Biodiversität: Im Dunkeln stochern (56)

„Motten“ sind klein, grau und langweilig – könnte man denken. Unser Kollege Julio Monzón überzeugt Marco vom Gegenteil und erklärt, welche Wunder in den kleinen und großen Schmetterlingen stecken, die er in Peru erforscht hat.

03.11.2023, Marco Dinter
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Die Feldforschung zu seiner Doktorarbeit hat Julio in Panguana absolviert, der ältesten biologischen Forschungsstation Perus, die 1968 von zwei deutschen Zoologen gegründet wurde. Auf zwei Quadratkilometern Regenwald konnte Julio vierhundert Arten Bärenspinner nachweisen. In ganz Europa leben gerade einmal 100 Arten. Ein Beispiel für die Megadiversität des südamerikanischen Landes.

Seit 1969 unterstützen wir in Peru. zahlreiche Projekte zum Schutz bedrohter Arten. 1990 begann mit einer wissenschaftlichen Studie über die Riesenotter im Manú-Nationalpark die Entwicklung des umfangreichen ZGF-Programms „Andes to Amazon“. Seitdem ist die Unterstützung kontinuierlich gewachsen und konzentriert sich aktuell auf vier Regionen mit 13 Schutzgebieten.

Die Unterstützung ist notwendig, weil auch die Bedrohungen der vielfältigen Ökosysteme durch illegale Goldwäsche, massiven Kokaanbau und andere Gefahren stark zugenommen haben.

Im Gespräch

Dr. Julio Monzón hat in Forstwissenschaft promoviert und arbeitet als Program Officer Kolumbien und Peru im ZGF-Südamerika-Referat in Frankfurt. Für seine Doktorarbeit hat eine Unterfamilie der Schmetterlinge im peruanischen Regenwald untersucht.

Große Vielfalt: Eine Auswahl der etwa 6.000 Bärenspinner-Arten, die in Südamerika vorkommen.
Die Pflanzen im Netz enthalten Pyrrolizidinalkaloide (abgekürzt PA). An diesem Köder sammelt sich eine Vielzahl an Bärenspinnern.
Einige Bärenspinner betreiben Mimikry: Sie sehen aus, wie gefährlichere Tiere (z.B. Wespen) um sich vor Fressfeinden zu schützen.
Julio bestückt eine Falle mit PA-haltigem Köder.

Transkript der Folge

Disclaimer: Dieses Transkript wurde automatisch erstellt und nur leicht nachbearbeitet. Trotz sorgfältiger Prüfung kann es Rechtschreib-, Grammatik- oder Zeichensetzungsfehler enthalten. Auch Namen, Fachbegriffe oder Ortsbezeichnungen können im Einzelfall ungenau wiedergegeben sein. Für den vollständigen Zusammenhang empfehlen wir die Audiofolge.

Wenn euch etwas auffällt, gebt uns gern Bescheid.

Folge: Im Dunkeln stochern (56)
Dauer: 34:01 Minuten
Veröffentlichungsdatum: 03.11.2023
Sprecher, Redaktion: Marco Dinter, Nils Elbert
Gast: Julio Monzón
Audioproduktion: Jeldrik Schröer
Intro, Outro, Jingles: Kai Bender (Musik)

Marco (00:00–01:26):
Hallo und herzlich willkommen bei Hinterm Zoo geht’s weiter. Ich bin Marco Dinter und ich mag Affen. Ich glaube, so oder ähnlich habe ich damals die allererste Podcast-Folge begonnen. Jetzt, 56 Folgen später, muss ich sagen, es gibt auch eine Menge anderer spannender Tiere auf diesem Planeten. Über eine Tiergruppe, die deutlich kleiner und deutlich weniger haarig ist, möchte ich heute sprechen, aber nicht nur. Mein Kollege Julio Monzon wird mir erklären, wie vielfältig sowohl seine Lieblingstiere als auch generell das Leben auf unserem Planeten ist und vor allem an bestimmten Hotspots dieser Erde, zum Beispiel in Peru. Da hat Julio seine Doktorarbeit geschrieben und auch die ZGF ist dort aktiv und schützt verschiedene Landschaften. Und das schauen wir uns heute mal gemeinsam an.

