Ukraine: Warum wir trotz Krieg Naturschutz machen (71)

In dieser Folge sprechen wir mit Kolleginnen aus der Ukraine darüber, wie sie den Krieg persönlich erleben und warum die Naturschutzarbeit gerade in Zeiten des Krieges so unglaublich wichtig ist.

07.03.2025, Marco Dinter
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Vor drei Jahren, am 24. Februar 2022, hat Russland die Ukraine angegriffen. Der Krieg hat unsere Arbeit im Land nicht gestoppt – ganz im Gegenteil: Innerhalb weniger Tage konnten wir Menschen im Land mit Hilfsgütern versorgen – aus Naturschutz wurde Nothilfe. Seitdem arbeiten unsere Teams in der Ukraine unermüdlich daran, den Menschen zu helfen und die Natur zu bewahren.

Im Gespräch

Michael Brombacher ist Leiter des Europaprogramms der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Er spricht darüber, warum wir als Organisation nicht nachlassen, die Ukraine bei der Erhaltung ihrer wertvollen Naturlandschaften zu unterstützen.

Maria Halaiko arbeitet direkt mit den Schutzgebieten zusammen. Während der ersten Kriegstage hat sie mit unseren Teams Flüchtlinge im Land unterstützt, mit Decken, Öfen und den Dingen, die für das Überleben gebraucht wurden. Heute konzentriert sich ihre Arbeit wieder stärker auf das Management von Schutzgebieten in den ukrainischen Karpaten – denn die haben in der aktuellen Lage viel weniger Mittel zur Verfügung als nötig.

Hanna Kuzo arbeitet seit 2019 bei der ZGF Ukraine. Aktuell ist sie Koordinatorin für Umweltbildungsprogramme in den Schutzgebieten der Karpaten und hat mitten im Krieg damit begonnen, ein Umweltbildungsprogramm aufzubauen. Menschen eine Perspektive geben oder auch nur einen kleinen Moment der Ablenkung – das ist ihr Ziel.

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Transkript der Folge

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Folge: Ukraine: Warum wir trotz Krieg Naturschutz machen (71)
Dauer: 34:08 Minuten
Veröffentlichungsdatum: 07.03.2025
Sprecher, Redaktion: Marco Dinter, Nils Elbert
Gäste: Michael Brombacher, Hanna Kuzo, Maria Halaiko
Synchronsprecherinnen: Malike Julie Finke, Susanne Ott
Audioproduktion: Jeldrik Schröer
Intro, Outro, Jingles: Kai Bender (Musik)

Hanna Kuzo (00:00-00:14):When the full scale war started, FZS immediately started to provide emergency support even to those protected areas, we are not working with in Ukraine.

Marco (00:15-02:32):
Das war meine Kollegin Hanna, die für das Team der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt in der Ukraine arbeitet. Zusammengefasst hat sie darüber gesprochen, wie die ZGF innerhalb kürzester Zeit nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ihre Unterstützung hochgefahren hat. Nicht nur für die Schutzgebiete, in denen sie eh schon aktiv war, sondern auch darüber hinaus. Jetzt ist seit drei Jahren Krieg. Und Hanna und die ZGF-Teams haben in dieser Zeit nicht etwa aufgehört zu arbeiten. Ganz im Gegenteil. Mit voller Überzeugung helfen sie in der Ukraine Menschen und Natur. Kurzer Rückblick. 2022 haben wir zuletzt über die Arbeit in der Ukraine berichtet. Innerhalb weniger Tage nach Kriegsbeginn konnten wir Menschen im Land mit Hilfsgütern versorgen. Aus Naturschutz wurde Nothilfe. Schutzgebiete wurden zu Rettungsinseln für Menschen, die vor der Gewalt flohen. Und seitdem ist viel passiert. In der heutigen Folge spreche ich mit Hanna und ihren Kolleginnen und Kollegen, die den Ukraine-Krieg aus verschiedenen Perspektiven im Land erleben. Sie berichten, wie sich die Arbeit in den vergangenen Jahren verändert hat und was wir alle machen können, um sie zu unterstützen. Die beiden Interviews mit den ukrainischen Kolleginnen, die gleich kommen, die habe ich auf Englisch geführt. In der Folge, die ihr gerade hört, haben wir sie wie üblich auf Deutsch synchronisiert und zum Teil auch gekürzt. Eine Folge mit den Originalinterviews auf Englisch findet ihr aber in wenigen Tagen ebenfalls in eurem Feed. Mein Name ist Marco Dinter und ihr seid bei Hinter dem Zoo geht’s weiter. Naturschutz im Angesicht des Krieges ist unser Thema heute und wir beginnen mit einem aktuellen Überblick darauf, was sich seit unserem letzten Update verändert hat in der Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Team und der Unterstützung der Schutzgebiete dort. Deswegen sitze ich hier auch im Studio mit Michael Brombacher zusammen, mit dem ich bereits zweimal zur Situation unserer Projekte in der Ukraine gesprochen habe. Michael ist Referatsleiter des Europareferats der ZGF und weiterhin regelmäßig selbst in der Ukraine. Hallo Michael.

Michael Brombacher (02:33-02:33):
Hallo Marco.

