
Warum Kulane wichtig sind: Schlüsselarten der kasachischen Graslandschaften
Einst in Zentralasien weit verbreitet, verschwanden die Kulane – eine gefährdete, überwiegend nomadisch lebende Unterart des Asiatischen Wildesels – vor fast 100 Jahren aus der Region Altyn Dala. Mit ihrem Verschwinden verlor das Grasland-Ökosystem eine Schlüsselart, die eine wichtige Rolle bei der Samenverbreitung und im Nährstoffkreislauf spielte.
Seit 2017 sind die Bemühungen zur Wiederansiedlung der Kulane ein wesentlicher Bestandteil der langfristigen Strategie zur Stabilisierung und Wiederherstellung der Graslandschaften der „Goldenen Steppe“ – durchgeführt von der Altyn-Dala-Schutzinitiative – einer ambitionierten Partnerschaft mehrerer Naturschutzorganisationen.

Umsiedlung wildlebender Kulane: 2.000 Kilometer quer durch Kasachstan
Die Reise folgte der Route der ersten Umsiedlung aus dem Jahr 2024. Über 2.000 Kilometer legten die Teams auf der Straße zurück, fast 50 Stunden lang. Ausgangspunkt war der Altyn-Emel-Nationalpark. Dort wurden die Tiere sediert, sortiert und anschließend in speziell angefertigte Transportboxen verladen, die Belüftung, Fütterung und Videoüberwachung ermöglichen.
Geleitet wurde der Einsatz von Conservation Solutions, einem auf Wildtiertransporte spezialisierten Unternehmen. Die tierärztliche Betreuung übernahm Dr. Julia Bohner vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW).
Trotz umfassender Sicherheitsmaßnahmen und eines über Jahre verfeinerten Vorgehens kam es bei diesem Transport zu einem Rückschlag: Zwei Tiere erlitten während des Transports Verletzungen und konnten nicht gerettet werden. Solche Vorfälle sind eine Erinnerung an die Komplexität der Arbeit mit Wildtieren. Für das Team sind sie emotional belastend und zugleich Antrieb, Abläufe weiter zu verbessern und Transportrisiken weiter zu minimieren.
Sichere Ankunft in Altyn Dala: Die Kulane bereiten sich auf die Winterakklimatisierung vor
Der Konvoi erreichte das Wildesel-Wiederansiedlungszentrum „Alibi“ in Altyn Dala sicher. Dort gewöhnen sich die Kulane nun in einem 54 Hektar großen Akklimatisierungsgehege an ihre neue Umgebung. Über den Winter bleiben sie unter enger Beobachtung, bevor sie im Frühjahr zur frei lebenden Population stoßen.
„Als Schlüsselart spielt sie eine entscheidende Rolle bei der langfristigen Wiederherstellung der Goldenen Steppe“, sagt Stephanie Ward, Programmleiterin Kasachstan bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF).
Diese Maßnahme ist Teil der Altyn-Dala-Schutzinitiative, einem langfristigen Programm mehrerer Partner zur Wiederherstellung der Steppenbiodiversität in Kasachstan.
Hintergrund
Der Transport der Kulane erfolgt im Rahmen der Altyn Dala Conservation Initiative – einer Partnerschaft zwischen dem Committee of Forestry and Wildlife of the Ministry of Ecology and Natural Resources of the Republic of Kazakhstan, the Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan (ACBK), der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), the Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) und Fauna & Flora.
Die tierärztliche Betreuung im Rahmen der Initiative übernimmt das Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research (IZW). Technische und finanzielle Unterstützung leistet der Tiergarten Nürnberg (Nuremberg Zoo.).
Das Einfangen der Kulane wurde vom Altyn Emel State National Park und dem Unternehmen „Okhotzooprom“ durchgeführt, während die Verladung und der Transport von dem südafrikanischen Wildtiertransportunternehmen „Conservation Solutions“ unterstützt und überwacht wurden.







