Das Zentrum der Polesie besteht aus einem Netzwerk mehrerer Schutzgebieten, die zusammen eine Million Hektar umfassen. Dennoch sind viele der wertvollsten Gebiete in der Region noch immer ungeschützt. Zum Netzwerk gehören drei Nationalparks und mehrere Naturreservate und Schutzgebiete. In den vier strengen Naturreservaten im ukrainischen Teil der Polesie sind alle wirtschaftlichen Aktivitäten verboten. Die Gebiete dürfen nur für wissenschaftliche Forschung, Monitoring und Bildung genutzt werden. Auch das Sperrgebiet von Tschernobyl in Belarus und der Ukraine, das nach der Reaktorkatastrophe von 1986 entstanden ist, ist weitestgehend unbewohnt und bietet vielen Tieren, vor allem großen Säugetieren wie Elch, Luchs, Wolf und Bär, ein Zuhause.

Die ZGF und ihre Partner schützen die Biodiversität und arbeiten daran, die Habitate der Wildtiere in der Polesie miteinander zu verbinden. Dafür werden auf 100.000 Hektar Wildnis ohne Schutzstatus neue Schutzgebiete geschaffen oder bestehende vergrößert. 2019 wies die Ukraine den 25.000 Hektar großen Nobelskiy-Nationalpark aus. 2021 wurde das Almany-Moor-Schutzgebiet in Belarus um 10.000 Hektar erweitert. Das Almany-Schutzgebiet mit dem größten intakten Durchströmungsmoor Europas ist nun 104.000 Hektar groß (das entspricht etwa der Hälfte des Saarlands). Um die Polesie mehr ins internationale Bewusstsein zu rücken, arbeiten wir daran, sie als UNESCO-Welterbegebiet sowie als Biosphärenreservart zu nominieren.

Quick Facts
  • Projekt: Wildnis ohne Grenzen – Projekt zur Erhaltung der Polesie
  • Länder: Belarus, Ukraine
  • Fläche: 58.000 km²
  • Projektstart: 2002
  • Projektleiterin: Elleni Vendras
  • Webseite: www.wildpolesia.org
  • Twitter: twitter.com/wildpolesia
Remote fieldwork sites in Ukraine’s Pripyat-Stokhid National Park are accessed by boat. © Daniel Rosengren
Studies at the Turov Ringing Station guide the protection of migratory bird habitat. © Daniel Rosengren
Polesia is home to 60% of the world’s remaining Aquatic Warbler population. © Daniel Rosengren
The Pripyat River is one of Europe’s last ‘wild rivers’; its floodplains provide vital habitat for many species. © Viktar Malyshchyts
Fieldwork team studies a map with Pripyat Stokhid National Park ranger to plan camera trap deployment. © Daniel Rosengren
The Pripyat River from the air; the lifeblood of Polesia. © Daniel Rosengren
Project leader, Elleni Vendras, uses a receiver to detect tagged bats and locate their roost trees. © Mikhail Kapychka
Large mammals, like moose, wolves, lynx, and European bison, occur in significant numbers in Polesia. © Sergey Kantsyrenko
Ruffs congregate along the Pripyat River in impressive numbers during their annual migrations. © Daniel Rosengren
Women during a Sula traditional ceremony; Polesia is one of Europe’s most culturally rich regions. © Maryna Batsiukova
The impressive spring floods of the Pripyat have earned Polesia the title of ‘Europe’s Amazon’. © Viktar Malyshchyts
Great Snipe breed on the floodplains of the Pripyat River in the Turov area of Polesia. © Daniel Rosengren

So unterstützen wir die Polesie

Entwicklung des Schutzgebietes

Das Zentrum der Polesie besteht aus einem Netzwerk mehrerer Schutzgebiete, die zusammen eine Million Hektar umfassen. Dennoch sind viele der für die Natur wertvollsten Gebiete in der Region noch immer ungeschützt. Zum Netzwerk gehören drei Nationalparks sowie mehrere Naturreservate und Schutzgebiete. In vier strengen Naturreservaten im ukrainischen Teil der Polesie sind alle wirtschaftlichen Aktivitäten verboten. Diese Gebiete dürfen nur für wissenschaftliche Forschung, Monitoring und Bildung genutzt werden. Auch das Sperrgebiet von Tschernobyl in Belarus und der Ukraine, das nach der Reaktorkatastrophe von 1986 entstanden ist, ist weitestgehend unbewohnt und bietet vielen Tierarten ein Rückzugsgebiet, vor allem großen Säugetieren wie Elch, Luchs, Wolf und Bär.

