Aussterben? Nein, danke! Die Erholung der Saiga-Antilopen-Bestände

Die von Natur aus kleinen und scheuen Saiga-Antilopen mit ihren rüsselartigen Nasen wirken fast wie unwahrscheinliche Überlebende der letzten Eiszeit. Tatsächlich haben sie bis heute überlebt, während Mammuts und andere ihrer Zeitgenossen längst ausgestorben sind. Das letzte Rückzugsgebiet dieser Tierart ist inzwischen das ausgedehnte Steppenökosystem Kasachstans, in dem etwa 99 % der weltweiten Saiga-Population leben.  

Saigas und Menschen leben seit Tausenden von Jahren nebeneinander. Historisch gesehen waren die Antilopen eine wichtige Nahrungsquelle und lieferten Felle für die Menschen in den Steppen, wobei nicht mehr Tiere gejagt wurden, als die Population verkraften konnte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er Jahren begannen Wilderer jedoch damit, Jagd auf männliche Saigas zu machen, um ihre Hörner auf dem Markt für traditionelle chinesische Medizin zu verkaufen. Das Ausmaß der unerbittlichen Jagd, aber auch weitere Faktoren wie Krankheiten und die Zerstückelung des Lebensraums durch die Entwicklung des Landes brachten die Saiga fast an den Rand des Aussterbens. Dies war für die ZGF der Grund, sich für ihren Schutz einzusetzen, was schließlich, gemeinsam mit weiteren Partnern, in die Gründung der Altyn Dala Conservation Initiative (ADCI) mündete. Deren Ziel ist es, die Graslandschaften Kasachstans als Ganzes zu erhalten und wiederherzustellen und damit die Saigas zu retten, bevor es zu spät ist.  

Denn zuvor war die Zahl der Saigas innerhalb von nur zehn Jahren um mehr als 95 % auf 21.000 Tiere im Jahr 2003 gesunken – der schnellste Rückgang, der jemals bei einer großen Säugetierart verzeichnet wurde. Ebenso historisch war ihre Erholung, nachdem Naturschutzmaßnahmen eingeleitet wurden: Heute leben in Kasachstan mehr als 3 Millionen dieser besonderen Antilopen, und ihr Schutzstatus wurde von „vom Aussterben bedroht“ auf „potenziell gefährdet“ herabgestuft.

Mit ihren charakteristischen Knollen-Nasen sind die Saigas gut an die extremen Bedingungen der Steppe angepasst. Wenn die Temperaturen im Winter auf –40 Grad Celsius fallen, wird die eingeatmete, kalte Luft bereits in der Nase angewärmt. In den heißen, trockenen Sommern dagegen, in denen die Temperaturen sogar die 40 Grad Celsius übersteigen können, helfen die Nasen dabei, den Staub aus der Atemluft zu filtern.
Die Wilderei ist eine der größten Bedrohungen für die Saigas. Denn leider lassen sich für das Horn der männlichen Tiere auf dem Schwarzmarkt für traditionelle chinesische Medizin gute Preise erzielen.
Vermessungen aus der Luft sind unabdingbar, um die Bestandsgrößen sowie den Aufenthaltsort der Saiga-Antilopen zu bestimmen. Die Methodik stützt sich auf die Erfahrungen mit Zählungen von Säugern in der Serengeti und ist ein Beispiel für Synergien zwischen unterschiedlichen ZGF-Programmen rund um die Welt.
Während der kalten Jahreszeit verschmelzen die Saigas quasi mit ihrer Umgebung – dank ihres wunderschönen, weißen Winterfells.
Saigas legen pro Jahr mehr als 1.000 Kilometer zurück. Für ihre Wanderrouten benötigen sie große, miteinander verbundene Gebiete – genauso wie es sie in der kasachischen Steppe gibt.
Die Bewegungsdaten der besenderten Saiga-Antilopen fließen in den “Central Asian Mammals Migration and Linear Infrastructure Atlas” ein. Dabei handelt es sich um ein frei zugängliches Instrument, das den Schutz wandernder Tierarten in grenzüberschreitenden Landschaften unterstützen soll.
Wann immer es möglich ist, machen wir Schleimhautabstriche und entnehmen Proben, um mehr über den Gesundheitszustand und das Mikrobiom der Antilopen zu erfahren.
Ranger und Wissenschaftler basieren ihre Patrouillen und Forschungsaktivitäten auf den Bewegungsdaten der Saigas.
Die Fortpflanzungsrate der Saiga-Antilopen ist außergewöhnlich hoch. Weibliche Tiere gebären bereits im Alter von einem Jahr zum ersten Mal und haben üblicherweise zwei Junge.
Saigas sind anfällig für verschiedene übertragbare Krankheiten. Ein heftiger Ausbruch von Pasteurellose hat 2015 und 2016 einen hohen Tribut gefordert. Tiermediziner führen vor Ort Untersuchungen durch, um die Krankheit und ihre Auswirkungen auf Wild- und Nutztiere in der Gegend zu verstehen.
Während der Kalbzeit sammelt unser Team Daten zum Geburtsgewicht der neugeborenen Saigas. Außerdem erhalten die Tiere Ohrmarken, damit sie auch Jahre später noch identifiziert werden können.
Da die Saiga-Bestandsgrößen weiter wachsen, werden auch die Stimmen lauter, die Jagdgenehmigungen fordern. Einen nachhaltigen Umgang mit dieser Entwicklung zu finden wird die Zukunft der Saiga-Antilopen in der “Goldenen Steppe” entscheidend prägen.

