Ein Ersatz für Palmöl-Plantagen in Indonesien

Mehrere Kleinbauern, die am Rande des Bukit-Tiga-Puluh-Nationalparks in Indonesien leben, wollen nicht weiter Ölpalmen, sondern ökologisch verträglichere Alternativen anpflanzen, die auch wirtschaftlich einen Mehrwert bieten – mit Unterstützung der ZGF. Auch wenn diese Umstellung Zeit braucht, die Farmer sind überzeugt, das sich der Aufwand lohnt.

18.01.2022, Endah Wahyu und Katharina Hensen

Paiman ist Farmer und heute Morgen ist er besonders beschäftigt. Er will sein Ziel erreichen, 1.000 Gamalbaum-Setzlinge (Gliricidia sepium) anzupflanzen. Gamalbäume werden als Schattenspender für andere Pflanzen genutzt, z. B. für Vanille. Paiman setzt sie zwischen die Ölpalmen, die er bald ausgetauscht haben möchte. „Im Januar 2022 will ich meine Vanille komplett angepflanzt haben.“

Er ist einer von 17 Farmern, die in der Gegend von Delima Nutzpflanzen anbauen. Delima gehört zur Provinz Jambi und liegt außerhalb des Bukit-Tiga-Puluh-Nationalparks. Dort leben Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae), Sumatra-Elefanten (Elephas maximus sumatrensis) und Sumatra-Orang-Utans (Pongo abelii). Doch Abholzung, Rodungen und die Anpflanzung riesiger Plantagen haben dazu geführt, dass der Lebensraum dieser drei bedrohten Arten in den letzten 30 Jahren immer kleiner wurde.

Der Bukit-Tiga-Puluh-Nationalpark in Indonesien © Daniel Rosengren
Eine Kamerafalle hat in Bukit Tiga Puluh in Indonesien zwei Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae) fotografiert. © FZS Sumatra
Ein Sumatra-Elefant (Elephas maximus sumatrensis) in Bukit Tiga Puluh, Indonesien © Daniel Rosengren
Ein Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii) schwingt im Bukit-Tiga-Puluh-Nationalpark von Baum zu Baum. © Daniel Rosengren

Palmöl

„Wir wussten vorher gar nicht, dass Palmölplantagen so schädlich für die Umwelt sind“, sagt Paiman.

Das Land, auf dem er die anderen Kleinbauern Ölpalmen pflanzten, war gerodet worden und lag brach. Solche Rodungen finden in Indonesien schon lange statt. Zwischen 1985 und 2007 wurde die Hälfte der Wälder auf der Insel Sumatra abgeholzt.

Palmöl ist ein sehr profitables Handelsgut, die Nachfrage ist riesig. Weltweit wird es für die Produktion von diversen Produkten verwendet, etwa Kosmetik, Druckertinte und Reinigungsmittel. Und es ist in unzähligen Nahrungsmitteln enthalten, wie zum Beispiel Margarine, Kekse und Schokolade.

Kleinbauern auf Sumatra können auch mit anderen, weniger umweltschädlichen Nutzpflanzen als Ölpalmen ein Einkommen erzielen. „Aus diesem Grund möchten wir eine Alternative bieten und den Farmern ermöglichen, von Monokulturen auf sogenannte Polykulturen und „Agroforstwirtschaft“ umzustellen“, erklärt Dr. Peter Pratje, Leiter des ZGF-Sumatra-Programms.

Neue Lösungen

In der Agroforstwirtschaft werden Waldbäume und landwirtschaftliche Nutzpflanzen miteinander kombiniert. In sogenannten Polykulturen wachsen verschiedene Arten von Bäumen und Pflanzen nebeneinander auf demselben Stück Land. Mit diesen Methoden wird das Land bestmöglich genutzt und seine ökologischen Funktionen bleiben erhalten.

Vanillepflanzen beispielsweise sind Reben. Diese brauchen eine Stützpflanze, die ihnen Schatten spendet, um zu wachsen. Darum werden sie gemeinsam mit schnellwachsenden Gamalbäumen angepflanzt. Ein lebendes Beispiel, wie Agroforstwirtschaft und Polykultur kombiniert werden können.

