
Im äußersten Westen Brasiliens, an der Grenze zu Peru, erhebt sich im Serra-do-Divisor-Nationalpark eine für den Amazonas ungewöhnliche Berglandschaft. Nebelverhangene Gipfel und Plateaus ragen aus dem flachen Tieflandregenwald auf. Das Gebirge bildet eine natürliche Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten von Ucayali und Juruá.
Die Wälder sind außergewöhnlich artenreich und beherbergen zahlreiche endemische Arten. Viele davon sind der Wissenschaft noch unbekannt. Hier leben unter anderem Jaguare, Weißbartpekaris und der seltene Rote Uakari. Der Park ist Kandidat für den UNESCO-Welterbestatus. Gemeinsam mit seinem peruanischen Schwesterpark bildet er einen wichtigen grenzüberschreitenden Korridor.
Doch Straßenbau, Brände und zunehmender Nutzungsdruck bedrohen die Region. Gemeinsam mit der brasilianischen Naturschutzbehörde ICMBio und lokalen Gemeinschaften stärkt die Zoologische Gesellschaft Frankfurt das Parkmanagement und trägt dazu bei, diese besondere Landschaft langfristig zu schützen.
- Schutzgebiet: Serra-do-Divisor-Nationalpark
- Land: Brasilien
- Lage: Äußerster Westen Brasiliens, an der Grenze zu Peru
- Ökosystem: Amazonas-Regenwald
- Größe: Etwa 8.300 km²
- Schutzstatus: Nationalpark, Key Biodiversity Area, Kandidat für das UNESCO-Welterbe
- Vor Ort seit: 2025
Der Serra-do-Divisor-Nationalpark liegt im äußersten Westen des brasilianischen Bundesstaates Acre, direkt an der Grenze zu Peru. Er umfasst rund 8.300 Quadratkilometer und erstreckt sich über fünf Gemeinden, darunter Cruzeiro do Sul und Mâncio Lima. Der Park ist abgelegen und vor allem per Boot über die Flüsse Moa oder Juruá erreichbar.
Der Serra-do-Divisor-Nationalpark ist eine Besonderheit im Amazonasgebiet: Eine Bergkette erhebt sich aus dem flachen Tieflandregenwald. So entsteht ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume mit außergewöhnlich hoher Artenvielfalt und vielen endemischen Arten.
Die intakten Wälder speichern große Mengen Kohlenstoff und helfen, den Wasserhaushalt im westlichen Amazonasgebiet zu regulieren. Zugleich bildet das Gebirge eine natürliche Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten von Ucayali und Juruá.
Der Park steht auf Brasiliens Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe. Gemeinsam mit seinem peruanischen Schwesterpark bildet er einen wichtigen grenzüberschreitenden Korridor.
Der Park schützt ganz unterschiedliche Lebensräume: dichten und lichten Regenwald, Palmen- und Bambuswälder, Überschwemmungsgebiete und Bergwälder. Bislang wurden mehr als 1.200 Tierarten nachgewiesen. In dieser wenig erforschten Region werden weiterhin neue Arten entdeckt. In den Wäldern leben Jaguare, Weißbartpekaris, Harpyien und seltene Primaten wie der Rote Uakari (Cacajao calvus) und der Springtamarin (Callimico goeldii).
In Serra do Divisor leben indigene Völker und traditionelle Gemeinschaften. Dazu gehören die Ribeirinhos, deren Leben seit Generationen eng mit den Flüssen verbunden ist, sowie Familien, die traditionell Kautschuk gewinnen.
Im Norden des Parks, am Rio Moa, leben zwei Pano-sprachige indigene Völker: die Nawa und die Nukini. Das Gebiet der Nawa innerhalb des Parks wird derzeit von der brasilianischen Behörde für indigene Angelegenheiten FUNAI formal anerkannt. Das Territorium der Nukini grenzt an den Park.
Sie beteiligen sich am gemeinsamen Monitoring und am Schutz des Gebiets. Im Süden, entlang des Rio Juruá und an der Grenze zum Extraktivreservat Alto Juruá, leben mehrere hundert traditionelle Familien innerhalb des Nationalparks. Sie leben von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, Fischerei und Produkten aus dem Wald.
