Die Steppe lebt – Saiga-Boom in Kasachstan

Die kasachische Regierung gab die Ergebnisse der Saiga-Zählung 2021 bekannt: Seit 2019 hat sich die Zahl der vom Aussterben bedrohten Antilopen mehr als verdoppelt.

21.07.2021, Zanne Labuschagne

Im Frühjahr 2021 fand der erste Saiga-Zensus seit Mai 2019 statt, denn pandemiebedingt musste die Zählung 2020 leider ausfallen. Nach dieser Zwangspause wurden die Zahlen mit Spannung erwartet – und sie sind beeindruckend.

842.000 Saigas leben derzeit in Kasachstan. 2019 waren es 334.400. Das ist eine Steigerung von mehr als 150 Prozent in zwei Jahren. Eine gute Futtersituation und die erfolgreiche Eindämmung der Wilderei sind sicher zwei wesentliche Gründe für den eindrucksvollen Anstieg der Saiga-Population. Und auch die ungewöhnlich gute Reproduktionsfähigkeit der Saigas hat Anteil daran.

Wie man in den Daten aus dem Saiga-Zensus von 2003 sieht, lebten vor 18 Jahren nur noch 21.000 Saiga-Antilopen in Kasachstan. Seither hat die kasachische Regierung große Anstrengungen zum Schutz der Art unternommen, geht entschieden gegen Wilderei vor und wies mehrere neue Schutzgebiete aus. Die Maßnahmen sind, trotz des Rückschlags durch das Massensterben von 2015, sehr erfolgreich. Damals kam mehr als die Hälfte der kasachischen Saiga-Population durch eine Bakterieninfektion ums Leben. Nur etwa 100.000 Tiere blieben übrig.

Eine neugeborene Saiga in Zentralkasachstan. © Daniel Rosengren/FZS

Seither erholen sich die Bestände und heute leben mehr Saigas in Kasachstan als in den vergangenen 30 Jahren. Unser Projektpartner ACBK (Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan) leistet zu diesem Erfolg einen entscheidenden Beitrag. Die Kolleginnen und Kollegen von ACBK überwachen im Rahmen des Großprojekts Altyn Dala Conservation Initiative die Populationsentwicklung genau und führen im Auftrag der kasachischen Regierung jährliche Zählungen durch.

Bei Zählungen auf so riesigen Flächen wie den zentralkasachischen Steppen kann nur ein Teil der Gesamtpopulation und nicht jedes einzelne Tier gezählt werden. Trotzdem lässt ich anhand dieser Zählungen mithilfe standardisierter Methoden die Gesamtpopulation in guter Näherung errechnen. Da die Methodik über die Jahre konstant ist, erlaubt sie eine sehr zuverlässige Einschätzung der Populationstrends.

In arbeit: Atlas der Huftierwaderungen

Neben den Saiga-Antilopen in Kasachstan gibt es noch eine Reihe weiterer Huftierarten auf der Erde, deren Herden riesige Wanderungen unternehmen, zum Beispiel die Gnus in Tansania und die Karibus in Nordamerika.

Die Globale Initiative für Huftierwanderungen (GIUM), ein 92-köpfiges Team aus Wissenschaft und Naturschutz, arbeitet daran, einen Atlas der Huftierwanderungen der Erde zu erstellen. Detailliertes Kartenmaterial soll die Huftierwanderungen abbilden und den entscheidenden Personen in Politik, Planung und Verwaltung, aber auch Anwohnern, die nötigen Informationen liefern, damit Bauvorhaben künftig mit Rücksicht auf die Huftierwanderungen geplant werden können. Zäune, Straßen und Bahntrassen stören oder zerschneiden häufig die Wanderrouten. Das kann das Ende der Wanderungen bedeuten und zum Zusammenbruch von Huftierpopulationen und in der Folge sogar der Ökosysteme führen. Nur wenn wir ein klares Bild ihrer Wanderungen haben, können wir Huftiere effektiv schützen.

In der Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science vom 7. Mai stellte die GIUM-Initiative, zu der auch mehrere ZGF-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören, ihre Pläne für den Global Atlas of Ungulate
Migrations vor: Mapping out a future for ungulate migrations | Science (sciencemag.org)

Wandert weite Strecken: die Saiga. © Daniel Rosengren / FZS

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