Bei mir im Studio ist jetzt mein Kollege Dr. Julio Monzon und ich freue mich sehr, dass er da ist. Hallo Julio.

Julio:
Hallo Marco, danke und schön hier zu sein.

Marco:
Vielleicht magst du dich einmal kurz selber mit zwei Worten vorstellen und sagen, was du bei der ZGF machst.

Julio (01:26–02:02):
Ja, ich bin seit einem halben Jahr schon, die Zeit zwar geht so schnell, hier bei der ZGF und bin der Programmofficer für Kolumbien und Peru. Und ich bin, soll ich sagen, die Brücke zwischen unseren Kollegen in Peru und Kolumbien und mit unseren Kollegen hier in HGU, also in Frankfurt. Und ich bin bei allen ein bisschen dabei und helfe den Kollegen, sich zu verständigen, irgendwie weiterzukommen mit den Fragen, die bei den Projekten entstehen.

Marco (02:03–02:34):
Und wir waren sogar gerade zusammen in Peru und da ist mir eine Situation besonders in Erinnerung geblieben. Da sind wir gerade mit dem Auto über so eine kleine Schotterpiste gefahren in eins der Projektgebiete, wo die ZGF dort aktiv ist. Und dann hast du unserem Kollegen Kevin, der gefahren ist, auf einmal ganz aufgeregt auf die Schulter geklopft. Du hast gesagt, pare pare pare. Also anhalten, anhalten. Bist rausgesprungen aus dem Auto und hast ein paar Pflanzen eingesammelt. Das war außergewöhnlich.

Julio (02:36–03:51):
Warum? Ja, jeder hat gedacht, mir geht es schlecht, ich muss schnell aus dem Auto raus. Aber ja, natürlich musste ich schnell aus dem Auto raus. Und das ist, weil ich eine Pflanze gespottet habe. Die habe ich mal am Rande von der Schotterpiste gesehen. Und die fand ich ganz interessant, die Pflanze, weil ich wusste, dass ich mit dieser Pflanze ganz hübsche und lustige Motten, also Nachtfalter, anlocken kann. Warum oder was für Nachtfalter? Also die Gruppe heißt, die Bärenspinner heißen die auf Deutsch, auf Englisch Tiger Moths. Und diese Gruppe, also viele Arten von dieser Gruppe, die sind an einem bestimmten Molekül angelockt. Das Molekül heißt, ganz schwieriger Name, Pyrolycidin-Alkaloide. Also es sind mehrere Alkaloiden, es ist eine Gruppe von Alkaloiden, die Pflanzen, also auch mehrere Pflanzen auf der Welt, als sekundäre Metaboliten oder Inhaltsstoffe haben.

Marco (03:51–04:00):
Okay, jetzt muss ich kurz dazwischen für unsere Nicht-Biologen. Das heißt, das sind quasi dann ja auch Gifte zum Beispiel, die eingelagert werden in der Pflanze?

Julio (04:00–04:11):
Genau, richtig. Also diese Pflanzen nutzen diese oder produzieren auch selber die PA, kurz gesagt, um sich selber zu schützen vor Herbiboren zum Beispiel.

Marco (04:11–04:12):

Also vor Pflanzenfressern.

Julio (04:12–04:43):
Genau, danke. Und die Bärenspinner, viele Arten davon, haben sich spezialisiert, diese Pyrolycidinalkaloide, die PAs, aufzunehmen, erstmal zu suchen. Wir haben bestimmte Mechanismen entwickelt, die zu suchen, aufzunehmen und die lagern die PA in ihren Körper und damit sind sie auch geschützt vor Prädatoren. Also vor Fressfeinde.

Marco (04:44–04:49):
Und warum hast du jetzt dann auf unserer Reise plötzlich diese Pflanzen eingesammelt?

Julio (04:49–05:36):
Wofür brauchtest du die? Genau. Ich habe meine Doktorarbeit über die Diversität dieser Bärenspinner. Und um einen Teil dieser Diversität zu erfassen, habe ich diese Pflanzen verwendet, beziehungsweise diese Alkaloiden verwendet, um die anzulocken. Also die Pflanzen, diese Moleküle habe ich als Köder verwendet. So konnte ich mehr Arten fangen, als ich zum Beispiel, wenn ich nur eine Diversitätserfassung mit Licht mache. Ich wollte eine komplementäre Methode zum Licht ausprobieren.

