Warum Naturschutz in der Ukraine nicht aussichtslos ist, sondern die Basis für eine friedliche Zukunft.
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Naturschutz im Ukrainekrieg
Es ist mittlerweile drei Jahre her, dass Russland die Ukraine angegriffen hat. Seit drei Jahren gibt es täglich tödliche Gefechte entlang der Frontlinie im Nordwesten und Osten sowie Süden des Landes. Seit drei Jahren werden die Menschen vor allem in den Städten nahezu jede Nacht durch Luftalarm und unzählige sehr schwere Angriffe um Leib und Leben beraubt, aber Millionen Menschen jede Nacht auch um ihren Schlaf. Der Krieg findet nicht nur an der Front statt, sondern prägt den Alltag im ganzen Land, auch im Westen des Landes.
Dort liegen, und das wissen nicht viele, zwei der wichtigsten und beeindruckendsten Naturlandschaften Europas: die Berge der Karpaten mit ihren großen Buchen- und Fichtenwäldern, Teile davon sind große Urwälder und gehören zum UNESCO Erbe der Menschheit. Im Nordwesten wiederum, direkt an der Grenze zu Belarus gelegen, liegt eine weite Flusslandschaft, die Polesie. Mit ihren breiten Flussläufen, Überschwemmungsflächen, Seen und Mooren kann man sie auch gut und gerne als europäischen Amazonas bezeichnen. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) in der Ukraine, unterstützt Schutzgebiete in diesen beiden Regionen. Gemeinsam mit den im Naturschutz stets sehr engagierten Regierungen der Ukraine konnten über die Jahre zudem vier Nationalparks neu geschaffen und viele andere vergrößert werden.
Die Karpaten bewahren – Natur schützen, Hoffnung schenken! Jetzt brauchen wir Ihre Unterstützung, um Schutzgebiete zu erhalten, Ranger auszustatten und Kindern Erholung in der Natur zu ermöglichen. Helfen Sie mit. Vielen Dank.
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Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat die Situation der Schutzgebiete und die Arbeit der ZGF dramatisch verändert. 13 Nationalparks, zwei Biosphärenreservate und acht Naturreservate sind besetzt oder liegen direkt in der Kampfzone. Alte Wälder, aber auch Steppen und weite Schilfgürtel sind verbrannt. Rotwild und Rehwild sind verschwunden, am Boden brennen oft die Gelege von Vögeln mitsamt den Küken, überall stehen Militärfahrzeuge, auch im Wasser, und verlieren Öl und Treibstoff. Gebäude sind zerstört, Ranger und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ums Leben gekommen oder geflohen. Im Westen des Landes sind zu Beginn des Angriffs Tausende von Menschen in die sicheren Karpaten geflüchtet und haben in den Gebäuden von Nationalparks aber auch in den umliegenden Gemeinden Zuflucht gesucht.
Der ehemalige Frankfurter Zoodirektor und langjährige Präsident der ZGF, Bernhard Grzimek hätte gesagt „genau in diesem Moment ist die Hilfe der ZGF am wichtigsten“. Wir als ZGF stehen auch in schwierigen Zeiten zu unseren Partnern und genau diesen Vorsatz haben wir im Februar 2022 umgesetzt: Nur wenige Tage nach dem Einmarsch Russlands konnten wir dank vieler privater Spenden und Hilfen von Stiftungen, aber auch unterstützt durch die Bundesregierung, hunderte von Betten in Räumen der Schutzgebiete aufstellen, haben Medikamente gekauft und Lebensmittel, oft von kleinen Betrieben in der Region produziert, und zu den geflüchteten Menschen gebracht. Die ZGF konnte sich auf ein gut eingespieltes Team vor Ort verlassen, wir hatten Fahrzeuge und auch ausreichend Diesel für unsere Transporte, was in den ersten Kriegstagen keine Selbstverständlichkeit war.
Die Regierung der Ukraine muss seit drei Jahren den brutalen Angriff Russlands abwehren. Das ist die oberste Priorität des Landes und der Ukrainerinnen und Ukrainer. Mittel für andere Zwecke sind daher knapp: die Schutzgebiete erhalten seit drei Jahren nur noch Geld für Löhne aus dem Staatshaushalt aber nicht mehr für Ausrüstung, Kraftstoff und Unterstützung für ihre tägliche Arbeit. Daher hat auch hier die ZGF schnell und unkompliziert geholfen: wir kaufen für die Schutzgebiete der Karpaten Diesel und Benzin, reparieren in einer eigens aufgebauten Werkstatt die Fahrzeuge der Parks kostenfrei und zuverlässig, decken undichte Dächer, beschaffen Generatoren, dämmen Wände und bauen Solaranlagen, damit die Verwaltungen weniger Geld für Energiekosten benötigen. Mithilfe von Förderung der deutschen Bundesregierung können wir zudem neue Uniformen für Ranger, neue Fahrzeuge und andere wichtige Ausrüstung kaufen. Damit die Schutzgebiete für die vielen Kinder, die in die Karpaten kommen, Exkursionen in die Natur anbieten können, haben wir geländegängige Busse gekauft und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Arbeit mit Kindern in der Natur ausgebildet. Seit 2025 unterstützen wir in dieser Form auch die Schutzgebiete in der Polesie.
Mittlerweile sind 22 motivierte Kolleginnen und Kollegen der ZGF täglich im unermüdlichen Einsatz für die Natur und die Menschen vor Ort. Darunter sind viele Naturschutzexpertinnen und -experten, aber auch Automechaniker und Schreiner. Keine andere Organisation in der Ukraine leistet diese direkte und umfängliche Hilfe für die Schutzgebiete.
Die Menschen in der Ukraine brauchen funktionierende Schutzgebiete und dies noch dringender als zuvor: die unberührte Natur der Karpaten oder der Polesie sind für Familien oft der einzige Erholungsort von der Brutalität des Krieges. Hunderte von Kindern können jedes Jahr auf Sommercamps in den Karpaten für einige Momente den Krieg vergessen. Die Schönheit und Ruhe der Wälder in den Karpaten helfen den Menschen in der Ukraine das Trauma des Krieges zu überwinden. Werden die Wälder der Karpaten gut geschützt und erhalten, können sie nach dem Krieg die Basis für wichtige Einnahmen durch Tourismus sein.
Wir werden unsere Arbeit daher weiter fortsetzen. Und wir sind dabei auch auf Ihre Unterstützung angewiesen. Helfen Sie uns dabei, diese besonderen Naturlandschaften, die zu unserem gemeinsamen europäischen Naturerbe gehören, zu bewahren. Denn sie geben den Menschen in der Ukraine Mut und Zuversicht.