Bukit Tiga Puluh heißt übersetzt „30 Hügel“ und liegt im Zentrum der indonesischen Insel Sumatra. Die Landschaft gehört wie die ganze Insel zum globalen Biodiversitäts-Hotspot Sunda-Inseln (Sundaarchipel) mit besonders hohem Artenreichtum und vielen Pflanzen- und Tierarten, die nirgendwo sonst auf der Erde vorkommen.

Die Hügel der Landschaft von Bukit Tiga Puluh sind als Nationalpark ausgezeichnet, umgeben ist dieser von besonders wertvollem Tieflandregenwald. Insbesondere die Sumatra-Elefanten bevorzugen das flache Terrain außerhalb des Parks, aber auch bedrohte Arten wie Orang-Utans und Tiger, die vielerorts bereits ausgerottet wurden, sind in Bukit heimisch. In den Wäldern leben ebenfalls indigene Volksgruppen, die von dem abhängig sind, was der Wald hergibt.

Quick Facts
  • Projekt: Naturschutzprogramm Bukit Tiga Puluh
  • Fläche Bukit Tiga Puluh Nationalpark : 1.450 km²
  • Fläche Projektgebiet: 3.950 km²
  • Programmleiter: Dr. Peter Pratje
  • Projektbeginn: 2000
Ein kleiner Fluss im Sumatra-Orang-Utan-Rettungszentrum, in Bukit Tiga Puluh, Sumatra, Indonesien. © Daniel Rosengren
Der Sumatra Orang-Utans (Pongo abelii) wird von der Weltnaturschutzunion IUCN als "Vom Aussterben bedroht" gelistet. Weltweiten Schätzungen zufolge leben heute nur noch etwa 14.600 Individuen. Etwa 175 Tiere wurden in Bukit bereits ausgewildert. © Daniel Rosengren
FZS-Mitarbeiter der Wildlife Protection Unit trackt Elefanten per Telemetrie. In der Nähe des Bukit Tiga Puluh Nationalparks, Sumatra, Indonesien. © Daniel Rosengren
Mit mehr als 60 Froscharten gehört Bukit zu den hochrangigen Gebieten für Frosch Biodiversität, 40 Prozent der derzeit bekannten Amphibienarten von Sumatra wurden bisher dort entdeckt. © Daniel Rosengren
Die ZGF unterstützt Frauen in einem lokalen Dorf in der Nähe des Bukit Tigapuluh Nationalparks mit einem Mikrofinanzprojekt. Dieses funktioniert im Grunde wie eine kleine Bank, die von den Frauen selbst geführt wird. Sie können Kredite für Geschäftsgründungen oder den Kauf von Vorräten aufnehmen. © Daniel Rosengren
Der Sumatra-Elefant (Elephas maximus sumatranus) wird von der Weltnaturschutzunion IUCN als "Vom Aussterben bedroht" klassifiziert. Etwa 140 Tiere leben in Bukit, weltweit gibt es nur weniger als 1500 Tiere, vermutlich sogar nur 1000 Tiere. © Daniel Rosengren
Ein junger Orang-Utan wird von einer Trainerin in die Dschungelschule gebracht. Bevor sie freigelassen werden, müssen Orang-Utans verschiedene Fähigkeiten erlernen. © Daniel Rosengren
Unsere Botaniker suchen nach Früchten und Nahrungspflanzen für die Orang-Utans in der Dschungelschule. © Daniel Rosengren
Der Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae) wird von der Weltnaturschutzunion IUCN als "Vom Aussterben bedroht" klassifiziert. Etwa zehn Prozent der weltweiten Sumatra-Tigerpopulation leben in Bukit. © Kamerafalle
Ein Juwelenkäfer © Daniel Rosengren
Der Blick über den Bukit Tiga Puluh National Park von einem hohen Hügel in der Nähe des Sumatra Orang-Utan Rescue Centre, Sumatra, Indonesien. © Daniel Rosengren
Umweltbildung ist Teil unseres Projekts. Mobile Teams reisen zu Schulen rund um den Bukit Tigapuluh-Nationalpark, um Kindern die Bedeutung der Natur zu vermitteln. © Daniel Rosengren

