Nsumbu - geprägt vom Wasser

Mit einer Fläche von rund 10.000 km² ist das Nsumbu-Mweru-Ökosystem das Herz einer außergewöhnlichen Region zwischen den großen afrikanischen Seen, dem Tanganjikasee im Osten und Mweru-See im Westen. Von Quellen in den unberührten Wäldern im Hochland fließt das Wasser über Bäche und Flüsschen in Lagunen und Feuchtgebieten und mündet schließlich in den längsten und artenreichsten See unserer Erde – den Tanganjikasee.

Der Tanganjikasee ist bis zu 1,5 Kilometer tief und die zweitgrößte Süßwasserressource der Erde. Es wird geschätzt, dass mehr als 1.000 Tierarten im See leben. Er ist weltweit bekannt für seine Buntbarsche – eine sehr vielfältige und farbenfrohe Fischfamilie. An den Ufern des Sees liegt der Nsumbu-Nationalpark, in dem undurchdringliche Itigi-Wälder die Landschaft prägen und Elefanten im See schwimmen gehen.

Der Schutz des großen Nsumbu-Tanganjika-Ökosystems ist wichtig für die Erhaltung der außergewöhnlichen Biodiversität, von der wiederum Mensch, Flora und Fauna profitieren.

Quick Facts
Using an integrated combination of methods using aerial surveys, camera trapping grids, distance sampling transects on foot and remote tracking of animal movements with satellite GPS collars, FZS staff can monitor wildlife populations. © Mana Meadows
Lake Tanganyika is up to 1.5km deep and forms the world’s second-largest freshwater resource. It also harbors over 1,000 species of animals and is world-renowned for its Cichlids – a diverse group of fish. © Mana Meadows
Continuous biological monitoring is needed to understand wildlife population dynamics and detect changes in the Nsumbu ecosystem. Camera traps are often used for this purpose. © Mana Meadows
Nsumbu contains many biological wonders, including endangered Sumbu-Itigi forests. © Mana Meadows
The Nsumbu Tanganyika Conservation Program works closely with local communities. We support them by providing capacity building in the form of financial management, governance, and natural resource management. © Mana Meadows
The protection of elephants has been a cornerstone of our work and we are proud that not a single elephant has been detected as poached in Nsumbu since 2018. © Mana Meadows
Working over such a vast and remote area takes an immense array of resources to provide adequate support to a wide range of partners and people. The Nsumbu Tanganyika Conservation Program strives to provide an efficient flow of resources such as the provision and maintenance of vehicles, boats, motorbikes, and more. © Mana Meadows
Lake Tanganyika is famous for its multitude of endemic cichlids, like this one. © Craig Zytkow
Flowing from highland freshwater springs in pristine forests, to floodplains, rivers, lagoons, and wetlands that nourish a highly productive land together with its wildlife and people, these waters eventually empty into the world’s longest and most biodiverse lake. © Mana Meadows
Nsumbu National Park is a place where elephants not only roam along the shores of Lake Tanganyika but also swim in it. © FZS Nsumbu
The water cobra is one of many animals found in Nsumbu National Park, Zambia. © Craig Zytkow
Nsumbu National Park has welcomed 200 buffalos and 48 zebras in a move which represents a historic milestone in the recovery of the Nsumbu Mweru Ecosystem. © Mana Meadows

Was tun wir in Nsumbu?

Gemeinsam mit den lokalen Gemeinden

Das Nsumbu Tanganyika Conservation Program arbeitet eng mit den Gemeinden der Nsama und Chitimbwa zusammen. Sie sind unsere wichtigsten Partner unter den Dorfgemeinschaften und sind seit jeher die Hüter der ausgedehnten Wildnisgebiete rund um den Nsumbu-Nationalpark.