Marco (05:38–05:56):
Das heißt, Motten fängt man normalerweise mit Licht. Das ist ja schon fast ein Sprichwort wie die Motte zum Licht. Und du hast was Neues ausprobiert. Du hast deine Doktorarbeit, soweit ich weiß, in Freiburg geschrieben. Das heißt, du hast hier in Deutschland Bärenspinner gefangen?

Julio (05:57–06:40):
Ne, also ich habe, das ist richtig, ich habe mein Doktorarbeit in Freiburg geschrieben, aber ich war an den Bärenspinner in den Tropen, beziehungsweise in den Neotropen interessiert, in den Regionen von Südamerika und Zentralamerika, das sind die Neotropen und dort ist die Diversität von den Bärenspinnern am höchsten. Deshalb konnte ich auch so viele fangen. Um einen kleinen Vergleich zu machen, also in Europa finden wir ca. 100 Arten von den Bärenspinnern und in den Neotropen sind es über 6000 Arten davon.

Marco (06:43–07:03):
Und wie sehen die so aus? Vielleicht müssen wir die Bärenspinner noch mal etwas näher beschreiben. Ich habe dich ja gesehen, wenn du dann nachts diese Pflanzen ausgelegt hast und tatsächlich, muss man sagen, waren dann kurz danach oft diverse Motten drumherum, die dann doch irgendwie alle für mein ungeschultes Auge klein und grau aussahen, um ehrlich zu sein.

Julio (07:03–07:58):
Ja, also auch eine weitere Besonderheit der Bärenspinner, die an den Pflanzen angelockt werden. aber auch in der ganzen Gruppe, ist, dass sie ganz schöne, auffällige Farben haben, also Rot, Orange, Gelb, das sind die sogenannten aposematischen Farben, so eine Warentracht. Auch andere Arten sehen aus wie Wespen, also die machen Mimikrie, die schützen sich dadurch, dass sie wie gefährliche Wespen aussehen. Auch eine weitere Besonderheit dieser Bärenspinner ist, dass diese, die nehmen ja die PA auf und damit können, also sie sind ja geschützt, aber auch einige Arten können daraus auch Pheromone produzieren.

Marco (08:00–08:02):
Sexual Luftstoffe.

Julio (08:02–08:44):
Richtig. Und je mehr PA die dann aufnehmen, können sie ja auch bessere Chancen für die Paarung haben. Es gibt Arten, wo die Männchen durch die Paarung oder bei der Paarung, bei der Espermatofore, die Moleküle an die Frau übergeben, so wie ein Geschenk, ein Hochzeitsgeschenk. Und mit diesen PA-Molekülen, die dort sind, die werden auf die Eier übertragen. Und dann sind die Eier und die kleinen Eiräubchen auch vor Wespen, zum Beispiel parasitische Wespen geschützt.

Marco (08:45–08:51):
Und die kleinen Larven quasi und Raupen sind schon giftig damit dann quasi.

Julio (08:51–09:29):
Genau, also es ist eine ganze Ökologie, die sich dahinter verbirgt. Und das Ganze nennt man Pharmakophagie oder in dem Fall PA-Pharmakophagie. Diese ganze Wechselwirkung zwischen, das ist ganz witzig und besonders, weil es gibt keine Wechselwirkung zwischen einer Art oder einer Gruppe von Bärenspinnern und einer bestimmten Pflanze, sondern eine Wechselwirkung zwischen einem Insektor, also die Bärenspinner, mit einem Molekül, also mit den PAs. Und dieses Molekül kann man in verschiedenen Pflanzen, also Arten, auch finden.

Marco (09:30–09:37):

Okay, jetzt habe ich kapiert, dass diese Bärenspinner doch ein bisschen mehr sind als graue Motten. Wo genau hast du an denen denn geforscht?

Julio (09:38–10:32):
Für meine Forschung war ich in einer, also in Peru auch. Ich komme auch ja selber aus Peru und ich durfte meine Forschung in der ersten biologischen Station oder Forschungsstation in Peru machen. Forschungsstation Panguana. Und dort wird seit über 50 Jahren geforscht. Die Station wurde auch vor über 50 Jahren gegründet von einem deutschen Paar. Und über die Station kann man bestimmt eine ganze Folge berichten. Aber genau, ich war dort, das ist im Tiefland Regenwald, auch wo die Diversität in Peru am höchsten ist. Also so ein Hotspot, ein richtiger Hotspot für Diversität in Peru und auf der Welt.

