Die Kulane kehren zurück – Zweite erfolgreiche Umsiedlung innerhalb Kasachstans

Wie bringt man eine vor fast einem Jahrhundert verschwundene Tierart zurück und siedelt sie über eine Strecke von mehr als 2.000 Kilometern um?

Im Herbst 2025 startete ein Konvoi mit speziell ausgestatteten Lkws seine zweite Reise und transportierte Kulane vom Nationalpark Altyn-Emel im Südosten Kasachstans in das Altyn-Dala-Naturschutzgebiet in der zentralen Steppe.

16.01.2026, FZS

Warum Kulane wichtig sind: Schlüsselarten der kasachischen Graslandschaften

Einst in Zentralasien weit verbreitet, verschwanden die Kulane – eine gefährdete, überwiegend nomadisch lebende Unterart des Asiatischen Wildesels – vor fast 100 Jahren aus der Region Altyn Dala. Mit ihrem Verschwinden verlor das Grasland-Ökosystem eine Schlüsselart, die eine wichtige Rolle bei der Samenverbreitung und im Nährstoffkreislauf spielte.

Seit 2017 sind die Bemühungen zur Wiederansiedlung der Kulane ein wesentlicher Bestandteil der langfristigen Strategie zur Stabilisierung und Wiederherstellung der Graslandschaften der „Goldenen Steppe” – durchgeführt von der Altyn-Dala-Schutzinitiative – einer ambitionierten Partnerschaft mehrerer Naturschutzorganisationen.

Several kulans standing and grazing inside the acclimatization enclosure at Alibi, Central Kazakhstan, during their first month after translocation.
Kulane sind eine Unterart des Asiatischen Wildesels. Einst in Zentralkasachstan ausgestorben, spielen sie eine Schlüsselrolle in Steppenökosystemen, indem sie Samen verbreiten und Nährstoffe im Kreislauf halten.

Umsiedlung wildlebender Kulane: 2.000 Kilometer quer durch Kasachstan

Die Reise folgte der Route der ersten Umsiedlung aus dem Jahr 2024. Über 2.000 Kilometer legten die Teams auf der Straße zurück, fast 50 Stunden lang. Ausgangspunkt war der Altyn-Emel-Nationalpark. Dort wurden die Tiere sediert, sortiert und anschließend in speziell angefertigte Transportboxen verladen, die Belüftung, Fütterung und Videoüberwachung ermöglichen.

Geleitet wurde der Einsatz von Conservation Solutions, einem auf Wildtiertransporte spezialisierten Unternehmen. Die tierärztliche Betreuung übernahm Dr. Julia Bohner vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW).

Trotz umfassender Sicherheitsmaßnahmen und eines über Jahre verfeinerten Vorgehens kam es bei diesem Transport zu einem Rückschlag: Zwei Tiere erlitten während des Transports Verletzungen und konnten nicht gerettet werden. Solche Vorfälle sind eine Erinnerung an die Komplexität der Arbeit mit Wildtieren. Für das Team sind sie emotional belastend und zugleich Antrieb, Abläufe weiter zu verbessern und Transportrisiken weiter zu minimieren.

