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Nationalpark: Ein Geschenk für die Region

In vielen Ländern setzt sich die ZGF für die Schaffung von Nationalparks ein. In Deutschland stoßen Nationalparkvorschläge sofort auf erbitterten Widerstand. Warum nur?

Vor einem Jahr erklärte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer völlig überraschend, dass er einen dritten Nationalpark in Bayern möchte. Neben den Nationalparks Bayerischer Wald und Berchtesgaden also noch ein drittes Schutzgebiet der Premiumkategorie. 

Die Naturschutzverbände waren sich schnell einig, dass der Spessart die beste Wahl sei. Im Spessart findet man genügend zusammenhängende Staatswaldfläche und naturschutzfachlich wertvolle Buchenwälder, für die Deutschland eine internationale Verantwortung trägt. Eine Verantwortung, der wir bislang nicht gerecht werden. 

Seehofers Vorschlag hat allerdings einen Haken, denn für den Ministerpräsident ist klar: Der Nationalpark kommt nicht gegen den Willen der Region. Und damit vielleicht gar nicht. Denn überall wo die Nationalparkidee aufpoppte, wurde von Seiten der Gegner sofort laut geschrien. Um naturschutzfachliche Argumente ging bzw. geht es dabei aber nicht.

Vom „Verlust der Kulturlandschaft“, dem „Einzug der Schweinepest“ oder der „Gefahr für die Trinkwasserversorgung“ ist die Rede. Der Bauernverband lässt sich dafür gerne gewinnen, was insofern bemerkenswert ist, als landwirtschaftliche Flächen überhaupt nicht betroffen sind. Für den Nationalpark wird ausnahmslos über Waldflächen in Staatsbesitz verhandelt.
Manuel Schweiger, ZGF Wildnisreferent Ein Nationalpark bedeutet immer auch Investitionen in die Region und damit ernorme Impulse für die Regionalentwicklung. Manuel Schweiger, ZGF Wildnisreferent

Angesichts der Versprechen der bayerischen Staatsregierung für die Region, die den Nationalpark bekommen sollte, ist es schwer nachvollziehbar, warum man dieses Geschenk nicht annehmen will. Bedeutet doch ein Nationalpark Investitionen in die Region und damit enorme Impulse für die Regionalentwicklung. Er bedeutet Arbeitsplätze, bessere Infrastruktur, unersetzliches Naturerlebnis, Imagegewinn für die Region und – man vergisst es fast – enorm positive Effekte für unsere Natur. 

Dennoch liest man im Spessart in den Zeitungen, dass die Region gegen einen möglichen Nationalpark sei. Doch wer ist „die Region“? Hat man sie überhaupt gefragt? Gehört wurden bislang lediglich die lautstarken Nationalparkgegener. Und die sind laut einer representativen Emnid-Umfrage, die in den Spessart-Landkreisen durchgeführt wurde, in der Minderheit. 64 Prozent der Bürger haben sich nämlich für einen Nationalpark ausgesprochen. Nur 12 Prozent sind strikt dagegen. 

Der von der Staatsregierung versprochene Dialogprozess war weder ein Prozess noch hat er irgendeinen Dialog gefördert. Im Spessart könnten die Diskussionen um einen Nationalpark also schon wieder beendet werden, bevor überhaupt ein Dialog aufgenommen wurde. Nur weil eine Minderheit die Region mit Falschmeldungen verunsichert, die zuständige Ministerin diskreditiert und am lautesten geschrien hat. Auf dieser Basis soll nun im Sommer auf der Kabinettsklausur eine Entscheidung daüber getroffen werden, wo das größte Naturschutzvorhaben Bayerns in den letzten Jahrzehnten weiterverfolgt werden soll? 

Die Bürger zu beteiligen, ist richtig und wichtig. Ein echter Dialogprozess ist allerdings sehr aufwändig und manchmal langwierig – wie es geht, könnte Bayern von Rheinland-Pfalz lernen, das 2015 gemeinsam mit der Region erfolgreich den Nationalpark Hunsrück-Hochwald geschaffen hat. 

Die Auswahl der Region sollte nachvollziehbar und besonnen nach fachlichen Kriterien getroffen werden. Nicht überall ist ein Nationalpark ein Allheilmittel und nicht für jede Naturlandschaft die richtige Schutzgebietskategorie. Aber Fakt ist, dass bislang keine Region ihren Nationalpark wieder hergeben möchte – egal wie groß vorab der Protest war. 

Dieser Text stammt aus dem Gorilla Magazin von Juli 2017.

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