Marco (10:34–10:57):
Und was genau war dann da dein Alltag? Du hast schon ein bisschen angedeutet, du hast Motten gefangen, nicht nur mit Licht, sondern auch mit Hilfe der, ich werde auch PA sagen, ich möchte mir die Zunge nicht bringen. Kannst du mir so ein bisschen beschreiben, was du dann da den ganzen Tag gemacht hast? Genau, also eine Fragestellung von meiner Doktorarbeit war,

Julio (10:58–13:09):
Ich habe mich gefragt, wie viele Arten werden mit der Methode Licht, also die Methode, womit man die meisten oder fast alle Mottenforschung gemacht wird und wie viel Prozent oder welcher Teil kommt nicht ans Licht. Das war auch eine weitere Frage. Deshalb habe ich viel gefangen, also viel aufgenommen. Und dafür haben mir Fallen auch geholfen. Und diese Fallen, also die Lichtfallen, die sind ja häufig zu finden, also auch sogar gut entwickelt mittlerweile, auch mit LED. Und ich habe jeden Abend hingen die in den Bäumen, in den Regenwalden, bestimmten Standorten, auch die PA-Fallen. Und genau, meine Aufgabe, oder was ich ein Jahr gemacht habe in Banguana, war morgens aufgestanden, hingegangen zu den Fallen, die eingesammelt, die ausgeleert. Da habe ich die Bärdenspinner, die dort drin waren, aufgenommen auf einer Datenbank und oft oder teilweise, großteils habe ich dann direkt bestimmen können mit einem Artenkatalog, was wir auch dafür erstellt haben. Und das war schon so eine Beschäftigung für einen halben Tag, weil dann bis mittags war ich damit beschäftigt. Bei der Mittagshitze habe ich, muss ich zugeben, ganz ehrlich wenig gemacht, weil mit dieser Hitze kann man wirklich wenig machen. Und dann habe ich mich einfach in meiner Hängematte hingelegt. So schön kann die Forschung auch sein. Oder manchmal war ich auch am Fluss. Und genau, um vier, fünf, ja, habe ich die Fallen wieder genommen, habe ich die wieder installiert, wieder angeschaltet. Schon um sechs war es dunkel und habe die einfach weiter für mich die Arbeit über die Nacht machen lassen.

Marco (13:10–13:13):
Wie genau funktionieren diese Fallen dann? Wie sind die aufgebaut?

Julio (13:14–14:39):
Also die Lichtfallen sind, man nennt die auch Fensterfallen. Das sind so zwei Platten, die übereinander sind und in der Mitte ist das Licht. In meinem Fall habe ich ein LED-Licht, also speziell für Motten verwendet. Und darunter ist ein Trichter und ein Fangbehälter. Dann kommen die Falter und fliegen ins Licht. Und irgendwie ein Teil davon, man weiß auch nicht genau wie viel, aber ein Teil davon landet dann drin im Behälter. Das waren so die Lichtfallen. Die PA-Fallen, die wurden speziell für die Bernspinnen entwickelt, weil die sind ganz geschickte Flieger. Die können von den herkömmlichen Tagfalterfallen, die ganz einfach sind, ganz schnell rausgehen. Das war so ein bisschen ein schwieriges Mechanismus, wo sie reingehen musste durch Schläuche zum Köder, also zum PA-Köder. Und dann konnten sie nicht mehr so richtig, nicht mehr einfach raus. Diese Falle wurde auch damals von der Forschungseinrichtung an der Uni Freiburg entwickelt. Und genau, damit habe ich die auch tagsüber gefangen, weil die Bärenspinner nicht nur abends unterwegs sind, es gibt auch tagaktive Bärenspinner.

Marco (14:41–14:54):
Also auf jeden Fall eine sehr spannende Motte. Wie viele Arten konntest du denn dann nachweisen? Du hast dann dich auf ein bestimmtes Gebiet konzentriert oder wie war das?