Sie haben einen unmittelbaren Nutzen von unserer Naturschutzarbeit in Schutzgebieten der IUCN-Kategorie VI sowie in den Gemeindegebieten, die eine nachhaltige Ressourcennutzung durch die dort lebende Bevölkerung zulassen. Es geht darum sicherzustellen, dass die Nutzung der Ressourcen transparent und nachhaltig erfolgt, damit alle gleichermaßen etwas davon haben. Daher helfen wir den Gemeinden dabei, Know-how und Kapazitäten aufzubauen, etwa im Bereich Finanzverwaltung, Regierungsführung und eben beim Ressourcen-Management.

Logistische Unterstützung

Die Arbeit in einem großen und abgelegenen Gebiet erfordert eine ausgefeilte Logistik, denn beispielsweise soll eine erfolgreiche Vereinbarung zwischen einer Dorfgemeinschaft und dem Naturschutz nicht daran scheitern, dass die Dorfbewohnerinnen und -bewohner keine Transportmöglichkeit haben, um zu einem Treffen zu kommen.

Das Nsumbu Tanganyika Conservation Program versucht daher, für alle, die am Schutzgebietsmanagement beteiligt sind, eine möglichst effiziente logistische Unterstützung zu gewährleisten. Dazu gehören beispielsweise die Bereitstellung und Wartung von Fahrzeugen, Booten, Motorrädern und Kommunikationsgeräten.

Unterstützung für die Ranger

Das Nsumbu Tanganyika Conservation Program unterstützt etwa 100 Rangerinnen und Ranger der Parkbehörde DNPW. Das heißt, sie erhalten Ausrüstung, Ausbildung und teilweise übernehmen wir auch deren Gehalt oder Teile davon. Im Jahr 2019 konnten wir erstmals dafür sorgen, dass 40 junge Männer und Frauen aus den Gemeinden, mit denen wir zusammenarbeiten, als Ranger rekrutiert wurden. Das ist neu für diese Region und die jungen Leute sind mit Stolz dabei: Nun können sie ihre Heimat schützen und haben zugleich eine berufliche Perspektive.

Die neugegründete 25-köpfigen Tanganyika Boat Unit (TABU) sichert zusätzlich das Seeufer gegen Wilderei.

Umweltbildung

Das Umweltbildungsprogramm SUFINA wird in fünf Schulen rund um Nsumbu umgesetzt. SUFINA steht für „Sungeni Ifilenga Na Lesa“, was frei übersetzt aus der lokalen Sprache Tabwa soviel bedeutet wie „Unsere natürlichen Ressourcen für die Zukunft bewahren“. Die Idee des SUFINA-Programms geht weit über den Schutz des Nsumbu-Nationalparks hinaus. Sein Ziel ist es, ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Natur zu vermitteln und für eine nachhaltigere Lebensweise zu sensibilisieren, bei der wir und zukünftige Generationen ein integraler Teil des Ökosystems sind.

Nachhaltiger Tourismus

Um den Gemeinden rund um Nsumbu wirtschaftliche Optionen im Bereich nachhaltiger Naturtourismus zu erschließen, hat sich das Nsumbu Tanganyika Conservation Program mit dem Nsama Community Resource Board zusammengetan. Gemeinsam haben wir ein Camp aufgebaut, das der Gemeinde gehört und von ihr betrieben wird.

Das Kapelembe-Camp (Kapelembe ist die Pferdeantilope) in der Tondwa Game Management Area (GMA) wird 2021 fertig sein. Die vier Chalets wurden aus natürlichen Materialien der Region errichtet und ermöglichen einen spektakulären Blick auf die Tondwa-Ebene.

Wir freuen uns darauf, wenn sich Tondwa als Destination für sanften Tourismus etabliert und hoffen, dass das dem Naturschutz in der GMA nochmals einen deutlichen Schub geben wird.

 

Unterstützung für das Department of Wildlife and National Parks

Das Department of National Parks and Wildlife (DNPW) ist die sambische Behörde, die für alle Wildschutzgebiete und Nationalparks des Landes zuständig ist. DNPW ist unser wichtigster Partner. Daher unterstützt das Nsumbu Tanganyika Conservation Program DNPW nach Kräften, beispielsweise indem wir Aus- und Weiterbildung für dessen Führungskräfte übernehmen, bei Reisekosten oder Transportlogistik aushelfen oder auch finanzielle Mittel für den Betrieb bereitstellen.

