Wie schützt man Orang-Utans vor COVID-19?

Die Auswirkungen der Coronapandemie sind überall spürbar, auch in unserer Dschungelschule in Sumatra. Aber Dank kreativer Lösungen für das Homeschooling bleiben unsere Orang-Utans gesund und können auch weiterhin lernen.

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Genau wie Menschen brauchen auch Orang-Utans Körperkontakt. Darum wurden sie vor der Pandemie auch gelegentlich von ihren Trainern getragen.

Von ZGF-Tierärztin Andhani Widya

 

Wir wissen nicht, ob sich Orang-Utans bei Menschen mit COVID-19 anstecken können. Aber weil sie genetisch sehr eng mit uns verwandt sind und andere Atemwegserkrankungen, wie zum Beispiel Tuberkulose, sehr wohl vom Menschen auf Orang-Utans übertragbar sind, gehen wir kein Risiko ein. Solange die Coronapandemie andauert, müssen wir bei unserer Arbeit mit den Tieren extra vorsichtig sein.

 

Zum Schutz der Orang-Utans haben wir zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen eingeführt. Seit Beginn der Pandemie schränken wir Interaktionen von Kollegen stark ein und begrenzen den direkten Umgang mit den Orang-Utans auf ein Minimum. Das heißt leider auch, dass die Tiere bis auf Weiteres in der Käfiganlage bleiben müssen – und das macht normalen Unterricht in der Dschungelschule unmöglich. Eine Herausforderung, denn obwohl wir Menschen wissen, warum der Lockdown wichtig ist, ist es ziemlich schwierig, das den Primaten zu erklären.

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Auch wenn die Orang-Utans in Käfigen sind, heißt das nicht, dass sie nicht das lernen, was sie wissen müssen für ihr Leben in der Wildnis. Ihre Trainer geben ihnen Aufgaben.

Natürlich versuchen wir, ihnen den Lockdown trotzdem so angenehm und lehrreich wie möglich zu machen, damit sie auch weiterhin die Fertigkeiten erlernen und üben können, die sie für ein Überleben in Freiheit brauchen. Eigentlich hätten sie diese von ihren Müttern lernen sollen, doch die Orang-Utans in den Feldstationen der ZGF auf Sumatra wurden illegal als Haustiere gehalten, bevor sie zu uns kamen, oder sie sind Waisen. Also ist es an uns, ihnen alles beizubringen, was sie wissen müssen. Normalerweise finden die Dschungelschulstunden im Regenwald statt. Jetzt ist Homeschooling angesagt und unsere Kreativität ist gefragt.

 

Statt die Orang-Utans in den Wald zu bringen, bringen wir den Wald zu den Orang-Utans: Wir geben ihnen Früchte, Rattan-Stämme und Termiten und ermutigen sie, sie zu untersuchen, zu öffnen und zu essen – so üben wir zur Zeit die Futtersuche. Sie bekommen auch Blätter und Zweige als Bettzeug, mit denen sie Schlafnester bauen können. Und damit die Orang-Utans sehen, wie das geht, machen es die Trainer vor dem Käfig vor.

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Die Orang-Utans bekommen Material aus dem Wald und ihre Trainer zeigen ihnen, wofür sie es verwenden können. Blätter zum Beispiel sind bequemes Bettzeug.

Nach dem Unterricht bekommen die Tiere Puzzles und Rätsel, damit sie sich nicht langweilen, sondern ihre kognitiven Fähigkeiten trainieren können. Wir verstecken zum Beispiel Leckerchen in einer Dose und geben ihnen ein Werkzeug, das sie verwenden müssen, wenn sie an die Leckerchen kommen wollen.

 

Auch wenn wir nicht wissen, was die nächsten Monate bringen werden und wie die Pandemie sich entwickeln wird – ich bin froh, dass unsere Ideen funktionieren und die Orang-Utans guter Dinge sind. Sie machen ihre Aufgaben gerne und vertragen sich gut miteinander. Hoffentlich können sie bald wieder im Regenwald die Dschungelschule besuchen. Bis dahin sorgen wir dafür, dass sie gesund bleiben und Fortschritte machen, auf ihrem Weg in die Freiheit.

Bitte spenden Sie für unsere Dschungelschule. Jeder Euro zählt. Vielen Dank.

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Die Orang-Utans von Bukit Tigapuluh brauchen Ihre Hilfe. Bitte unterstützen Sie sie während der Coronapandemie mit einer Spende.

Die Dschungelschule: Die ZGF betreibt eine Dschungelschule für Orang-Utans im Bukit-Tigapuluh-Nationalpark in Sumatra. Viele unserer Orang-Utans wurden illegal als Haustiere gehalten, ehe sie von den Behörden konfisziert wurden. In der Dschungelschule lernen sie das, was sie zum Überleben in Freiheit brauchen, etwa wie man auf Bäume klettert, ein Schlafnest baut oder welche Früchte man essen kann und wie man Termiten aus ihren Nestern heraussaugt. Seit Projektbeginn 2002 konnten mehr als 170 Tiere erfolgreich trainiert und ausgewildert werden. Sie begründen eine Orang-Utan-Population im Bukit-Tigapuluh-Nationalpark. Dieses Projekt ist das einzige, wissenschaftlich dokumentierte Wiederansiedlungsprojekt für Orang-Utans und das erfolgreichste seiner Art.