Julio (14:54–15:34):
Ja, also zum Glück musste ich nicht so weit rennen. Die habe ich ja anziehen ans Licht, oder die wurden ja angezogen ans Licht und angelockt an die PA. Und ja, ich hatte ein paar Fallen und insgesamt waren so circa, also nicht überall waren Fallen, aber das ganze Untersuchungsgebiet war nicht größer als zwei Kilometer. Quadratkilometer. Quadratkilometer, danke. Und in diesem relativ sehr winzigen Gebiet konnte ich über 400 Arten nachweisen. Also Bärenspinnerarten.

Marco (15:35–15:37):

Mal so zum Vergleich, wie viel gibt es in Europa?

Julio (15:38–15:43):

Ja, in Europa sind es nicht so um die 100 Arten. In ganz Europa.

Marco (15:44–16:05):

Und um euch mal so eine Zahl zu geben, 400 Bärenspinnerarten auf zwei Quadratkilometern, es gibt weltweit von den, wie ich ja finde, viel spannenderen Affen überhaupt nur 400 Arten. Also da muss man sagen, da haben die Bärenspinner dann definitiv gewonnen.

Julio (16:05–16:20):
Genau, und die ganzen Insekten. Also wenn man über Diversität spricht, dann haben die Insekten einigermaßen oder Machstäbe als Säugetiere.

Marco (16:21–16:56):

Und diese Diversität, die du gerade ansprichst, die ist in Peru besonders hoch. Das hast du eben schon angedeutet, das peruanische Tiefland, also da wo Regenwald wächst, ist extrem biodivers. Also es gibt wahnsinnig viele Arten, nicht nur von Insekten, aber auch von Säugetieren, von Pflanzen, von Pilzen, allem, was man sich so vorstellen kann. Jetzt ist Panguana ja kein ZGF-Projekt, aber wir haben auch ZGF-Projekte in Peru. Wie ist denn die Arbeit oder welche Schutzgebiete haben wir denn da vor Ort?

Julio (16:57–17:24):
Ja, also wir haben mit der ZKF arbeiten wir an vier, wir nennen es Landschaften, also Landscapes. Wahrscheinlich eins, was die meisten Zuhörer, Zuhörerinnen kennen, ist Manu, die Landscape Manu mit dem Manu Nationalpark. Wahrscheinlich der Star bei den Biodiversitäts-Hotspots.

Marco (17:24–17:49):
Und tatsächlich ein Gebiet, was man unterstützt, wenn man in den Frankfurter Zoo geht, weil man am Eintritt oder bei der Kasse, wenn man seinen Eintritt bezahlt, kann man ja den Naturschutz-Euro mitbezahlen. Das ist eine freiwillige Spende und die geht zum Teil mit in den Manu-Nationalpark. Das heißt, da haben wir eine ganz enge Verbindung zu in Frankfurt. Richtig. Aber ich habe dich unterbrochen. Du hast von vier Landschaften gesprochen.

Julio (17:49–19:38):
Danke, dass du es angesprochen hast. Das ist auf jeden Fall echt jedes Jahr eine sehr gute und starke Unterstützung vom Frankfurter Zoo für den Manu-Nationalpark. Und drumherum sind auch andere Naturschutzgebiete. Direkt nebendran ist ein weiteres Landscape, also eine weitere Landschaft, Pulus, mit dem Nationalpark Mano Pulus. Also südlich von beiden ist Bahuajasone Netambopata. Das sind auch zwei große Naturschutzgebiete. Diese drei sind, sagen wir mal, im südlichen Bereich vom peruanischen Regenwald Und ganz im Norden, schon fast an der kolumbianischen Grenze, haben wir die Landschaft Yahuas. Yahuas ist einer der jüngsten Nationalparks in Peru. Das ist nicht älter als fünf Jahre alt. Und die sind alle im Regenwald, im peruanischen Regenwald. Und dadurch, dass wir auch in den Tropen sind, da ist eine sehr große Diversität. Und in Peru, wir haben auch noch die Anden und durch die unterschiedlichen Höhenstufen, ja, kannst du dir schon vorstellen, dass in jeder Stock sozusagen eine andere Diversität, Artenzusammensetzung an Pflanzen, aber auch an Tieren und Pilzen, die sind auch wichtig, ja, kippt. Und dadurch, wenn man das alles zusammenzählt, kann man sagen, dass Peru ein Weltmeister der Diversität ist und wenn nicht ganz oben auf der Tabelle.