Das tun wir in Bukit Tiga Puluh

Unser Projektfokus ist der Schutz der Tieflandregenwälder in Bukit Tiga Puluh. Sie sind Voraussetzung für die Überlebenschance der Sumatra Orang-Utans, Sumatra-Elefanten und Sumatra-Tiger, deren Bestand in den letzten Jahrzehnten durch Wilderei und Lebensraumzerstörung drastisch dezimiert wurde.

Zusammen mit unserer nationalen Partnerorganisation Konservasi Ekosistem Hutan Sumatera (KEHUS, übersetzt „Schutz des Sumatra Waldökosystems“) und den indonesischen Behörden helfen wir dabei, die verbliebenen Waldflächen vor Brandrodung und Abholzung für die Umwandlung in Ölpalm- und Akazienplantagen zu schützen.

Orang-Utan-Auswilderung

Sumatra-Orang-Utans (Pongo abelii) sind vom Aussterben bedroht. Schätzungen zufolge leben heute nur noch etwa 14.600 Individuen im Norden Sumatras. Der dramatische Bestandsrückgang in den letzten Jahrzehnten beruht primär auf der Zerstörung des natürlichen Lebensraums.

In unserem Orang-Utan-Wiederansiedlungsprojekt arbeiten wir mit der Schweizer Naturschutzorganisation PanEco und der indonesischen Stiftung Yayasan Ecosistem Lestari (YEL) zusammen. Gemeinsam betreiben die beiden Partner in Nordsumatra (Medan) eine Quarantänestation. In dieser Station werden konfiszierte Tiere, die aus illegaler Gefangenschaft befreit oder von gerodeten Flächen gerettet wurden, medizinisch untersucht und versorgt. Sobald die Tiere alt genug für das Training im Wald sind, kommen sie nach Bukit Tiga Puluh in unsere Dschungelschule, wo sie auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden.

Nach ihrer Freilassung begleiten wir die Tiere noch in den ersten Monaten, um eine erfolgreiche Anpassung zu dokumentieren. Dabei sammeln wir Daten zu ihrem Verhalten und lernen mehr über diese charismatischen Menschenaffen. Unser großes Ziel ist es, eine neue „wilde“, überlebensfähige Population in Bukit aufzubauen, jenem Ort, wo diese Art einst historisch vorkam.

Wildtier-Monitoring

In unserem Monitoring-Programm stehen besonders die gefährdeten charismatischen Großsäuger Orang-Utans, Waldelefanten und Tiger der Region Bukit Tiga Puluh im Fokus:

  • Täglich begleiten unsere Scouts freigelassene Orang-Utans (Pongo abelii) beim Start in ihr neues Leben in den Wäldern Bukits. Dabei sammeln wir Daten und helfen im Notfall. Diese Betreuung verbessert die Überlebenschance der Tiere von der Dschungelschule zu einem eigenständigen Leben in der Wildnis erheblich.
  • Die etwa nur noch 140 vorkommenden Sumatra-Elefanten (Elephas maximus sumatranus) in Bukit Tiga Puluh werden von unserer Wildtierschutzeinheit beobachtet. Dabei geht es nicht nur um das Sammeln von Tierdaten, sondern auch darum, Konflikten mit Kleinbauern vorzubeugen. Damit die fünf Elefantenherden und allein umherstreifende Elefantenbullen besser verfolgt werden können, sind einzelne Tiere besendert. Siehe auch Zusammenleben zwischen Wildtier und Mensch.
  • Etwa zehn Prozent der weltweiten Sumatra-Tigerpopulation (Panthera tigris sumatrae) lebt in Bukit Tiga Puluh. Diesen Nachweis erbringen wir mit einem seit 2012 laufenden Monitoringprogramm mit Kamerafallen. Anhand von individuellen Streifenmustern erfassten wir seither 32 erwachsene Tiere und fünf Jungtiere in unserer Tigerdatenbank.