Marco (02:34-03:05):
Michael, gerade jährt sich der Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine zum dritten Mal und ein Ende des Krieges ist auch wirklich noch nicht absehbar. Der Krieg ist inzwischen zur schrecklichen neuen Realität in einem Land geworden, dass die auch persönlich sehr am Herzen liegt. Du verbringst auch jetzt noch regelmäßig ganz viel Zeit da. Ich kriege das ja auch mit, du bist ständig wieder in der Ukraine. Kannst du unseren Hörerinnen und Hörern einen Einblick geben, wie sich die Zusammenarbeit mit der Ukraine seit unserem letzten Update verändert hat?

Michael Brombacher (03:07-05:46):
Ja, die Zusammenarbeit hat sich intensiviert, muss man sagen. eigentlich nie gedacht, dass wir irgendwann mal im dritten Jahr dieses Krieges sind. Und die ersten zwölf Monate waren eigentlich geprägt von, muss man sagen, Panik fast. Auch gerade die Anfangstage, wo wir ganz viele Hilferufe bekommen hatten von den Schutzgebieten über die Karpaten, wo wir eigentlich ja tätig waren oder die Paläste hinaus. Und haben da im ersten Jahr tatsächlich auch Nothilfe geleistet. Und zwar in alle Schutzgebiete, die wir irgendwie erreichen konnten, die noch nicht besetzt waren von den russischen Truppen. Das waren zum Beispiel Lebensmittel. Wir haben Betten gekauft, Matratzen, medizinische Güter für Menschen, die dann in den Gebäuden der Schutzgebiete Zuflucht gesucht haben. Wir haben Ausrüstung gegen Waldbrände, die da ausgebrochen sind, durch die Angriffe natürlich auch beschafft. Und ja, im zweiten Kriegsjahr, 2023, als wir, glaube ich, zum letzten Mal hier gesessen sind und ich einen Update gegeben habe, hat sich die Situation insofern verändert, als dass ja viele Menschen, die noch in den Anfangsmonaten Zuflucht gesucht haben, in den sicheren Karpaten im Westen des Landes, in den Gebäuden, der Schutzgebiete, die sind da langsam wieder ausgezogen. Die sind zu Verwandten oder zurück quasi in ihre Heimatstätte, wenn sie das konnten. Man muss sagen, dass die in der Regel dann auch immer noch den Kriegshandlungen ausgesetzt waren, aber sie sind erstmal aus den Karpaten wieder weggezogen. Das heißt, in den Schutzgebieten waren diese Menschen nicht mehr und wir konnten in gewisser Weise wieder zurück zur normalen Arbeit mit den Schutzgebieten. Das heißt, wir haben die Schutzgebiete weiterhin mit Ausrüstung unterstützt. Wir haben zum Beispiel Fahrzeuge beschafft, Motorräder, Fair Ranger oder Uniformen. haben aber auch, weil die ukrainische Regierung kein Geld mehr hatte für die Schutzgebiete, die konnten nur noch Löhne bezahlen, aber keine Gelder mehr für Ausrüstung, haben dann auch Nothilfe für die Schutzgebiete in Form von Unterhaltskosten geleistet. Das ist zum Beispiel Benzin. Wir haben kaputte Dächer renoviert. Wir haben versucht, die monatlichen Kosten für Energie zu senken, indem wir Gebäude gedämmt haben. Solche Dinge haben wir getan seitdem. Insofern hat sich das verändert. Wir haben uns zurückgezogen wieder auf die Karpaten, die Region, wo wir schon immer tätig waren, auf die Polesie und haben diese akute Nothilfe dann eingestellt.

Marco (05:47-05:58):
Was ist denn so dein persönlicher Eindruck, wenn du in der Ukraine bist? Wie muss ich mir das vorstellen, wie reist man in so ein Kriegsgebiet ein? Ist das nicht super gefährlich und aufwendig, da überhaupt hinzukommen?

Michael Brombacher (05:59-06:35):
Es ist aufwendig, dort hinzukommen. Man kommt aber gut hin. Also von Frankfurt gibt es zwei Möglichkeiten. Man fährt mit der Bahn nach Berlin, von Berlin weiter an den Grenzort Pschemischl. Das ist das Nadelöhr in die Ukraine, wo auch ganz viele Politiker quasi durch müssen, wenn sie nach Kiew fahren zum Beispiel. Also ich mache das auch. Ich fahre dann mit der Bahn nach Pschemischl, wechsle dann in die ukrainische Eisenbahn oder gehe zu Fuß über die Grenze und fahre dann circa eine Stunde, dauert mit der Bahn oder mit dem Auto genauso lang, nach Lviv im Westen des Landes. Dort haben wir unser Büro und dort bin ich eigentlich die meiste Zeit.

Marco (06:36-06:40):
Du wirst also gar nicht direkt in den Schutzgebieten, sondern wirklich in der Stadt selber.

Michael Brombacher (06:40-07:16):
In den Schutzgebieten auch. Natürlich, wenn man so viel investiert, wie wir es tun seit 2022, da haben sich unsere Mittel ja auch erhöht, die wir eingesetzt haben, vor allem durch private Spenden. Da gucke ich mir natürlich manche Dinge genauer an und fahre auch in die Schutzgebiete. Wir haben auch viel renoviert, wie ich schon gesagt habe, Dächer saniert zum Beispiel. Da bin ich dann selber vor Ort und gucke mir die Sachen genau an. Aber in den Schutzgebieten ist es sicher. Die befinden sich im Westen des Landes und dort gibt es eigentlich keinen Beschuss. In den Städten ist es schon riskanter und da muss man vorsichtig sein. Und wenn es Luftalarm gibt, muss man sich an einen sicheren Ort begeben.

