Spitzmaulnashörner kehren zurück in den Gonarezhou-Nationalpark

Fast drei Jahrzehnte lang gab es keine Spitzmaulnashörner mehr im Gonarezhou-Nationalpark in Simbabwe. In diesem Sommer hat der Gonarezhou Conservation Trust 29 Tiere wieder erfolgreich in den Park zurückgebracht.

22.09.2021, Dagmar Andres-Brümmer
Ein sediertes Nashorn wird am Ursprungsort für den Transport vorbereitet. Enge tierärztliche Überwachung während der gesamten Zeit ist sehr wichtig.
Ist das Nashorn sediert, wird es mit Wasser besprüht, um es kühl und den Kreislauf stabil zu halten.
Ein Nashorn zu verladen ist Schwerstarbeit und erfordert ein erfahrenes und gut eingespieltes Team.
Alle Nashörber wurden per LKW nach Gonarezhou transportiert.
Angekommen in Gonarezhou. Ein Nashorn wird entladen.
Die ersten Wochen verbringen die Neuankömmlinge in einem Gehege.
Eingewöhnung in der Boma unter steter Überwachung durch die Nashonrexpertin.
Nach der Eingewöhnungsphase wird die Boma-Tür geöffnet und das Nashorn kann in die Wildnis wandern.

1994 wurde das letzte Nashorn im Gonarezhou-Nationalpark gewildert. Es war das Ende der Spitzmaulnashörner in dem im Süden von Simbabwe und an der Grenze zu Mozambique gelegenen Park. Und das schon zum zweiten Mal. Bereits in den 40er-Jahren war die ursprüngliche Nashornpopulation von Gonarezhou ausgerottet worden, durch Wilderei aber auch aufgrund von übermäßiger Jagd. 1969 und 1977 unternahm man eine aufwändige Wiederansiedlung von insgesamt 77 Tieren, die über die Jahre zu einer ansehnlichen Population von 140 Tieren heranwuchsen. Doch die große Wildereiwelle, die dann in den 1980er-Jahren durch ganz Afrika rollte, machte erneut alles zunichte. Kein einziges Nashorn in Gonarezhou überlebte das große Schlachten jener Zeit.

Jetzt gibt es erneut Hoffnung für die Nashörner. In diesem Sommer wurden insgesamt 29 Spitzmaulnashörner aus drei anderen Populationen in Simbabwe nach Gonarezhou gebracht und gewöhnen sich dort gerade sehr gut ein.

Von langer Hand geplant

Eine solche Wiederansiedlung ist aufwändig, kostspielig und bedarf einer guten Vorbereitung, und zwar über viele Jahre hinweg. Bereit 2007 hat die Zoologische Gesellschaft Frankfurt damit begonnen, den Nationalpark zu unterstützen, seit 2012 ist die ZGF gemeinsam mit der

Nationalparkbehörde Zimbabwe Parks and Wildlife Management Authority der Träger des Gonarezhou Conservation Trust (GCT). Dieser Trust wiederum ist für den Park verantwortlich und hat ihn über die letzten Jahre in einen sicheren Hafen für Nashörner ausgebaut.

In riesigen, stabilen Transportboxen aus Metall rumpelten seit Mai die Tieflader mit den Neuankömmlingen nach Gonarezhou. Über holprige Straßen und unbefestigte Pisten wurden die Tiere über viele Stunden hinweg aus drei privaten Schutzgebieten in ihre neue Heimat gefahren, begleitet von einem ganzen Stab an Tierärzten, Tierpflegerinnen und Ökologen.

15 der Tiere stammen aus der Bubye Valley Conservancy, zehn aus der Malilangwe Wildlife Reserve und vier von der Savé Valley Conservancy. Diese drei sind zurzeit die einzigen Populationen im Land, die stabil genug dafür sind, Nashörner abzugeben. Jetzt besteht die Chance, dass aus diesen drei isolierten Populationen ein neuer gesunder Bestand in Gonarezhou heranwächst.

 

„Nach 27 Jahren kommen die Nashörner zurück in den Gonarezhou-Nationalpark.“

Hugo van der Westhuizen, Leiter des Gonarezhou Conservation Trust

In der neuen Heimat

In Gonarezhou angekommen, mussten die Tiere zunächst in eine Boma, ein stabiles, mit Holstämmen umzäuntes Freigehege. Dort gewöhnten sie sich ein und wurden mit den neuen Gerüchen und Geräuschen der Umgebung vertraut. Nach einigen Wochen konnten die Tiere, einer nach dem anderen, in die Freiheit entlassen werden.

Der erste war Kahya, ein dominanter Bulle. Den Namen ausgesucht hatte Nqobizitha Mangaliso Ndlovu, der simbabwische Minister für Umwelt, Klimawandel und Tourismus. „Kahya“ bedeutet „Heimat“ und soll zum Ausdruck bringen, dass die Spitzmaulnashörner nach Hause in den Gonarezhou-Nationalpark zurückgekehrt sind.

Die Nashörner sind nun alle in einem sehr großen aber mit einem Zaun umgebenen Gebiet im Herzen des Parks. Dieser ist für andere Wildtiere durchlässig, erleichtert den Rangern aber die Überwachung der Nashörner. Ein lückenloses Monitoring der Tiere ist einerseits erforderlich, um zu sehen wie deren Eingewöhnung in der neuen Umgebung klappt, andererseits um sicherzustellen, dass die Nashörner vor Wilderern sicher sind.

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Der Gonarezhou Conservation Trust GCT ist eine innovative Partnerschaft zwischen der Nationalparkbehörde Simbabwes (Zimbabwe Parks and Wildlife Management Authority) und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, die gemeinsam für das Management des Gonarezhou-Nationalparks verantwortlich sind.

Der Gonarezhou-Nationalpark im südöstlichen Lowveld Simbabwes ist knapp 5.000 Quadratkilometer groß und zeichnet sich durch spektakuläre Landschaften aus, wie die Chilojo Klippen, breite mäandernde Flüsse und ausgedehnte Waldgebiete. Der Park, der zum Great Limpopo Transfrontier Park gehört, einem der größten Schutzgebiete des afrikanischen Kontinents, ist die Heimat von etwa 11.000 Elefanten.

Kontakt

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