Bau und Instandhaltung

Bau und Instandhaltung von Infrastruktur wurden in vielen Schutzgebieten lange Zeit vernachlässigt. So auch in Nsumbu. Dabei ist eine funktionierende Infrastruktur im Park zentral für dessen Schutz. Wenn wir neue Rangerunterkünfte oder Feldstationen für die Ranger bauen, trägt das zu einem besseren Arbeitsumfeld bei. Und wenn die Straßen in Schuss gehalten werden und die Kommunkationsnetzwerke funktionieren, dann ist eine effiziente Arbeit der Rangerteams überhaupt erst möglich.

Daher sorgt das Nsumbu Tanganyika Conservation Program kontinuierlich für Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen – mit dem guten Nebeneffekt, dass dabei zahlreiche Jobs in der Region entstehen.

Monitoring des Ökosystems

Aufgrund der zerklüfteten Landschaft, der dichten Vegetation und der Abgelegenheit von Nsumbu war es in der Vergangenheit schwierig, die Bestände der Wildtiere zu ermitteln und die Entwicklung ihrer Populationen zu überwachen.

2017 starteten wir ein erstes ökologisches Monitoringprogramm, das mit einer groben Bestandsaufnahme der Raubtiere begann. Seitdem ist das Monitoring stetig komplexer geworden. Wir haben mittlerweile Daten, die wir mit verschiedenen Methoden erheben: Zählungen aus der Luft, Bilder von Kamerafallen oder Beobachtungen auf mühsamen Transekten zu Fuß durch den Busch. Aber wir greifen auch auf Daten von Tieren zurück, die mit GPS-Sendern ausgestattet sind und deren Bewegungen wir verfolgen können.

All diese Daten sorgen dafür, dass unser Wissen über die Dynamik der Wildtierpopulationen in Nsumbu immer weiter wächst. Und sie bilden die Grundlage für Entscheidungen darüber, wie und wo man beim Management des Schutzgebiets ansetzt.

Artenschutz

Charismatische Tierarten begeistern Naturschützerinnen und Naturschützer, und das ist bei unserem Team nicht anders. Elefanten waren einstmals in der gesamten Region und im Nsumbu-Mweru-Ökosystem verbreitet, wurden aber gejagt bis nur noch eine kleine, isolierte Population in Nsumbu übrigblieb.

Der Schutz der Elefanten ist daher ein Schwerpunkt unserer Arbeit und die konsequente Umsetzung von deren Schutz durch verschiedene Maßnahmen – gut ausgebildete Ranger, funktionierende Kommunikation, konsequente Strafverfolgung – war erfolgreich. Nsumbu hat sich von einem letzten Rückzugsort einer verschwindenden Elefantenpopulation hin zu einem Refugium für eine wachsende Elefantenschar entwickelt.

Die 25 Personen starke Tanganyika Boat Unit (TABU) mit besonders gut ausgebildeten Rangern sichert den Park von der Seeseite her ab. Und seit 2018 wurde in Nsumbu kein einziger gewilderter Elefant mehr entdeckt. Wir hoffen, dass es so bleibt und sich auch andere Tierpopulationen in vergleichbarer Weise erholen können.

Wildererfallen beseitigen

Die Wildtiere im Nsumbu-Nationalpark wurden über viele Jahre hinweg gewildert, vor allem durch im Gebüsch oder im Gras versteckt liegende Drahtschlingen. Damit werden ganz unspezifisch die Tiere gefangen, die zufällig in die Falle laufen. Diese ziehen sich dann unerbittlich zu.

