Zum Inhalt springen Spenden

Vietnam: Ein überraschender Fund zeigt, dass selbst stark bedrohte Arten überleben können – wenn ihr Lebensraum geschützt wird.

Es ist früher Morgen im zentralen Bergland Vietnams. Noch liegt Nebel über dem dichten Wald, als das Team der ZGF gemeinsam mit Rangern des Kon-Ka-Kinh-Nationalparks routinemäßig die Aufnahmen einer Kamerafalle vom Vortag kontrolliert, und dabei auf eine kleine Sensation stößt. Drei Bilder zeigen ein Wesen, das viele in dieser Region längst für ein Phantom hielten: ein Chinesisches Schuppentier (Manis pentadactyla).

Drei Sekunden, drei Fotos

Die Sichtung dieses vom Aussterben bedrohten Tieres belegen drei Aufnahmen einer Kamerafalle. Die Bilder zeigen jeweils ein kleines, rundliches Tier, das ruhig durch das nächtliche Unterholz streift. Drei Fotos innerhalb von nur drei Sekunden – ein winziger Augenblick, der dennoch einen außergewöhnlichen Nachweis erbringt. Die Beobachtungen des ZGF-Teams um Projektleiter Ha Thang Long wurden dieses Jahr im wissenschaftlichen Fachmagazin für internationalen Naturschutz Oryx (Cambridge University Press) veröffentlicht.

Der aktuelle Nachweis liefert eine wichtige neue Erkenntnis: Das Tier wurde rund 950 Kilometer weiter südlich dokumentiert als die bisherigen Funde in Vietnam. Das deutet darauf hin, dass sich das Verbreitungsgebiet des Chinesischen Schuppentiers weiter erstreckt als bislang angenommen.

Das Chinesische Schuppentier ist an den großen Ohren und der sichtbaren, unbedeckten Haut im Gesicht zu erkennen. Die zweifelsfreie Bestimmung der Art erfordert ein geschultes Auge für ein Detail: Der kurze Schwanz weist weniger als 20 Schuppenreihen auf. Das ist ein klares Unterscheidungsmerkmal zur häufigeren Art, dem Sunda-Schuppentier (Manis javanica).

ZGF Mitarbeiter dokumentiert Beobachtungen während der Feldarbeit im Bergwald des Kon-Ka-Kinh-Nationalparks in Vietnam.
Ein ZGF-Mitarbeiter dokumentiert Beobachtungen während der Feldarbeit im bewaldeten Bergland des Kon-Ka-Kinh-Nationalparks in Vietnam. Systematisches Monitoring und die Arbeit im Gelände liefern wichtige Informationen über seltene Arten und ihre Lebensräume.
Habitat of a chinese pangolin in vietnam
Dichter Bergwald im Kon-Ka-Kinh-Nationalpark: In diesem Lebensraum wurde das seltene Chinesische Schuppentier (Manis pentadactyla) mit einer Kamerafalle nachgewiesen.

Ein Fund, der Grenzen verschiebt

Illegaler Handel und Wilderei haben das Chinesische Schuppentier an den Rand des Aussterbens gebracht. Besonders gefragt sind die Tiere wegen ihrer Schuppen, die in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet werden und auf dem Schwarzmarkt hohe Preise erzielen. Wie selten das Chinesische Schuppentier inzwischen geworden ist, zeigen Zahlen aus dem Rettungszentrum des Cuc-Phuong-Nationalparks, einem der wichtigsten Zentren für gerettete Schuppentiere in Vietnam: Während dort in den vergangenen Jahrzehnten rund 1.500 Sunda-Schuppentiere versorgt wurden, waren es beim Chinesischen Schuppentier gerade einmal 24 Tiere.

Die neuen Belege liegen nur elf Kilometer entfernt vom letzten Nachweis des Sunda-Schuppentiers, das als stark gefährdet gilt. Der Kon-Ka-Kinh-Nationalpark zählt damit zu den wenigen bekannten Orten weltweit, an denen sich die Lebensräume beider Arten überschneiden – ein bemerkenswerter Hinweis auf die außergewöhnliche Biodiversität des Nationalparks.

Mitarbeiter des Kon-Ka-Kinh-Nationalparks hält während einer Schulung eine Kamerafalle in den Händen.
Training für den Einsatz von Flex-E36- und Bushnell-Kamerafallen vor der Erfassung bedrohter und seltener bodenlebender Säugetiere im Kon-Ka-Kinh-Nationalpark. An der Schulung im April 2024 nahmen Fachpersonal der wissenschaftlichen Abteilung sowie Ranger des Nationalparks teil.
Fünf Mitglieder des Nationalparkteams, der ZGF und des Southern Institute of Ecology neben einer Kamerafalle im Wald des Kon-Ka-Kinh-Nationalparks.
Das Team der Nationalparkverwaltung, ZGF-Mitarbeitende und Mitarbeitende des Southern Institute of Ecology (SIE) bei der Kontrolle und Installation von Kamerafallen im Kon-Ka-Kinh-Nationalpark. Das Foto entstand 2024 während der erweiterten Suche nach Schuppentieren.

Tausende Kilometer durch den Wald

„Kamerafallen helfen uns, Arten zu erfassen, die uns ansonsten verborgen bleiben. Gleichzeitig braucht es den kontinuierlichen Einsatz engagierter Menschen, die sich aktiv für den Schutz des Waldes und der Lebensräume von Wildtieren einsetzen“, betont Projektleiter Dr. Ha Thang Long. Allein im letzten Jahr legten Ranger mehr als Tausende Kilometer auf ihren Patrouillen im Kon-Ka-Kinh-Nationalpark zurück, entfernten über 1.000 von Wilderern gelegte Schlingen und stellten neun illegale Waffen sicher. „Diese tägliche Arbeit im Naturschutz zu unterstützen ist essenziell, um die Zukunft der Wildtiere zu sichern, ebenso wie die von uns Menschen.“

Seit mehr als 15 Jahren setzt sich die ZGF gemeinsam mit der Verwaltung des Kon-Ka-Kinh-Nationalparks genau dafür ein. Der aktuelle Fund des Chinesischen Schuppentieres ist mehr als eine seltene Sichtung. Er ist ein Hoffnungsschimmer und ein Beweis dafür, dass langfristiger Naturschutz wirken kann.

Chinesisches Schuppentier bei Nacht, aufgenommen von einer Kamerafalle im Kon-Ka-Kinh-Nationalpark in Vietnam.
Versteckt im nächtlichen Bergwald: Die Aufnahme einer Kamerafalle dokumentiert den seltenen Nachweis eines Chinesischen Schuppentieres im Kon-Ka-Kinh-Nationalpark.