A truck used to transport the Kulan from Altyn Emel National Park to Alibi. Altyn Emel, Kazakhstan.
Der Transportlastwagen bringt die Kulane auf der Route quer durch Kasachstan über mehr als 2.000 Kilometer vom Altyn-Emel-Nationalpark in ihr neues Zuhause in der Steppe von Altyn Dala.
A group of wild Kulan being herded by cars towards a corral. The plan is to transport them to Altyn Dala where they will be released to repopulate the steppes of central Kazakhstan. Altyn Emel National Park, Kazakhstan. Photo by Daniel Rosengren.
Eine Gruppe wildlebender Kulane wird mit Fahrzeugen in Richtung eines Fanggeheges getrieben. Das Ziel besteht darin, sie nach Altyn Dala zu transportieren und sie dort zur Wiederbesiedlung der Steppen Zentralkasachstans freizulassen. Altyn-Emel-Nationalpark, Kasachstan.
Kulans being loaded into the containers on the trucks and separated into different compartments. Altyn Emel National Park, Kazakhstan. Photo by Daniel Rosengren.
Die Kulane werden in die Transportcontainer auf den Lastwagen verladen und in verschiedene Abteile aufgeteilt. Altyn-Emel-Nationalpark, Kasachstan.
A truck leaving behind a trail of dust on the road through Kazakhstan.
Der Transportlastwagen auf der Route quer durch Kasachstan, der Kulane über mehr als 2.000 Kilometer vom Altyn-Emel-Nationalpark in ihr neues Zuhause in der Steppe von Altyn Dala bringt.
Kulans being loaded into the containers on the trucks and separated into different compartments. Altyn Emel National Park, Kazakhstan.
Die Kulane werden in die Transportcontainer auf den Lastwagen verladen und in verschiedene Abteile aufgeteilt. Altyn-Emel-Nationalpark, Kasachstan.

Sichere Ankunft in Altyn Dala: Die Kulane bereiten sich auf die Winterakklimatisierung vor

Der Konvoi erreichte das Wildesel-Wiederansiedlungszentrum „Alibi“ in Altyn Dala sicher. Dort gewöhnen sich die Kulane nun in einem 54 Hektar großen Akklimatisierungsgehege an ihre neue Umgebung. Über den Winter bleiben sie unter enger Beobachtung, bevor sie im Frühjahr zur frei lebenden Population stoßen.

„Als Schlüsselart spielt sie eine entscheidende Rolle bei der langfristigen Wiederherstellung der Goldenen Steppe“, sagt Stephanie Ward, Programmleiterin Kasachstan bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF).

Diese Maßnahme ist Teil der Altyn-Dala-Schutzinitiative, einem langfristigen Programm mehrerer Partner zur Wiederherstellung der Steppenbiodiversität in Kasachstan.

The kulans being herded towards the ramp to load the kulan onto trucks. Altyn Emel National Park, Kazakhstan.
Die Kulane werden in Richtung der Rampe getrieben, um sie auf die Lastwagen zu verladen. Altyn-Emel-Nationalpark, Kasachstan.
Kulans from Altyn Emel were released into an enclosure at Alibi. In about a year, they will be released into the wild. Altyn Dala National Park, Kazakhstan. Photo by Daniel Rosengren
Die Kulane aus Altyn Emel wurden in ein Gehege bei Alibi entlassen. In etwa einem Jahr sollen sie in die freie Wildbahn freigelassen werden. Altyn-Dala-Nationalpark, Kasachstan.
The Kulans from Altyn Emel were released into an enclosure at Alibi. In about a year, they will be released into the wild. Altyn Dala National Park, Kazakhstan. Photo by Daniel Rosengren
Die Kulane aus Altyn Emel wurden in ein Gehege bei Alibi entlassen. In etwa einem Jahr sollen sie in die freie Wildbahn freigelassen werden. Altyn-Dala-Nationalpark, Kasachstan.

Hintergrund

Der Transport der Kulane erfolgt im Rahmen der Altyn Dala Conservation Initiative – einer Partnerschaft zwischen dem Committee of Forestry and Wildlife of the Ministry of Ecology and Natural Resources of the Republic of Kazakhstan, the Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan (ACBK), der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), the Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) und Fauna & Flora.

Die tierärztliche Betreuung im Rahmen der Initiative übernimmt das Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research (IZW). Technische und finanzielle Unterstützung leistet der Tiergarten Nürnberg (Nuremberg Zoo.).

Das Einfangen der Kulane wurde vom Altyn Emel State National Park und dem Unternehmen „Okhotzooprom“ durchgeführt, während die Verladung und der Transport von dem südafrikanischen Wildtiertransportunternehmen „Conservation Solutions“ unterstützt und überwacht wurden.

Kontakt

Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V.
Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt

Telefon: +49 (0)69 - 94 34 46 0
Fax: +49 (0)69 - 43 93 48
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