Warum sind die Saiga-Antilopen so gefährdet?

Die Hörner der Saigas, die nur bei Männchen vorkommen, sind in der traditionellen chinesischen Medizin sehr begehrt. Organisierte Banden kommerzieller Wilderer können jedes Jahr Tausende männlicher Saigas erlegen, was zu einem unausgewogenen Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Tieren und einer daraus resultierenden Verringerung der Fortpflanzung führen kann. 

Illegaler Handel mit Wildtieren

Saigas sind heilige Tiere und werden traditionell von nomadischen Hirten und lokalen Gemeinden als Fleischquelle genutzt. Während der Sowjetzeit gab es eine streng kontrollierte industrielle Nutzung. Illegale, unkontrollierte Jagd kann jedoch zum Aussterben der Art führen, wie in den 1990er Jahren zu beobachten war. 

Jagd

Neue Straßen, Eisenbahnlinien, Grenzzäune und andere künstliche Barrieren durchschneiden die Wanderrouten in einigen Teilen des Lebensraums der Saigas und erschweren es ihnen, das ganze Jahr über die benötigte Nahrung zu finden.

Verlust von Wanderrouten

Unter den ungewöhnlichen klimatischen Bedingungen des Jahres 2015 führte der Ausbruch einer bakteriellen Krankheit zu einem Massensterben in der Saiga-Population. Über 200.000 Saigas, 60 % der weltweiten Population, starben innerhalb eines Monats, was auf tragische Weise ihre Anfälligkeit für Krankheiten verdeutlicht.  

Krankheiten

Da die Saiga-Population weiter wächst, werden auch die Stimmen laut, die Jagdgenehmigungen fordern. Die ZGF unterstützt die dringende Entwicklung nachhaltiger Strategien zum Populationsmanagement, um die Zukunft der Saigas in der „Goldenen Steppe“ zu sichern.

Saiga-Antilopen sind eine wandernde Tierart, die jährlich bis zu 1.000 km zurücklegt. Dazu benötigen sie zusammenhängende Landschaften, um sich sicher zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren zu bewegen. Das Verständnis ihrer räumlichen Präferenzen in weitläufigen Landschaften ist der Schlüssel zu einer wirksamen Unterstützung der Erholung der Saiga-Population. Und so haben wir das geschafft: 

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Der Schutz zusammenhängender Landschaften ist für das Überleben wandernder Tierarten wie der Saiga-Antilope besonders wichtig. Auf der Grundlage umfangreicher Forschungen zu ihren Wanderbewegungen wurden bereits rund 24.000 Quadratkilometer neue Schutzgebiete und ökologische Korridore geschaffen. Daten aus Luftbildvermessungen und von mit GPS-Sendern ausgestatteten Tieren fließen in den „Central Asian Mammal Migration and Infrastructure Atlas” und den Atlas der „Global Initiative on Ungulate Migration” ein. Dies sind wertvolle, frei zugängliche Instrumente zur Unterstützung des Schutzes wandernder Arten in grenzüberschreitenden Landschaften. 

Musik in unseren Ohren

Mithilfe der Komponistin Viktoria Elisabeth Kauzner hat die Saiga-Antilope sogar ihren Weg in die Konzerthallen dieser Welt gefunden.

Kontakt

Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V.
Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt

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