Marco (07:16-07:38):
In einen Bunker oder in einen Keller oder eben entfernt von den Fenstern. Warum ist es für die ZGF überhaupt so wichtig, auch in diesen schwierigen Zeiten jetzt die Zusammenarbeit mit den Schutzgebieten nicht aufzugeben, sondern aufrechtzuerhalten? Also wie ist das möglich, gerade in so einer Situation, dass wir uns da nicht einfach rausziehen, sondern sagen, gerade jetzt?

Michael Brombacher (07:40-09:06):
Die Ukraine muss ihre Unabhängigkeit verteidigen. Das ist die Priorität des Landes. Aber das gesellschaftliche Leben muss ja irgendwie weitergehen. Man kann sich ja nicht drei Jahre nur auf den Krieg fokussieren. Das Leben geht weiter für die Menschen und auch andere gesellschaftliche Bereiche der Ukraine müssen ja funktionieren. Und da ist die Natur eine ganz wichtige Rolle. Also nicht nur so wie wir das bezeichnen würden, also aus Naturschutzgesichtspunkten, weil die Wälder der Karpaten so besonders und artenreich sind. Die Karpaten sind aber auch momentan der einzige Rückzugsort für Menschen, die mal Urlaub machen wollen, die mal eine Pause brauchen vom täglichen Luftalarm, den sie erleben, mal in der Ruhe der Natur wieder ihre Sinne sortieren wollen. Also das ist eine wichtige Urlaubsdestination vor dem Krieg schon gewesen, aber jetzt noch viel bedeutender, vor allem durch diese beeindruckende, schöne, tolle und ruhige Landschaft im Vergleich zu dem, was die Menschen im Alltag erleben. Das betrifft auch viele Kinder, die sich erholen können vom Luftalarm in den Karpaten. Deswegen gibt es ganz viele Gründe, sich für den Naturschutz einzusetzen und auch zu schauen, dass diese Nationalparks weiter am Laufen gehalten werden, dass sie weiter arbeiten können und diese besondere Natur auch erhalten können, weil die braucht man jetzt im Krieg und die braucht man noch viel mehr nach dem Krieg.

Marco (09:06-09:25):
Da würde ich gerne nochmal ein bisschen genauer reingehen. Kannst du uns einen Einblick darüber geben, wie die ZGF bislang auch mit der Ukraine aktiv zusammengearbeitet hat? Also wie arbeitet ihr da zusammen? Du hast schon gesagt, jetzt auch in den Krisenzeiten Häuser gedämmt, Notfallhilfe geleistet. Aber wie sieht die Arbeit generell aus?

Michael Brombacher (09:26-10:48):
Also alles, was wir tun, bezieht sich auf die Schutzgebiete. Das heißt, wenn wir Häuser dämmen, dann sind das Gebäude der Schutzgebietsverwaltungen. Und das ist, was wir seit 20 Jahren in der Ukraine machen. Die Ukraine hat mit die größten, schönsten, wildesten Naturlandschaften Europas. Im Norden des Landes liegt die Polesie. Das ist ein Gebiet, wenn man die gesamte Polesie einbezieht, die erstreckt sich bis nach Belarus, ist es halb so groß wie Deutschland. Eine riesige Flusslandschaft, die einen an den Amazonas erinnert, wenn man da mal von oben drauf schaut im Frühjahr, wenn der Pripyat über die Ufer steigt und die ganze Landschaft voller Wasser ist. Also sehr, sehr beeindruckend. Riesige Moore findet man da. Das ist ein wichtiges Brut- und Durchzugsgebiet für Vögel. Und das ist was ganz Besonderes. In den Karpaten hat man diese großen Wälder. Und für die hat die ZGF sich schon immer eingesetzt und für die Schutzgebiete dort. Wir haben die unterstützt. Wenn die neu eingerichtet wurden, die ukrainischen Gebiete, hat sehr viele Schutzgebiete eingerichtet. fast 40 Nationalparks seit 2000 und hat oft nicht das Geld gehabt, dann die Ausrüstung zu beschaffen. Und das haben wir dann getan. Wir haben die Autos gekauft, wir haben die Gebäude für die Verwaltung gekauft, wir haben die Uniformen gekauft, wir haben die Forschung unterstützt. Das haben wir gemacht eigentlich bis zum Ausbruch der Invasion 2022 in der Polesse und in den Karpaten.

Marco (10:48-10:59):
Das ist ja nicht meine erste Podcast-Folge. Wir haben ja schon sehr viele gemacht über die Arbeit der ZGF und dieses gerade in der Krise dabei sein, das klingt so ein bisschen, als wäre das die DNA der ZGF. Stimmt das?