Marco (19:39–19:56):
Und das ist eine Diversität, die wir unbedingt schützen müssen und sollten. Gleichzeitig weiß ich, es gibt auch viele Gefahren. Du bist ja jetzt mitverantwortlich für die Projekte in Peru. Was sind so die größten Herausforderungen? Was sind so die Probleme, die wir da im Naturschutz haben?

Julio (19:56–21:54):
Ja, also die Abholzung steigt rasant jedes Jahr. Das passiert ja überall in Peru leider. Aber bei unseren Landschaften passiert die Abholzung in den Nationalparks oder in den Naturschutzgebieten auch viel durch illegalen Aktivitäten. In erster Linie sind es die Coca-Plantagen, die illegal sind, die für die Kokainherstellung durchgeführt werden. Aber jetzt seit den letzten Jahren ist eine Aktivität noch viel profitabler als die Kokainherstellung. Und zwar das Goldschürfen oder Goldwaschen an den Flüssen und an den Zandbänken und sogar im Regenwald. Und das passiert auch in den Nationalparks, das passiert auch in den Naturschutzgebieten. Und das ist zwar illegal, aber dadurch, dass es in so großen Ausmaßen passiert, ist es kaum zu kontrollieren. Und das ist wirklich, also die CERNAM, die Naturschutzbehörde in Peru, die sich für die Naturschutzgebiete verwaltet, die kann kaum diese illegale Aktivität stoppen, weil die passiert in vielen Orten. Und ja, eigentlich, man muss viel dort vor Ort machen, nicht nur in Peru, in Kolumbien, Brasilien, aber vielleicht, wir können auch von Europa, von reichen Ländern auch was dafür machen und uns bewusst sein, was wir dann verursachen können, wenn wir so handeln, wenn wir zum Beispiel Gold kaufen.

Marco (21:55–22:06):
Gibt es denn irgendwie, also bei Fleisch würde man von Bio sprechen, gibt es sowas wie Bio-Gold oder fair gehandeltes Gold, gut abgebautes Gold? Gibt es da sowas in die Richtung?

Julio (22:06–23:09):
Ja, es gibt viele Initiativen für Verhältnis, Nettels Gold. Ja, es ist je nach Siegel, soll ich sagen, ist ja das eine oder andere vertrauenswürdig oder eher nicht. Da gibt es eine Riesendiskussion und da ist man erstmal sehr beschäftigt, Standard zu etablieren. Und man muss sich aber auch merken, dass viel von dem Gold, wie viele denken, das geht viel in die Technologie, aber eigentlich nur 7% wird in unseren Handys und Tablets verwendet. Das meiste Gold wird bei unserem Schmuck und Uhren verbraucht. Also von den Leuten, die das tragen. Und dann kann man sich auch fragen, wie wichtig dem Menschen das ist, Schmuck und Ohren aus Gold zu tragen.

Marco (23:10–23:33):
Irgendwie stelle ich mir bei Goldwäscherei, vielleicht habe ich ein etwas romantisches Bild, aber ich stelle mir das jetzt so vor, da steht jemand in einem Fluss mit so einem Sieb und wäscht das raus, so wie ich das aus alten Donald Duck Comics kenne vielleicht. Das scheint mir aber eine ganz andere Dimension zu haben. Was macht denn dieser Goldabbau? Also wie findet der statt und was macht das mit dem Regenwald vor Ort?

Julio (23:33–25:20):
Ja, das ist eigentlich auch schon ein bisschen dieses Bild, was du gerade beschreibst. Das ist ja auch in Kalifornien vor vielen Jahren passiert. Aber das Problem heutzutage ist, dass erstens Quacksilver verwendet wird. Um das Gold zusammenzukriegen, vermischen sie es mit Quacksilver, die, sagen wir mal, kochen das. Und das ganze Quackswilber gelangt in die Luft. Danach dann durch den Regen oder durch Niederschläge wieder in die Erde, ins Wasser. Dann durch die Nahrungskette gelangt es dann letztendlich irgendwann auch in den Menschen, aber auch in die Tiere. Das ist ein großes Problem vom Goldschürfen oder Goldgewinn im Regenwald. Und das andere Problem ist, dass Gold, man findet ja im Wasser, in Gewässern Gold. Also diese Gewässer werden komplett verändert, um Gold aus dem Sediment rauszuholen. Aber nicht vergessen, dass diese Flüsse, die merendieren, und da wo jetzt Flüsse sind, das war nicht immer dort, sondern die waren auch woanders. Und in diesen Zandbänken oder diese Sedimentbänken von den Flüssen, die sogenannten Altarme, da findet man auch Gold. Heutzutage ist darauf Regenwald und dieses Regenwald wird auch zerstört, um aus den Sedimenten unter dem Regenwald Gold zu gewinnen.

