Eine Strategie für die Ewigkeit

Die Stiftung Hilfe für die bedrohte Tierwelt ist die Förderstiftung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Am 30. März wurde sie 20 Jahre alt – zwei Jahrzehnte, in denen sich die Stiftung enorm entwickelt hat. Doch geboren wurde sie aus einer heiklen Situation heraus.

Von Dagmar Andres-Brümmer, 30.03.2021

Aus heutiger Sicht erscheint es nur logisch, dass der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt eine starke Stiftung als verlässliche Finanzbasis zur Seite steht. Doch die Idee zu ihrer Gründung kam aus einer heiklen Situation heraus. „Ende der 1990er-Jahre gab es einige Mitglieder der ZGF, die ihre sehr eigenen Vorstellungen davon hatten, wie die ZGF handeln solle. Sie wollten, dass die ZGF ihr Geld nicht anspart, sondern ausgibt und brachten ihre Projektvorschläge auch gleich mit“, berichtet Gerhard Kittscher, der damals Vizepräsident der ZGF war. Die ZGF war zwar noch eine kleine Organisation, doch sie hatte sich auf dem 1961 von Bernhard Grzimek eingerichteten Sonderkonto „Hilfe für die bedrohte Tierwelt“ ein solides Finanzpolster erarbeitet. Über vier Jahrzehnte hinweg war das dank vieler kleiner und großer Spenden, dank umfangreicher Erbschaften und Zuwendungen zusammengekommen.
So viel Geld weckt Begehrlichkeiten. Und als Verein muss man Spenden zeitnah ausgeben und einsetzen. Eine riskante Situation, wie dem damaligen Vorstand der ZGF bewusst wurde, denn natürlich brauchte die ZGF diese Reserven, um die Arbeit der Projekte für die Zukunft abzusichern. Die Gründung einer Stiftung lag auf der Hand und wurde von ZGF-Präsident Dr. Richard Faust zügig vorangetrieben. „Wir wollten damit auch die ZGF zukunftsfähig machen, denn der Generationenwechsel von Richard Faust zu Christof Schenck als jungem Geschäftsführer stand an“, erinnert sich Gerhard Kittscher.
Geld in einer Stiftung auf die Seite zu legen und gar noch mehr anzuhäufen, diese Idee fand bei der Mitgliederversammlung der ZGF im August 2000 keine ungeteilte Zustimmung. Trotzdem stimmte die Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit für die Errichtung der Stiftung Hilfe für die bedrohte Tierwelt und die Überführung von 65 Millionen D-Mark (rund 33 Mio. Euro) aus dem Kapital der ZGF in die neue Stiftung.
Am 30. März 2001 wurde die Stiftung rechtskräftig und der damalige Darmstädter Regierungspräsident Gerold Dieke, zuständig für die Stiftungsaufsicht, überreichte dem ZGF-Vorstand die Gründungsurkunde. Seitdem bildet die selbstständige Stiftung eine stabile Finanzgrundlage für die Projektförderung der ZGF. „Keiner von uns hätte damals gedacht, dass diese Stiftung innerhalb von 20 Jahren derart wachsen würde“, sagt Gerhard Kittscher. Der 84-Jährige ist seit der Gründung Vorsitzender des Stiftungsrats. Mittlerweile liegt das Vermögen der ZGF und der Stiftung inklusive der an ihr beteiligten Stiftungen zusammengenommen bei mehr als 90 Millionen Euro.

In der Krise zeigte sich die Stärke der Stiftung

Richard Faust erlebte die Stiftungsgründung leider nicht mehr. Er starb vier Monate vorher. Doch wie richtig und wichtig dieser Schritt war, zeigte sich bereits wenige Jahre nach der Gründung. In der weltweiten Finanzkrise 2008 hatte die ZGF dank ihrer Stiftung eine ausreichend große Reserve, um ihr Naturschutzprogramm nahezu uneingeschränkt fortführen zu können. Viele andere Organisationen und Stiftungen mussten damals ihre Arbeit einschränken und ihre Förderung reduzieren.  „Aufgrund der konservativen Anlage des Vermögens von ZGF und Stiftung hatten wir in der Finanzkrise 2008 keine wesentlichen Ausfälle zu verzeichnen. Wir mussten zwar temporäre Kursverluste hinnehmen, haben aber nicht überproportional verloren“, sagt Kittscher. „Wir hatten Glück und bei den Banken die richtigen Partner gewählt.“ Der Kapitalaufbau und die Bildung von Rücklagen in den vorangegangenen Jahren erlaubten der Stiftung, in den Krisenzeiten ihr Fördervolumen aufrechtzuerhalten.
Gerhard Kittscher, Vorsitzender des Stiftungsrats Gerade in der jetzigen Umbruchzeit, in der sehr viel privates Vermögen vererbt wird, ist es unverzichtbar, diese Stiftung zu haben. Gerhard Kittscher, Vorsitzender des Stiftungsrats
Eine gemeinnützige Stiftung ist ein geschütztes rechtliches Konstrukt. Das Kapital einer solchen Stiftung darf nicht aufgebraucht werden, es muss erhalten bleiben. Die aus dem Vermögen generierten Erträge hingegen müssen ausgeschüttet werden. Um weiter Kapital aufzubauen oder als Sicherheit für schlechte Zeiten, darf eine Stiftung maximal ein Drittel ihrer Erträge zurückhalten. „Mit der Stiftung Hilfe für die bedrohte Tierwelt gewährleisten wir durch eine antizyklische Rücklagenbildung eine konstante und sicher planbare Unterstützung der Naturschutzarbeit“, sagt der Stiftungsratsvorsitzende Gerhard Kittscher. Antizyklisch bedeutet, dass in Zeiten großer Erträge soviel wie möglich an Rücklagen gebildet werden, um das Kapital zu erhalten und zu erhöhen. In Zeiten geringer Erträge oder bei besonders großem Bedarf ist man dann in der Lage, unverändert an die ZGF ausschütten zu können.
Aus einer Krisensituation heraus geboren, hat sich die Stiftung der ZGF als strategisch schlauer Schachzug erwiesen. „Gerade in der jetzigen Umbruchzeit, in der sehr viel privates Vermögen vererbt wird, ist es unverzichtbar, diese Stiftung zu haben“, sagt Gerhard Kittscher.

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