Michael Brombacher (11:00-12:08):
Das stimmt. Also die ZGF arbeitet viel in Krisenregionen und schreckt eigentlich auch vor solchen Krisen, die manchmal auch eskalieren, nicht zurück. Wir gehen mit unseren Partnern durch dick und dünn und das zeichnet uns aus. Und da gibt es eigentlich auch eine interessante Geschichte von Bernhard Czimmek, der hier früher der Frankfurter Zoodirektor war und dann eigentlich auch der Wiedergründer der Zoologischen Gesellschaft als Naturschutzorganisation. Und er hat ja die Naturschutzarbeit früher selbst geleitet. Und er war Ende der 70er Jahre in Uganda im Kidepo Valley Nationalpark und hat dort mit den Rangern und Kollegen vor Ort die Unterstützung der ZGF geplant und besprochen, ist dann abgereist. Und nachdem er abgereist ist, gab es einen Angriff auf die Gebäude des Nationalparks. Sie wurden zerstört und ein Ranger ist dem Bernhard Tschemek hinterher und hat dann ihm berichtet und hat gesagt, Herr Tschemek, jetzt ist eigentlich alles kaputt und auch zu riskant und wir brauchen Ihre Hilfe nicht. Und Bernhard Tschemek sagte, jetzt in diesem Moment der Krise brauchen Sie uns am meisten. Und das ist eigentlich, was die zoologische Gesellschaft auszeichnet.

Marco (12:08-12:23):
Und so haben wir auch in der Ukraine eigentlich in der ersten Stunde nach dem russischen Angriff agiert. Woher kommt denn das Geld für diese ganzen Käufe? Du hast jetzt ja gerade diverse Sachen genannt, die wir als ZGF mit übernehmen, die wir bezahlen. Wie finanzieren wir das?

Michael Brombacher (12:24-12:49):
Ja, wir sind natürlich angewiesen auf Spender und Geber. Wir bekommen Förderung von der deutschen Bundesregierung über zwei Ministerien. über das Bundesumweltministerium und das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Und diese Mittel setzen wir in der Ukraine ein, aber wir sind auch angewiesen auf Privatspenden. Das sind oft sehr flexible Mittel, die wir jetzt gerade in dieser Krisenzeit sehr gut gebrauchen können,

Marco (12:49-13:14):
weil wir die sehr flexibel einsetzen können und die eigentlich diese staatlichen Mittel auch gut ergänzen. Das lassen wir mal so stehen für die Hörerinnen und Hörer. Mich interessiert jetzt auch noch das Schicksal unserer ukrainischen Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Mit denen werde ich mich jetzt nochmal online etwas detaillierter über die Situation im Land unterhalten. Und ich danke dir schon mal sehr für das Interview, Michael.

Michael Brombacher (13:15-13:15):
Gerne.

Marco (13:24-13:31):
Ich spreche jetzt online mit Maria Halaiko, einer Kollegin von der ZGF Ukraine. Hallo Maria, schön, dass du heute mit dabei bist.

Maria Halaiko (13:33-13:40):
Hallo Marco, ich freue mich auch hier zu sein. Schön, dich kennenzulernen.

Marco (13:41-13:55):
Wir sprechen heute über deine Arbeit und die Arbeit der ZGF Ukraine im Angesicht des Krieges. Aber lass uns vielleicht erstmal mit einer kurzen Vorstellung von dir anfangen. Kannst du uns und unseren Zuhörern erklären, wer du bist und was du für die ZGF machst?

Maria Halaiko (14:01-14:14):
Ich bin Projektmanagerin für Naturschutzgebiete. Ich arbeite direkt mit den Schutzgebieten in der Ukraine und helfe ihnen, ihre Arbeiten zu planen, das Management zu verbessern und unterstütze verschiedene Projekte, die wir innerhalb der ZGF Ukraine in den Karpaten durchführen.

Marco (14:15-14:16):
Wo in der Ukraine lebst du?

Maria Halaiko (14:16-14:40):
Ich lebe in Lviv. Hier haben wir auch unser Büro. Es ist meine Heimatstadt. Ich bin hier geboren und lebe auch hier. Lviv liegt im Westen der Ukraine und ist nicht so stark vom Krieg betroffen wie andere Regionen, die näher an der Front liegen, wie der Osten, Süden und Nordosten des Landes. Natürlich spüren wir den Krieg auch, aber es ist nicht so extrem.

Marco (14:41-14:46):
Aber dein Leben hat sich seit Kriegsbeginn sich ja trotzdem verändert. Wie erlebst du diese Veränderungen im Land?

Maria Halaiko (14:51-15:38):
Oh ja, ich erinnere mich noch genau an die ersten Tage des Krieges. Viele von uns, mich eingeschlossen, konnten nicht glauben, dass es wirklich zu einem großflächigen Krieg kommt. Wir haben die Warnungen gehört und die Nachrichten verfolgt, aber es war unvorstellbar. Als es dann wirklich losging, war es ein riesiger Schock. In den ersten Tagen hatten wir einfach nur Angst, weil keiner wusste, was der nächste Tag bringen würde. Aber ich erinnere mich auch, wie wir innerhalb der ersten Tage als ZGF-Team beschlossen haben, dass wir etwas tun müssen. Wir wollten den Menschen helfen, die direkt vom Krieg betroffen waren, vor allem in den Frontregionen. Diese Unterstützung, sowohl materiell als auch mental, hat uns allen sehr geholfen, weil wir wussten, dass wir nicht alleine sind und KollegInnen aus Deutschland hinter uns stehen. Das war richtig stark.