Marco (25:21–25:26):
Das heißt, der Regenwald wird großflächig dafür dann gerodet und zurück bleibt wahrscheinlich nicht viel.

Julio (25:27–25:58):
Sand. Und wir haben das leider mit unseren Augen beobachten können, als wir in Tamopata, da in La Pampa, es wurde großflächig Gold abgebaut. und da ist es heutzutage eine Wüste. Da wächst leider nichts mehr, es ist nur Sand und bis sich das erholt, wird wahrscheinlich viel passieren müssen.

Marco (26:00–26:17):
Also wir haben illegalen Goldabbau, wir haben Coca-Plantagen irgendwo im Regenwald, wir haben Holzfällerei, Viehzucht hast du angesprochen. Eine Menge Schwierigkeiten, eine Menge Herausforderungen für den Naturschutz. Wie arbeitet denn die ZGF vor Ort? Was tut die ZGF dagegen?

Julio (26:18–29:00):
Genau, also die ZGF ist vor Ort schon seit vielen Jahren und als wichtigster Partner haben wir Sernam. Sernam ist, wie ich schon gesagt habe, die Naturschutzgebietbehörde. Wir unterstützen die in unterschiedlichen Aspekten. Eins ist die Kontrolle dieser ganzen illegalen Aktivitäten. Dafür braucht man Kontrollposten, Satellitenbilder, um die Bewegungen von illegalen Akteuren zu sehen und zeitnah zu verfolgen. Aber auch die Unterstützung der Polizei und der Stadtanwaltschaft, Prozesse zu führen. Aber wir liefern quasi die Daten und der peruanische Staat muss dann damit handeln. Also Satellitendaten zum Beispiel? Genau. Dann in den angrenzenden Gebieten, also in den Nationalparks zum Beispiel, also in den Pufferzonen. Wir arbeiten mit den Menschen dort. Wir machen Umweltbildungsprogramme oder Projekte. Auch die Menschen brauchen auch Ressourcen, um zu leben. und wir versuchen sie zu unterstützen durch nachhaltige Projekte, also Projekten, die ein nachhaltiges Einkommenquellen sichern können. Kannst du mir da ein Beispiel nennen? Zum Beispiel in Manu, das Ganze wurde als Biosphärenreservat deklariert und es gibt eine Initiative, wo die ZGF stark involviert ist. diese Produkten, die an den Pufferzonen von dem Nationalpark angepflanzt werden, zum Beispiel die sogenannte Auaimant, also Visalis, besser in den Märkten mit hoherem Wert verkaufen werden können, weil die ja besonders sind, weil sie dadurch, dass diese mit einem höheren Preis gehandelt werden können, können die Familien dort mehr Ressourcen leben und sich dann auf einem bestimmten Gebiet zu begrenzen, für die Aueimant, also für die Viehsalis, und dadurch die aus der Idee wegzubringen, mehr Wald auszuroden, um Viehhalz zu machen.

Marco (29:02–29:21):
Und wir haben ja jetzt ein bisschen über Biodiversität gesprochen. Wir haben über 400 verschiedene Mottenarten auf zwei Quadratkilometern gesprochen. Schaut die ZGF sich auch das so ein bisschen an in ihren Projekten? Also guckt die ZGF, welche Arten leben hier?