Der Einsatz von Kamerafallen ist für das ZGF-Team in Bukit eine der besten Methoden, scheue Wildtiere im dichten Dschungel zu erfassen. Unsere 35 Kameras werden durch Wärme- und Bewegungssensoren ausgelöst und liefern durchschnittlich etwa 3.000 Bilder pro Monat und auch Videos. Wir fotografieren regelmäßig etwa 35 verschiedene mittelgroße Säuger. Vier dieser Arten sind nach der Roten Liste der Weltnaturschutzunion vom Aussterben bedroht (so auch das Malaiische Schuppentier Manis javanica), vier gelten als „stark gefährdet“ (z. B. Schabrackentapir (Tapirus indicus) und Otterzivette (Cynogale bennettii)) und 13 als „gefährdet“ oder „potenziell gefährdet“.

Mit den Bildern aus den Kamerafallen haben wir ein Buch zusammengestellt, das die Tierwelt in Bukit Tiga Puluh beschreibt. Dieses Buch ist auf Englisch und in Indonesisch erschienen.

Zusammenarbeit mit den Gemeinden

Für ein intaktes Ökosystem ist das Wohlergehen und die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung unabdingbar. Mit unserem Umweltbildungsprogramm erreichten wir zwischen 2009 und 2015 33 Gemeinden, die an den Park angrenzen. Anschließend erreichten wir die Aufnahme der Umweltbildungsthemen in die Lehrpläne der Schulen.

Heute ist die Zusammenarbeit mit den Kleinbauern der Tätigkeitsschwerpunkt unserer Arbeit mit den Gemeinden. In einer ‘Grünen Schule‘ informieren, beraten und unterrichten wir Berufsschülerinnen und -schüler und Kleinbauern in ökologischem Waldfeldbau. Eine Demonstrationsfläche ermöglicht praxisnahe Ausbildung und zeigt auf, welche Möglichkeiten es gibt, naturverträglich und ohne Abholzung ein Einkommen zu erwirtschaften. Das Projekt macht bereits Schule und befindet sich im Ausbau.

Vorbeugung und Entschärfung von Mensch-Wildtier-Konflikten

Der massive Lebensraumverlust sorgt immer häufiger dafür, dass die vom Aussterben bedrohten Sumatra-Elefanten (Elephas maximus sumatranus) in die Felder der umliegenden Dörfer eindringen, um nach Nahrung zu suchen. Die Naturschutzbehörde erhält regelmäßig die Daten zu allen Mensch-Elefanten-Konflikten und zu Verbreitung und Wanderverhalten der Tiere.

Ein von der ZGF gefördertes Team unterstützt die Bevölkerung dabei, Elefanten aus den Feldern zu vertreiben und diese vor Ernteverlusten zu schützen. Seit 2012 betreibt die ZGF ein Frühwarnsystem. dafür nötig ist die Besenderung von Elefanten, um die Wanderungen der Herden in Echtzeit zu verfolgen und Bauern rechtzeitig zu warnen. Dem Informationsnetzwerk sind mehr als 250 Kleinbauern angeschlossen. Zudem bietet die ZGF regelmäßige Trainings zur Handhabung von Abschreckungsmethoden an sowie finanzielle Unterstützung beim Bau von Elefantenschutzzäunen.

Mensch-Orang-Utan-Konflikte treten nur selten auf und wenn, dann meist am Waldrand oder in kürzlich umgewandelten Flächen. Unsere Scouts untersuchen alle gemeldeten Fälle, um festzustellen, ob ein Eingreifen notwendig ist oder eine Kompensation für den Schaden erfolgen muss. In den meisten der rund zehn gemeldeten Fälle pro Jahr befinden sich die Orang-Utans nur in der Nähe von Feldern und verursachen keine nennenswerten Schäden.