Die ZGF und ihre Partner schützen die Biodiversität und arbeiten daran, die Lebensräume wandernder Wildtiere in der Polesie miteinander zu verbinden. Dafür werden auf 100.000 Hektar gegenwärtig ungeschützter Wildnis neue Schutzgebiete geschaffen oder bestehende vergrößert – mit Erfolg: 2019 wies die Ukraine den 25.000 Hektar großen Nobelskiy-Nationalpark aus. 2021 wurde das Almany-Moor-Schutzgebiet in Belarus um 10.000 Hektar erweitert. Das Almany-Schutzgebiet mit dem größten intakten Durchströmungsmoor Europas ist nun 104.000 Hektar groß. Um das Herzstück der Polesie mehr ins internationale Bewusstsein zu rücken, arbeiten wir daran, es als UNESCO-Welterbe sowie als Biosphärenreservat zu nominieren.

Wiederherstellung des Ökosystems

Gemeinsam mit Partnern renaturiert die ZGF gegenwärtig über 6.000 Hektar Moore, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts entwässert worden waren. Einzigartige Lebensräume wie Moore und Marschland, die zu den seltensten Landschaften im europäischen Tiefland zählen, wurden durch die Trockenlegung zerstört. In intaktem Zustand sind Sumpfgebiete und Moore wichtige und langfristige Kohlenstoffspeicher. Indem wir diese Gebiete renaturieren, stellen wir auch ihre ökologische und hydrologische Funktion wieder her. Speziell durch die Wiedervernässung der Moore kehrt ihre Eigenschaft als Kohlenstoffsenke zurück und hilft dabei, den Klimawandel zu mildern.

Umweltbildung

Wir wollen bei den Menschen ein Bewusstsein für das Gebiet schaffen, in dem sie leben, und ihr Wissen über die Polesie vergrößern, um sie als aktive Unterstützer für den Schutz ihrer Heimat zu gewinnen. Dafür unterstützen wir Gruppen von Freiwilligen, verstärken lokales Engagement und gehen auf Schulen und Gemeinden zu, um für die Natur und Schutzgebiete zu werben. Wir haben das ‚Caretakers‘ Network‘ ins Leben gerufen, das Freiwilligengruppen vernetzt und vom Projekt unterstützt wird. Die Caretaker sind engagierte Einwohner oder Besucher, die bestimmte Schutzgebiete betreuen und sich in der Öffentlichkeit für Umweltbildung einsetzen. Sie liefern oft wichtige Hinweise zu Vorkommen geschützter Arten, zum Beispiel, indem sie Nester von Greifvögeln melden. Sie informieren auch bei illegalen Aktivitäten in den Schutzgebieten, etwa Abfallentsorgung oder illegalen Lagern von Beerensammlern.

Monitoring des Ökosystems

Die ZGF und ihre Partner identifizieren Gebiete mit hohem Naturschutzwert im Herzen der Polesie sowie Lücken im ökologischen Netzwerk, die als Korridore Schutzgebiete miteinander verbinden könnten. Wir untersuchen und zählen Vögel, Fledermäuse, Schmetterlinge, Fische und Libellen zu unterschiedlichen Jahreszeiten und können so die Größe und Zusammensetzung dieser Gruppen dokumentieren und modellieren. Die gesammelten Daten tragen zur Erweiterung von Schutzgebieten bei. Wir überwachen auch Säugetiere wie Elche, Wölfe und Luchse, die durch die riesigen Flächen der Polesie ziehen. Dafür verwenden wir Kamerafallen, die uns Daten über die Populationsgröße der Arten geben und Informationen darüber, wie sie sich im Gebiet bewegen. Das hilft uns, unsere Aktivitäten zu planen und zu bewerten.

Alternativen zu naturzerstörenden Einkommensquellen

Im Herzen der Polesie liegt Almany, das größte Durchströmungsmoor Europas und der perfekte Lebensraum für Moosbeeren (Cranberries). Jedes Jahr kommen Tausende Menschen aus der Ukraine ins Almany-Moor-Schutzgebiet, um die Beeren zu pflücken. Dieses zunehmende Beerenpflücken wirkt sich negativ auf die Flora und Fauna von Almany aus: Es entstehen illegale Straßen, um Gebiete, in denen besonders viele Beeren wachsen, zugänglich zu machen; vorübergehende Camps werden errichtet, Abfall wird zurückgelassen und die Vegetation zertrampelt. Zu all dem steigt die Gefahr von Bränden.

Sensible Arten, wie der bedrohte Schelladler, werden durch die Anwesenheit der vielen Menschen zum Teil so sehr gestört, dass manche Altvögel ihre Jungtiere verlassen, statt sich weiter um sie zu kümmern. Um diese negativen Einflüsse auf Flora und Fauna sowie illegale Aktivitäten wie das Beerenpflücken zu verringern, entwickeln wir nachhaltige Alternative: Einkommensquellen, die auf umweltfreundlichen Produkten und Dienstleistungen basieren. Mit einer steigenden Anzahl an naturfreundlichen Unternehmen, werden wir zeigen können, dass nachhaltige Einkommensmöglichkeiten positive Auswirkungen auf die Lebensbedingungen vor Ort haben und zugleich die Natur schützen.