Dank einer viel besseren Sicherheitslage in Nsumbu heute und viel mehr Rangern ist zwar die Wilderei deutlich zurückgegangen, doch viele tausend Fallen liegen noch immer im Nationalpark. Diese Altlast bleibt eine tödliche Gefahr, auch lange nachdem die Wilderer weg sind. Da wir das Ökosystem wiederherstellen wollten, war klar: Die Schlingenfallen müssen beseitigt werden. Das Nsumbu Tanganyika Conservation Program beschäftigt daher ein 12-köpfiges Team, das strategisch wichtige Habitate absucht, die Fallen aufspürt und entfernt. Seit 2019 hat das Team etwa 1.000 Drahtschlingen unschädlich gemacht.

Nachhaltige Fischerei

Der Tanganjikasee und auch die anderen Gewässer rund um Nsumbu sind ausgesprochen reich an Fisch. Doch die Fangmengen gehen zurück, während gleichzeitig der Bedarf durch immer mehr Menschen steigt. Die Gründe dafür sind nicht nahhaltigen Fischereimethoden und Überfischung. Aber auch darin, dass die Landesgrenzen nach Tansania und in die DR Kongo vollkommen durchlässig sind.

Die Gewässer des Nationalparks sind gut geschützt, doch es wurde immer klarer, dass wir unsere Arbeit auch jenseits der Nationalparkgrenzen intensivieren mussten. Mit vier Gemeinden arbeiten wir jetzt daran, Gebiete zu schaffen, in denen ein konsequentes Fischereimanagement durch die Gemeinde umgesetzt wird. Nur so wird es gelingen, die Ressource Fisch, von der so viele Menschen abhängen, langfristig zu erhalten und Nahrungssicherheit und Lebensgrundlage für die Menschen dort sicherzustellen. Auch der Druck auf die Fischbestände im Park wird so minimiert.

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Meilensteine

200 Büffel und 48 Zebras werden in den Nsumbu-Nationalpark umgesiedelt.

2021

Ein 8.500 Hektar großes Schutzgebiet wird im Nsumbu-Nationalpark fertiggestellt. Dort sollen ab 2021 Büffel und Zebras angesiedelt werden. Perspektivisch könnte dort auch eine zweite Spitzmaulnashorn-Population entstehen.

2020

Das Nsumbu Tanganyika Conservation Program beginnt mit der Entwicklung von gemeinschaftlich verwalteten Fischereigebieten in vier Gemeinden entlang der Ufer des Tanganjikasees.

2020

Das NTCP unterstützt den Gemeinderat von Nsama, indem es alle Gehälter der Gemeindescouts im Wildmanagementgebiet während der COVID-19-Pandemie übernimmt. Es fehlen praktisch alle Einnahmen aus dem Tourismus.

2020

Vierzig neue Ranger, rekrutiert aus den umliegenden Gemeinden, schließen ihre Ausbildung ab.

2019

Die Tanganyika Boat Unit (TABU) wird gegründet, um den illegalen Wildtierhandel über den südlichen Tanganjikasee zu verhindern.

2019

Die ZGF unterzeichnet eine Vereinbarung mit dem Department of National Parks and Wildlife in Sambia für den Nsumbu-Nationalpark – den zweiten ZGF-Standort in Sambia. Das Nsumbu Tanganyika Conservation Program wird gegründet.

2018

Partner

Erfolgreicher Naturschutz ist immer Teamarbeit. In allen Projekten arbeiten wir mit den nationalen Behörden, den zuständigen Schutzgebietsverwaltungen, nationalen Naturschutzorganisationen, Geberorganisationen und mit den örtlichen Gemeinden.

  • The Zambian Department of National Parks and Wildlife
  • The Nsama Community Resource Board
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„Diese Landschaft gibt den Menschen so viel zurück – von der atemberaubenden Unterwasservielfalt bis hin zu den gefährdeten Sumbu-Itigi-Wäldern.“

Craig Zytkow, Programmleiter Nsumbu Tanganyika Conservation Program

Kontakt

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Bernhard-Grzimek-Allee 1
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