Julio (29:21–30:21):
Genau, eine andere Sache, die die ZGF macht in den Gebieten, ist ein biologisches Monitoring. Zum Beispiel, also es gibt ein paar Arten, aber ein gutes Beispiel ist das Riesenotter-Monitoring. Es gibt ja, das läuft ja seit über 20 Jahren, dieses Monitoring, da hat man Daten, um zu sehen, wie gesund die Populationen über die Jahre sind, wie sie betroffen werden von diesen ganzen Bedrohungen und wie sie mit ihrem Lebenraum auskommen können. wie das Wasserqualität ist, wie die Waldqualität, also Habitatsqualität ist, ob sich da was verändert in der Population und auch ein bisschen mal versucht zu korrelieren, ob da die Habitatsveränderungen auch damit was zu tun haben, wenn sie denen ein bisschen schlechter geht zum Beispiel.

Marco (30:21–30:59):
Und endlich mal ein großes Tier mit Fell. Über das Thema Monitoring haben wir tatsächlich auch schon in einer anderen Podcast-Folge gesprochen. In der Folge Was ist was und wie zählt man das? Mit unserer Kollegin Freya, die auch mit uns in Peru war zum Beispiel. Das heißt, wir haben in Peru aber wahnsinnig diverse Lebensräume, diverse artenreiche, biodiverse Lebensräume. was man allein schon an 400 Bärenspinnern sehen kann, 400 Arten Bärenspinnern, die dann doch gar nicht so langweilig sind, obwohl es kleine graue Motten sind.

Julio (30:59–31:21):
Genau, und im Manu-Nationalpark und im peruanischen Regenwald gibt es nicht nur Bärenspinner. Ich war ja auf der Jagd von Bärenspinnern, aber die wollte ich ja aus entomologischer Neugier Insektenkunde Neugier angucken. Und die habe ich ja auch bekommen an meinen Pflanzen.

Marco (31:21–31:30):
Einmal für euch, wir sind da nachts immer um die Hütten gesprungen, um diese Stapel von Pflanzen anzugucken und graue Motten, die drumherum geschwürzt sind. Für mich, für mich.

Julio (31:30–32:04):
Ja, aber unterschiedliche Arten immer und mehrere davon. Und das hat mich sehr gefreut. Leider konnten wir tagsüber nicht die nicht ködern, weil wir ja unterwegs waren. Aber nicht nur diese Bärenspinner gibt es in Manu, sondern auch in den hohen Lagen vom Manu-Nationalpark gibt es auch richtige Bären, also die Brillenbären oder Andenbären. Und ich glaube, wir haben auch hier zwei, nee, nicht glauben, ich weiß, dass hier im Zoo Frankfurt zwei Stück davon haben.

Marco (32:05–32:23):
Und einer davon heißt tatsächlich Manu, wie der Manu-Nationalpark, den wir ja eben auch mit dem Naturschutz-Euro unterstützen. Und damit haben wir jetzt, glaube ich, so einen perfekten Abschluss gefunden, dass mir nicht viel üblich bleibt, als dir zu danken für das schöne Gespräch. Vielen, vielen Dank, Rolio. Julio (32:24–32:27): Danke, Marco. Und es war echt schön, mit dir zu sprechen.

Marco (32:33–33:47):
Okay, okay, okay. Julio hat mich überzeugt. Auch kleine graue Motten können ganz schön spannend sein. Und vor allem gar nicht so grau, wie man denken möchte. Wir packen euch auf jeden Fall ein paar Bilder von Bärenspinnern in die Shownotes, damit ihr sehen könnt, wie vielfältig und bunt diese Nachtfalter tatsächlich sind. Vielfältig ist das Stichwort, wenn es auch um unsere Projekte in Peru geht. Sowohl was die Bedrohung angeht, wir haben über Gold gesprochen, über Coca-Anbau, als auch um die Schutzmaßnahmen, die die ZGF vor Ort durchführt. Umso mehr freuen wir uns beim Frankfurter Zoo, dass wir solche wichtigen Projekte wie den Manu-Nationalpark unterstützen können. So sehr, dass wir sogar einen unserer Bären danach benannt haben. Da könnt ihr ja beim nächsten Besuch, wenn ihr euren Naturschutz auch gezahlt habt, direkt mal schauen, ob ihr den entdecken könnt. Die Brillenbären leben bei uns direkt hinter dem Eingang. könnt ihr eigentlich kaum verfehlen. Ich bin Marco Dinter und wir hören uns das nächste Mal wieder bei Hinter dem Zoo geht’s weiter.

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