oft schon damit, überhaupt ins Feld zu kommen. Viele Gebiete sind schwer zugänglich – und durch den Klimawandel werden die Bedingungen zunehmend unberechenbar. Längere Trockenzeiten führen zum Beispiel dazu, dass Flüsse nicht mehr befahrbar sind. Dann müssen wir Boote über weite Strecken transportieren oder lange Umwege in Kauf nehmen. Das kann die Motivation auf die Probe stellen. Umso wichtiger ist die enge Zusammenarbeit im Team und mit unseren Partnern.
Was treibt dich an – und was soll von deiner Arbeit in 20 Jahren bleiben?
Mich treibt vor allem der Gedanke an, dass wir Räume erhalten, die sowohl Menschen als auch Wildtieren langfristig als Lebensgrundlage dienen. Ohne Schutz kann Biodiversität verschwinden – und genau das zu verhindern, motiviert mich, jeden Tag mein Bestes zu geben. Wenn Ökosysteme wie die wilden Wälder der Kanuku Mountains auch in 20 Jahren noch intakt und funktional sind, haben wir viel erreicht. Gleichzeitig hoffe ich, dass die Menschen verstehen, wie wichtig Naturschutz ist, und natürliche Ressourcen so nutzen, dass sie auch für kommende Generationen erhalten bleiben.