Marco (15:39-15:54):
Ja, ich erinnere mich an die Zeit, als wir hier in Frankfurt Decken und andere Hilfsgüter gesammelt haben. Der Krieg dauert jetzt ja schon drei Jahre. Wie hat sich das verändert in der Zeit? Du sagtest, es war anfangs ein Schock. Ist das jetzt irgendwie Alltag geworden?

Maria Halaiko (15:55-16:17):
Of course we are used to many things. Ja, irgendwie schon. Man gewöhnt sich an viele Dinge, die jetzt normal sind. Luftalarme, Kontrollpunkte auf den Straßen, überall Sicherheitschecks. Das beeinflusst unser Leben natürlich noch immer stark. Und wir leiden darunter. Wenn man enge Freunde oder Familie im Militär hat, ist es besonders schwer. weil jede schlechte Nachricht eintrifft.

Marco (16:18-16:26):
Danke, dass du uns trotzdem so einen privaten Einblick in dein Leben gegeben hast. Du bist Teil der ZGF Ukraine. Was genau machst du jetzt dort?

Maria Halaiko (16:27-17:17):
Ich arbeite, wie gesagt, im Bereich des Schutzgebietmanagements. Während der ersten Kriegstage habe ich mich vor allem darum gekümmert, dass wir Schutzgebieten und Binnenflüchtlingen in den Frontregionen helfen. Wir haben Schutzgebiete im Südosten, Osten, Nordosten und Süden der Ukraine unterstützt. Oft mit Dingen wie Holzöfen, weil es im Winter bitter kalt war, aber auch mit Feuerlöschgeräten, Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Das war harte Arbeit. Tag und Nacht. Aber unser Hauptfokus bei der ZKF Ukraine liegt eigentlich auf den Karpaten und der Polessie. Nachdem diese Nothilfephase vorbei war, sind wir zu unseren Kernarbeiten zurückgekehrt, den Schutzgebieten in den Karpaten helfen, Management-Pläne zu entwickeln, damit sie ihre Gebiete nach internationalen Standards bewirtschaften und schützen können.

Marco (17:17-17:19):
Was genau ist so ein Management-Plan?

Maria Halaiko (17:25-17:46):
Ein Management-Plan ist im Grunde das Hauptdokument, das alle Aktivitäten eines Schutzgebietes regelt. Sowohl den Alltag als auch die langfristige Planung für zehn Jahre. Dazu gibt es einen Fünfjahresaktionsplan, der genau festlegt, welche Ziele erreicht werden sollen und welche Schritte dafür notwendig sind. Und darauf basierend wird dann jedes Jahr ein konkreter Jahresarbeitsplan erstellt.

Marco (17:47-17:55):
In Deutschland hört man von der Ukraine hauptsächlich wegen des Krieges. Warum sind Naturschutz und das Management dieser Schutzgebiete gerade jetzt so wichtig?

Maria Halaiko (18:08-18:37):
Die Karpathien sind unglaublich wichtig für Biodiversität. Wir haben dort einzigartige Ökosysteme und uralte Wälder, die es sonst nirgends in Europa gibt. Wenn wir sie jetzt nicht schützen, werden sie zerstört. Und das hätte Folgen für ganz Europa, weil alles miteinander verbunden ist. Außerdem wissen wir nicht, wie lange es dauern würde, zerstörte Natur wiederherzustellen. Vielleicht 200 oder sogar 1000 Jahre. Deshalb müssen wir jetzt handeln und schützen, was noch da ist. Selbst wenn Krieg herrscht. Sonst können wir es für immer verlieren.

Marco (18:38-18:41):
Und warum ist das für die Menschen wichtig, die in der Nähe dieser Gebiete leben?

Maria Halaiko (18:41-19:16):
Die Menschen, die nahe zu Schutzgebieten oder auch in den Schutzgebieten leben, profitieren natürlich von Schutzgebieten. Die Menschen dort profitieren direkt davon. Sie haben frische Luft, sauberes Wasser und auch wirtschaftliche Vorteile durch den Tourismus. Wenn diese Gebiete nicht geschützt werden, kann das zu Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Erdrutschen führen. Viele verstehen das leider noch nicht, aber es ist wichtig, dieses Bewusstsein zu schaffen. Und für Menschen, die vom Krieg betroffen sind, bieten diese Gebiete auch einen Rückzugsort, um sich zu erholen und Kraft zu tanken.

Marco (19:17-19:21):
Was sind denn momentan die größten Herausforderungen für die ZGF und die Schutzgebiete?