Paiman beim Pflanzen der Gamalbaum-Setzlinge. In 15 bis 20 Tagen werden sie belaubt sein. © Kwan William
Gamalbäume und Vanillepflanzen in einer Agroforstparzelle, die die Kleinbauern aus der Umgebung des Bukit-Tiga-Puluh-Nationalparks angelegt haben. © Endah Wahyu Sulistiant
Junge Pflanzen in einer Baumschule, die von den Kleinbauern nahe Bukit Tiga Puluh verwaltet wird © Endah Wahyu Sulistiant

Einkommen erzielen

Pflanzen anzubauen, die sich für die Agroforstwirtschaft eignen, soll den Kleinbauern ein stabiles Einkommen ermöglichen, weil sie die unterschiedliche Pflanzen verkaufen können und nicht auf den Ertrag einer Sorte angewiesen sind. Falls eine Sorte ausbleibt, können sie auf eine andere zurückgreifen. Und weil jede Nutzpflanze zu einer anderen Zeit ihm Jahr reif wird, haben die Farmer stetige Einnahmen.

Arbeiten mit den Kleinbauern

Zwar sind die Farmer jetzt von der Methode überzeugt, doch aller Anfang war schwer. Die Kleinbauern waren es gewöhnt, Ölpalmen anzubauen und haben sich keine Gedanken darüber gemacht, ob es bessere Alternativen gibt. Um den Stein ins Rollen zu bringen, gingen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Community Development Teams der ZGF Indonesien von Tür zu Tür und sprachen mit den Menschen über das neue Programm. Manchmal verbrachten sie sogar mehrere Tage bei den Farmern, um ihr Vertrauen zu gewinnen und ihre Bedenken besser zu verstehen.

Dieser Aufwand hat sich gelohnt: „Bis meine Ölpalmen in zehn Jahren keine Erträge mehr bringen, hoffe ich, dass die Agroforst-Plantage soweit ist, uns wirtschaftlich zu unterstützen“, sagt Paiman.

Die Farmer bringen das Projekt voran

Paiman war einer der ersten Kleinbauern, die sich entschieden haben, dieses alternative Landwirtschaftsprogramm zu testen. Und er stellt zwei Hektar Land, das ursprünglich für Ölpalmen vorgesehen war, als Demonstrationsfläche zur Verfügung, auf der die ZGF eine Baumschule und Beete für die Aussaat von Vanille angelegt hat. Hier werden Samen zu Setzlingen und jungen Pflanzen herangezogen, die dann auf den Feldern angepflanzt werden.

Inzwischen haben die Kleinbauern zusammen mit der ZGF eine Waldbauernvereinigung gegründet. 17 Farmer aus der Region Delima haben sich dieser Gruppe angeschlossen. Sie wollen sich gegenseitig unterstützen und Erfahrungen austauschen, zum Beispiel wenn es darum geht, wie man beim Ein- oder Verkauf von Waren geschickt verhandelt oder wie sie die Erträge ihrer Nutzpflanzen steigern können. Auch die Pflanzen in den Baumschulen teilen die Farmer gleichmäßig auf.

Zukunftspläne

Die Samen auf der Testfläche sind aufgegangen und wachsen. Im Dezember 2020 waren 3.000 Vanillesamen gesät worden, heute, ein gutes Jahr später, sprießen 24.000 Vanillesetzlinge. Einige von ihnen hat Paiman heute Morgen angepflanzt. Und auch 50.000 Waldpflanzen wachsen heute in der Gärtnerei.

Während die Samen aufgehen, bereiten Paiman und seine Kollegen ihr Land für die Setzlinge vor. Die Testfläche soll erweitert und von der Gemeinde der Kleinbauern verwaltet werden. Die Männer wollen das natürliche Potenzial des Bodens nutzen, um biologische Produkte zu erzeugen, anstatt Chemikalien und Düngemittel einzusetzen. Das FZS-Team hofft, dass die Kleinbauern mit der Zeit wirtschaftlich von der Agroforstwirtschaft profitieren und gleichzeitig ihre Umwelt schützen können.

Die Arbeit der ZGF mit Kleinbauern für den Aufbau naturverträglicher Landnutzungssysteme wird von der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative IKI des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) über die KfW Entwicklungsbank kofinanziert.

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