Die größte Bedrohung ist eine geplante transnationale Straßenverbindung im Zusammenhang mit der Bundesstraße BR-364. Sie würde den Park durchqueren und einen Handelskorridor nach Peru schaffen. Dadurch könnten illegaler Holzeinschlag und Landraub erleichtert werden. Neue Straßen und andere Veränderungen der Landnutzung gehören weltweit zu den wichtigsten Ursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt.
Zusätzlich gefährdet ein anhängiges Gesetzesvorhaben den Schutzstatus des Parks. Es könnte das Gebiet zu einer weniger streng geschützten „Environmental Protection Area“ (Umweltschutzgebiet) herabstufen.
Wiederkehrende Waldbrände, ungeregelte Landnutzung und landwirtschaftliche Aktivitäten erhöhen den Druck zusätzlich. Bislang sind jedoch nur etwa ein bis zwei Prozent des Waldes verloren gegangen.
Die ZGF Brasilien arbeitet seit 2025 mit der brasilianischen Bundesbehörde für Naturschutz ICMBio zusammen, um den Park besser zu schützen. Wir unterstützen den Betrieb des ICMBio-Stützpunkts im Park und stellen Boote und Motoren bereit, damit Teams vor Ort präsent sein können.
Außerdem unterstützen wir die Überarbeitung des Managementplans, der ursprünglich aus dem Jahr 1998 stammt.
Wir finanzieren biologisches Monitoring, unterstützen die Ausbildung von Feuerbrigaden aus den lokalen Gemeinschaften und fördern gemeinschaftsbasierten Ökotourismus. Dabei arbeiten wir eng mit ICMBio und lokalen Gemeinschaften zusammen.
Unsere Naturschutzarbeit im Serra-do-Divisor-Nationalpark
Wir unterstützen die brasilianische Bundesbehörde für Naturschutz ICMBio und lokale Partner dabei, Kontroll- und Überwachungssysteme zu verbessern. Außerdem helfen wir, Infrastruktur im Nationalpark zu erneuern und Ranger mit Booten, Motoren und Kommunikationsmitteln auszustatten. So können die Teams Patrouillen auf den Flüssen durchführen und dauerhaft im Nationalpark präsent sein.
Wir unterstützen auch die Aktualisierung des Managementplans und stärken die fachlichen Kompetenzen des Managementteams. Das schafft wichtige Voraussetzungen für ein wirksames und langfristiges Schutzgebietsmanagement.
Wir unterstützen das Biodiversitätsmonitoring und erweitern so das Wissen über die außergewöhnliche Artenvielfalt und die ökologischen Prozesse in der Berg- und Tieflandlandschaft des Amazonas.
Forschung und Monitoring erfolgen in enger Zusammenarbeit mit traditionellen Gemeinschaften. Dabei werden wissenschaftliche Erkenntnisse und lokales Wissen miteinander verbunden. Zugleich unterstützt die Arbeit die nachhaltige Nutzung ökologisch und wirtschaftlich wichtiger Arten wie des Pirarucu (Arapaima gigas), dessen Bestände zurückgehen.
Wir fördern nachhaltigen Ökotourismus, der von lokalen Gemeinschaften getragen wird. Dafür wurde untersucht, welche Vogelarten im Park vorkommen. Ein neuer Naturführer stellt die Vogelwelt des Parks vor.
Außerdem unterstützen wir Umweltbildung für Besucherinnen und Besucher sowie traditionelle Gemeinschaften. Der Ökotourismus schafft zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für Familien vor Ort und damit auch einen wirtschaftlichen Anreiz, die Wälder von Serra do Divisor zu erhalten.
Partner
Erfolgreicher Naturschutz ist immer Teamarbeit. Wir arbeiten mit lokalen Gemeinschaften, nationalen Behörden und Naturschutzorganisationen zusammen. Unsere Partner machen unsere Naturschutzarbeit möglich.
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Instituto Chico Mendes de Conservação da Biodiversidade (ICMBio)