Maria Halaiko (19:29-20:48):
Ein großes Problem ist, dass viele Mitarbeitende der Schutzgebiete zur Armee eingezogen wurden. Dadurch fehlen Experten vor Ort. Außerdem wurde die Finanzierung der Parks gekürzt, sodass es oft an Geld für den Alltag fehlt. Für Benzin, um Patrouillen durchzuführen oder um wissenschaftliche Arbeit zu machen. Wir helfen, indem wir Treibstoff, Ausrüstung, Generatoren und sogar Reparaturen für Fahrzeuge bereitstellen. Bei den Schutzgebieten, die an andere Länder angrenzen, an Polen, die Slowakei oder Ungarn, ist der Zutritt extrem limitiert worden. Man braucht spezielle Genehmigungen von der staatlichen Grenzkontrolle. Das verkompliziert die alltägliche Arbeit ziemlich, da die Ranger-Teams oder WissenschaftlerInnen nicht mehr einfach in den Park können, um ihrer Arbeit nachzugehen. Und auch die ZGF kommt nicht mehr ohne zusätzliche Bürokratie in die Schutzgebiete. Wir sind uns aller Risiken bewusst. Natürlich wissen wir nicht, was morgen passieren kann. Aber ich würde sagen, dass unser Team in der ZGF Ukraine hoch motiviert ist. Wir glauben fest daran, dass der Krieg enden wird und dass danach eine große Chance für den Wiederaufbau und die Entwicklung der Ukraine kommt. Diese Hoffnung motiviert uns, jetzt schon an eine bessere Zukunft zu arbeiten.

Marco (20:49-20:51):
Und was bedeutet die ZGF für dich persönlich?

Maria Halaiko (21:02-21:20):
Die ZGF ist wie eine große Familie. Von den ersten Tagen des Krieges an habe ich mich nie alleine gefühlt, weil ich so viele unterstützende Nachrichten von meinen KollegInnen aus Deutschland bekommen habe. Es war immer klar, wenn wir Hilfe brauchen, ist die ZGF da. Dieses Gefühl der Gemeinschaft hat mir sehr geholfen, durch diese schwere Zeit zu kommen.

Marco (21:21-21:34):
Vielen Dank für deine Zeit und dieses sehr interessante Interview. Das war bestimmt nicht immer einfach, aber ich denke, da hast du uns wirklich sehr spannende Einblicke in die Arbeit vor Ort gegeben. Vielen Dank dafür.

Maria Halaiko (21:35-21:35):
Danke.

Marco (21:40-21:49):
Jetzt spreche ich noch mit einer weiteren Kollegin von Maria und zwar mit Hanna Kujo, ebenfalls von der ZGF Ukraine. Hallo Hanna, schön, dass du heute da bist.

Hanna Kuzo (21:49-21:49):
Hi.

Marco (21:50-22:05):
Wir sprechen heute über die Arbeit der ZGF Ukraine und deine Rolle im Team. Aber lass uns mit einer einfachen Frage starten. Könntest du dich vielleicht mal kurz vorstellen und uns so ein bisschen erzählen, was genau du für uns machst?

Hanna Kuzo (22:13-22:43):
Ich arbeite seit 2019 bei der ZGF Ukraine. Früher war ich im Bereich Kommunikation tätig, aber jetzt bin ich Koordinatorin für Umweltbildungsprogramme in den Schutzgebieten der Karpaten. Wir führen schon seit ein paar Jahren Programme durch und unterstützen die Schutzgebiete in verschiedenen Bereichen. Vor zwei Jahren haben wir angefangen, sie im Bereich Umweltbildung zu fördern. Das ist jetzt mein Job. Ich unterstütze die Pädagogen in den Schutzgebieten, organisiere Trainings und helfe ihnen, ihre Programme auf die Beine zu stellen.

Marco (22:44-22:50):
Darauf gehen wir später auch noch genauer ein. Aber erstmal vielleicht eine persönliche Frage. Wo lebst du aktuell in der Ukraine?

Hanna Kuzo (22:59-23:09):
Ich wohne quasi in Lviv. Unser Büro ist dort im Westen der Ukraine. Genau genommen lebe ich in einem Dorf am Stadtrand, aber ich sage den Leuten meistens einfach, dass ich in Lviv wohne. Das ist einfacher.

Marco (23:10-23:19):
Ja, manchmal ist es tatsächlich einfacher. Wie hat der Krieg denn dein Leben verändert? Was hat sich in deinem Alltag verändert?

Hanna Kuzo (23:26-25:23):
Als der großflächige Krieg begann, hat sich mein Leben natürlich drastisch verändert. verändert. Die russische Aggression gegen die Ukraine begann ja schon 2014, aber das war nicht so massiv wie jetzt. Für mich persönlich war die Zeit von 2014 bis 2022 noch nicht so belastend, weil wir im Westen der Ukraine relativ sicher waren. Aber 2022, als die großflächige Invasion begann, wurde klar, dass es nicht nur einen Teil des Landes betrifft. Plötzlich war die ganze Ukraine unter Beschuss. Meine Schwester lebte damals mit ihrer Familie in Kiew und wir haben große Sorgen gemacht, weil die Russen behauptet hatten, sie würden Kiew in drei Tagen einnehmen. Die ersten zwei Wochen waren extrem gefährlich für sie. Auch viele meiner Freunde waren in Kiew und in anderen Städten und wir wussten nicht, was passieren würde. Ich lebe in einem größeren Haus außerhalb von Lviv und habe viel Platz. Deswegen haben wir sofort Freunden und Verwandten angeboten, zu uns zu kommen, wenn sie Kiew oder andere Städte verlassen müssen. In den ersten drei bis vier Monaten haben viele Menschen bei uns gewohnt. Meine Schwester und ihre Familie kamen schon am zweiten Tag, dann Freunde und Bekannte. Ich bin im Nachhinein wirklich froh, dass wir nicht alleine waren. Es war ein voller, aber auch herzlicher Haushalt. Mein Mann, meine Oma und ich hatten plötzlich viele Menschen um uns herum. Trotz des Stresses waren wir optimistisch, weil wir zusammengehalten haben. Es war eine harte, aber auch besondere Zeit. Als wir dann realisierten, dass wir überleben und weitermachen müssen, fing auch die Arbeit wieder an. Plötzlich gab es viele neue Projekte, besonders in den Schutzgebieten. Die ersten Monate waren wir wie gelähmt, aber dann wurde es hektisch, weil wir merkten, dass wir trotz allem weitermachen müssen. Ach ja, und in dieser Zeit habe ich auch einen Hund aus der Region Kiew adoptiert. Alfie, ein wunderschöner Schweizer Schäferhund, den sein Besitzer zurückgelassen hatte. Jetzt habe ich zwei Auch das ist eine große Veränderung.