Aktuelles aus Indonesien

  • Peter Pratje rettet Orang-Utans in Indonesien (br.de)

  • Homeschooling – auch für Orang-Utans ist plötzlich alles anders

  • Eine Art in großer Gefahr (FAZ.net)

Partner

Erfolgreicher Naturschutz ist immer Teamarbeit. In allen Projekten arbeiten wir mit den nationalen Behörden, den zuständigen Schutzgebietsverwaltungen, nationalen Naturschutzorganisationen, Geberorganisationen und mit den örtlichen Gemeinden.

  • Disney Conservation Fund (USA)
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)
  • Fondation Segré
  • International Elephant Project (Australien)
  • KfW
  • PanEco
  • Perth Zoo
  • The Orangutan Project (TOP)
  • Tierpark Hellabrunn München
  • U.S. Fish & Wildlife Service
  • WWF Deutschland
  • WWF U.S.
  • Yayasan Ecosistem Lestari
  • Yayasan Konservasi Ekosistem Hutan Sumatera
  • Zoo Dresden
  • Kementerian Lingkungan Hidup dan Kehutanan
  • Zoo Frankfurt
Partner anzeigen

Projektentwicklung

Unser Partner KEHUS unterstützt die Forstbehörde beim Schutz einer 12.000 Hektar großen Waldfläche südöstlich vom Bukit-Tiga-Puluh-Nationalpark.

2020

Orang-Utan Senja wird geboren. Das ist die 10. registrierte Freilandgeburt im Bukit-Tiga-Puluh-Nationalpark.

2018

Lokale Partner übernehmen das Managementrecht für eine besondere Forstkonzession für 60 Jahre, diese hat die Auflage, die Konzessionsfläche langfristig zu erhalten, indem Waldbereiche geschützt und regeneriert werden. Die ZGF unterstützt das Vorhaben.

2015

ZGF unterstützt die Gründung der indonesischen Stiftung Yayasan Konservasi Ekosistem Hutan Sumatera (KEHUS) mit dem Ziel, wertvolle Ökosysteme für Wildtiere zu erhalten.

2014

Das Monitoring-Programm für Sumatra-Tiger startet. Mit Kamerafallen werden Individuen systematisch erfasst.

2012

Orang-Utan Nummer 150 wird in Bukit Tiga Puluh in die Freiheit entlassen.

2012

Das ZGF-Programm zum Schutz des vom Aussterben bedrohten Sumatra-Elefanten (Elephas maximus sumatranus) startet.

2010

Die Dschungelschule, das Open Orangutan Sanctuary (OOS), wird eröffnet.

2009

Das ZGF-Umweltbildungsteam besucht regelmäßig Schulen und Gemeinden und motiviert so alle Generationen ihre Umwelt zu schützen.

2009

Wir erweitern unsere Naturschutzarbeit. Der Schutz des Landschaftsraums Bukit Tiga Puluh wird unser Arbeitsfokus.

2008

Das erste Mal seit Beginn unseres Projekts wird ein Orang-Utan in der Wildnis von Bukit Tiga Puluh geboren.

2005

Scouts beginnen regelmäßig zum Schutz der Orang-Utans und anderer Wildtiere in Bukit Tiga Puluh zu patrouillieren.

2004

Der erste Orang-Utan verlässt unsere Auswilderungsstation, um in der Wildnis von Bukit Tiga Puluh zu leben.

2003

Erste Orang-Utan-Auswilderungsstation (SORC) in Sungai Pengian eröffnet.

2002

Bukit Tiga Puluh wird als geeigneter Standort für eine Wiederansiedlung einer Orang-Utan-Population identifiziert.

2000

Kontakt

Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V.
Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt

Telefon: +49 (0)69 - 94 34 46 0
Fax: +49 (0)69 - 43 93 48
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