Administrative Unterstützung

Viele Schutzgebiete in der Polesie haben veraltete Managementpläne; es fehlt an Ausrüstung und Kenntnissen. Die ZGF und ihre Partner verbessern das Schutzgebietsmanagement und unterstützen die weitere Entwicklung der Gebiete, indem wir Managementpläne entwerfen oder überarbeiten. Neuen und vergrößerten Schutzgebieten stellen wir Ausrüstung zur Verfügung, z. B. Computer, Rangeruniformen, Boote und Motorräder, aber auch Kamerafallen und Geräte zum Wassermonitoring. Mit einer Reihe von Fortbildungen unterstützen wir Weiterbildung und Training für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schutzgebiete sowie örtliche Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger.

Damit Wölfe nicht länger unreguliert gejagt werden, entwickeln wir einen nationalen Managementplan und vergrößern in Belarus die Gebiete, in denen die Jagd verboten ist.

Öffentlichkeitsarbeit

Mitten durch das Herz der Region soll eine 2.000 Kilometer lange schiffbare Wasserstraße entstehen, die das Schwarze Meer mit der Ostsee verbindet. Der Bau der sogenannten ‚E40‘-Wasserstraße würde es nötig machen, bislang unberührte Flüsse auszubaggern, aufzustauen, zu begradigen und zu vertiefen. Riesige Überschwemmungs- und Feuchtgebiete würden zerstört werden, Heimat seltener Tiere und Pflanzen, darunter Adler, Wisente, Bären, Wölfe und Luchse. Das Projekt würde das soziale Gefüge der lokalen Gemeinden zerstören. Außerdem könnte es die Wasserversorgung der Menschen mit gefährlicher Strahlung verseuchen. Die ZGF ist Partner der internationalen Koalition ‚Save Polesia‚, die den Bau der Wasserstraße ‚E40‘ verhindern will. Wir ermutigen die nationalen Regierungen, die lokale und regionale Wirtschaft durch Investitionen in die bestehende Eisenbahninfrastruktur anzukurbeln und das enorme Potenzial für naturbasierten Tourismus in der Polesie zu nutzen

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Meilensteine

Das Almany-Moor-Schutzgebiet in Belarus wird um 10.000 ha erweitert.

2021

Start der größten systematischen Kamerafallenstudie in der Polesie.

2020

Der ukrainische Nobelskiy-Nationalpark wird mit einer Fläche von 25.000 ha ausgewiesen und anschließend von der ZGF mit Ausrüstung unterstützt.

2019

Beginn des ELP-geförderten Projekts Polesie – Wildnis ohne Grenzen.

2019

Die Kampagne Save Polesia gegen den Bau der E40-Wasserstraße wird ins Leben gerufen.

2018

Eine wissenschaftliche Studie über die (mehr als 100) wertvollsten Naturgebiete in der Polesie ist abgeschlossen. Sie dient als Grundlage für die Planung zukünftigerSchutzmaßnahmen.

2016

Europas größte Fledermausart, der Riesenabensegler, wurde in Belarus, zum ersten Mal seit 1930, in der Polesie wiederentdeckt.

2015

Die ZGF initiiert grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Schutz der Polesie.

2012

Das grenzüberschreitende Biosphärenreservat West Polesie, Belarus/Polen/Ukraine, wird ausgewiesen.

2012

Nach 5 Jahren intensiver Arbeit wird in der Ukraine der Nationalpark Pripyat-Stokhid ausgewiesen, der 40.000 ha umfasst.

2007

Die Verwaltung des regionalen Landschaftsparks Prypjat-Stokhid wird gegründet.

2002

Die ZGF beginnt erstmals in der ukrainischen Polesie mit der Naturschutzarbeit.

2002

Aktuelles

Partner

Erfolgreicher Naturschutz ist immer Teamarbeit. In allen Projekten arbeiten wir mit den nationalen Behörden, den zuständigen Schutzgebietsverwaltungen, nationalen Naturschutzorganisationen, Geberorganisationen und mit den örtlichen Gemeinden.

  • APB-BirdLife Belarus
  • Ukrainian Society for the Protection of Birds (USPB)
  • British Trust for Ornithology (BTO)
  • Endangered Landscapes Programme (ELP)
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„Die Polesie ist einer der wenigen Orte in Europa, wo wirklich die Natur regiert. Sie ist die Heimat einzigartiger Wildtierpopulationen und sie hat die reiche Kultur meines Volks geprägt. Dieses Projekt ist unsere Chance, diesen Schatz zu bewahren.“

Katsiaryna Nikalayeva, Projekmanagerin - Polesie – Wildnis ohne Grenzen, Belarus

Kontakt

Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V.
Bernhard-Grzimek-Allee 1
60316 Frankfurt

Telefon: +49 (0)69 - 94 34 46 0
Fax: +49 (0)69 - 43 93 48
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