Marco (25:24-25:31):
Das klingt nach einer intensiven Zeit. Lass uns nochmal auf deine Arbeit zurückkommen. Was genau machst du im Bereich Umweltbildung?

Hanna Kuzo (25:39-27:06):
Wir helfen den Schutzgebieten dabei, ihre Umweltbildungsprogramme umzusetzen. Jedes Nationalpark-Team in den Karpaten hat eigene Pädagogen, die Veranstaltungen und Programme für Kinder planen. Unsere Aufgabe ist es, sie zu ermutigen, die Programme vermehrt draußen in der Natur zu machen. Nicht nur in Klassenräumen oder mit Fotos. Wir sind überzeugt, dass Kinder die Natur erleben müssen. Sie müssen Bäume anfassen, die Geräusche im Wald hören und wirklich draußen sein. Natürlich gab es auch schon vor unserer Unterstützung Outdoor-Programme. Aber sie waren schwer zu organisieren, weil es oft an Ressourcen mangelt. Sei es Transport oder Ausrüstung. Deshalb habe ich Schutzgebiete besucht, mit den Pädagogen gesprochen und herausgefunden, wo die größten Schwierigkeiten liegen. In den letzten zwei Jahren haben wir viele Trainings organisiert, um sie zu inspirieren und ihnen zu helfen, ihre Programme zu planen und durchzuführen. Zum Beispiel haben wir mit meiner Kollegin Lucy Schulungen gemacht, wie sie strukturierte Programme entwickeln, die sie dann auch an ihre Kollegen weitergeben können. Eine große Hilfe sind auch unsere Umweltbildungsbusse. Wir haben zwei Busse angeschafft, die selbst die schlimmsten Straßen meistern. Etwas, das den Nationalparks oft fehlt. Schulen haben zwar Busse, aber die kommen nicht überall hin. Jetzt gibt es ein Online-Reservierungssystem und die Parks können ihre Programme hochladen. Ab dem 15. März starten die ersten Fahrten und ich freue mich schon riesig darauf, wenn die Busse voller Kinder in den Wald fahren.

Marco (27:07-27:10):
Das klingt super. Wer kann denn an diesen Programmen teilnehmen?

Hanna Kuzo (27:15-27:25):
Erstmal konzentrieren wir uns auf die Kinder aus den lokalen Gemeinden in den Schutzgebieten. Später sollen die Programme auch für Touristen oder Erwachsene geöffnet werden, aber im Moment sind die Kinder unsere erste Zielgruppe.

Marco (27:26-27:29):
Warum ist die Bildungsarbeit gerade jetzt so wichtig?

Hanna Kuzo (27:35-29:14):
Bildung ist generell total wichtig, weil sie unser Leben formt. Sie beeinflusst, welche Art von Mensch wir werden. Ich habe mich zum Beispiel nur wegen einer Erfahrung mit der Natur für Vögel begeistert. Jemand hat mich mitgenommen, mir Vögel gezeigt und das hat mich so fasziniert, dass ich Ornithologin geworden bin. Jemand muss Kinder in die Natur bringen und ihnen eine coole emotionale Erfahrung ermöglichen. Vielleicht werden sie keine Wissenschaftler, sondern Unternehmer, Lehrer oder Politiker. Aber sie werden die Natur lieben und genau das ist wichtig. Gerade jetzt im Krieg ist das noch bedeutender. Wenn man in der Natur ist, kann man nicht auf sein Handy und die Nachrichten starren und dabei an all die belastenden Dinge im Leben denken. Man beobachtet Vögel, sucht nach Insekten, entdeckt Neues. Das lenkt das Gehirn auf etwas Schönes und entlastet es vom Stress. Viele Erwachsene denken, dass Kinder nichts mitbekommen, aber das stimmt nicht. Sie spüren sehr genau, wenn etwas nicht stimmt, auch wenn sie es nicht benennen können. Zeit in der Natur, dieses Staunen über etwas Schönes, ist also nicht nur für Erwachsene, sondern gerade für Kinder essentiell. Umwelterziehung hat also nicht nur die Aufgabe, Wissen zu vermitteln, sondern hilft auch, mit Stress umzugehen. Ich kenne viele Menschen, die durch das Beobachten von Vögeln oder einfach die Natur selbst Kraft finden. Gerade für Kinder, deren Eltern im Krieg kämpfen oder gefallen sind, ist das besonders wichtig. Wir können ihnen vielleicht nicht die Welt retten, aber ihnen für ein paar Tage eine schöne Zeit schenken. Für manche ist das einfach nur ein spaßiges Erlebnis, für andere kann es lebensrettend sein. Deshalb ist diese Arbeit heute noch wichtiger als je zuvor.

Marco (29:15-29:19):
Welche Herausforderungen begegnen euch denn durch den Krieg? Hat sich eure Arbeit selbst auch verändert?

Hanna Kuzo (29:24-29:52):
Im Westen der Ukraine gibt es zwar nicht so viele Angriffe wie im Osten oder in Kiew, aber die Gefahr ist immer da. Jedes Mal, wenn der Alarm losgeht, weiß man nicht, ob es ernst ist oder nicht. Deshalb müssen wir immer Orte wählen, an denen wir schnell Schutz finden können. In manchen Städten sind Eltern und Schulen sehr vorsichtig und lassen die Kinder nicht so einfach in Exkursionen teilnehmen. In kleineren Dörfern ist das weniger ein Problem. Aber insgesamt ist es eine Herausforderung, besonders in größeren Städten.

Marco (29:53-30:03):
Es gibt also zerstörte Naturschutzgebiete im Osten der Ukraine, vielleicht sogar für immer zerstört. Wie bleibt man da überhaupt motiviert? Ist es schwer, da weiterzumachen?

Hanna Kuzo (30:13-31:04):
Ja, emotional ist es hart. Ich versuche mich auf das zu konzentrieren, was ich beeinflussen kann. Klar, die Zerstörung ist eine Tragödie für Natur und Menschen. Und wenn es Möglichkeiten gibt, zu helfen, dann tun wir das. Viele Menschen aus dem Osten sind in den Westen geflüchtet und leben jetzt in Nationalparks oder Schutzgebieten. Besonders am Anfang des Krieges haben die Parks Flüchtlinge aufgenommen. Heute ist es nicht mehr ganz so intensiv wie 2022, aber immer noch aktuell. Für diese Menschen ist es eine große Erleichterung, in einer sicheren Umgebung zu sein. Die Karpaten sind zum Beispiel sicherer als andere Regionen der Ukraine. Ohne ständige Alarme oder Bombeneinschläge schlafen zu können, macht einen riesigen Unterschied. Und die Natur dort, mit ihren Bergen und Wäldern, ist einfach wunderschön und sehr emotional berührend, selbst wenn man sich vorher nie mit Natur beschäftigt hat.

Marco (31:05-31:11):
Welche Rolle spielt denn die ZGF dabei? Und was bedeutet sie für dich persönlich im Zusammenhang mit dem Krieg?

Hanna Kuzo (31:28-32:16):
Als der Krieg begann, hat die ZGF sofort geholfen. Nicht nur in den Gebieten, in denen wir ohnehin aktiv waren, sondern auch in anderen betroffenen Regionen. Das war unglaublich wichtig, Denn viele Schutzgebiete mussten plötzlich Flüchtlinge aufnehmen und brauchten dringend Dinge wie Matratzen oder Essen. Die ZGF war schnell und effizient. Das hat vielen Menschen in den ersten Kriegstagen sehr geholfen. Und auch jetzt, wo die erste Nothilfe vorbei ist, unterstützt die ZGF weiterhin. Naturschutzgebiete hatten schon vor dem Krieg wenig Geld vom Staat, jetzt ist es noch schlimmer. Manche Parks haben nicht einmal Benzin für ihre Patrouillen. Umweltbildung hat da keine Priorität, aber die ZGF hilft, die laufende Arbeit der Schutzgebiete weiterzuführen. Ohne diese Unterstützung würden viele Parks nicht mehr funktionieren.

Marco (32:17-32:40):
Vielen Dank für diese außergewöhnlichen Einblicke in deine Arbeit in der Ukraine und in eine Realität, die wir uns hier nicht so richtig vorstellen können. Ich wünsche dir, euch und den Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine weiter so einen festen Zusammenhalt, Stärke und Durchhaltevermögen. und natürlich, dass der Krieg sehr weit endet in einem für die Ukraine guten Szenario.

Hanna Kuzo (32:41-32:41):
Thank you.

Marco (32:48-34:24):
Die heutige Folge wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben, denn das waren ganz sicher keine normalen Interviews, die ich heute geführt habe. Die Interviews mit Maria und Hanna waren deutlich persönlicher als sonst und ich bin sehr, sehr dankbar, dass sie das so mit uns geteilt haben und gleichzeitig sehr beeindruckt davon, wie stark sie in dieser aktuellen Situation sind und wie sehr sie sich für ihre Ziele im Naturschutz einsetzen. Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, was ich in der gleichen Situation machen würde. Wenn ihr Hannah und Marias Arbeit unterstützen möchtet, dann schaut mal in unsere Shownotes, da haben wir alle notwendigen Infos verlinkt. Zum Schluss noch ein Dankeschön an Malika Finke und Susanne Ott aus dem ZGF Office Management, die Maria und Hanna auf Deutsch gesprochen haben. Und wie versprochen, die englischen Originalinterviews folgen ebenfalls in ein paar Tagen. Mein Name ist Marco Dinter und das war’s für heute mit Hinter dem Zoo geht’s weiter.

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